Montag, 18. November 2019

Finanzminister in Sorge Schäuble sieht Jahrhundertprojekt Euro in Gefahr

Bundesfinanzminister Schäuble: "Die von Griechenland ausgelöste Vertrauenskrise gefährdet inzwischen den Euro als Ganzes"
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Bundesfinanzminister Schäuble: "Die von Griechenland ausgelöste Vertrauenskrise gefährdet inzwischen den Euro als Ganzes"

Lange hat Wolfgang Schäuble die Griechen selbst zum Lösen ihrer Finanzkrise aufgefordert. Jetzt muss Deutschlands Finanzminister ein bitteres Fazit ziehen. Die Griechen-Krise bedroht mittlerweile das Überleben des Euro. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn fordert die Deutschen auf, sich jetzt selbst zu retten.

Hamburg - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht den Euro als Ganzes durch die Schuldenprobleme Griechenlands bedroht. Weil an den Märkten bezweifelt werde, dass Griechenland seine Schulden tragen könne, habe das Land eine Vertrauenskrise des Euro ausgelöst. Die Euro-Gruppe arbeite an "zügigen Lösungen" für das Griechenland-Problem, sagte Schäuble in einem Interview mit den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Schäuble plädierte für strengere Regeln an den Finanzmärkten und eine stärke Aufsicht der Ratingagenturen.

"Wir müssen sicherstellen, dass Griechenland seine Schulden tragen und finanzieren kann", was an den Märkten derzeit bezweifelt werde. "Diese von Griechenland ausgelöste Vertrauenskrise gefährdet inzwischen den Euro als Ganzes", sagte Schäuble. Die Lösung solle jetzt die Euro-Arbeitsgruppe erarbeiten. "Und dann sehen wir, welche Optionen sich anbieten", sagte Schäuble zum Zeitplan.

Nicht nur Schäuble sorgt sich mittlerweile um ganz Europa. Das bittere Gefühl teilt er offenbar mit der großen Mehrheit der deutschen. 86 Prozent der Befragten fürchten nach der jüngsten Erhebung des ZDF-Politikbarometers um die Stabilität des Euro. Kein Thema sei den Bürgern derzeit wichtiger, teilte das ZDF am Freitag mit. Dabei trägt das Krisenmanagement der EU nicht zur Vertrauensbildung bei: Mit 53 Prozent stellen mehr als die Hälfte der Befragten der Politik ein schlechtes Zeugnis zum Krisenmanagement aus. Nur 35 sagen, dass die EU mit dem Thema eher gut umgeht.

Ifo-Chef Sinn: "Wir müssen an unsere eigene Haut denken"

Von weiteren Hilfen für Griechenland hält dagegen, anders als Schäuble, eine deutliche Mehrheit der befragten Bundesbürger nichts: 58 Prozent sagen dazu Nein, nur 37 Prozent Ja. Deutschlands Prominentster Ökonom unterstützt sie dabei.

Die Bundesrepublik darf nach Ansicht von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn nicht länger Zahlmeister in der Euro-Krise sein. Die mit den Euro-Rettungsschirmen erkaufte relative Ruhe sei "nur die Vorstufe für einen noch größeren Sturm, der in der Zukunft kommt", warnte der Ökonom am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Deutschland müsse jetzt die von den Banken aufgebaute "Erpressungssituation" durchbrechen und Ruhe bewahren. "Wir müssen auch an unsere eigene Haut denken."

Nötig sei ein "Rettungssystem mit Augenmaß", das Staaten nach zwei Jahren vergeblicher Hilfe automatisch in eine Umschuldung und notfalls zur Insolvenz führe. "Sonst werden wir hemmungslos ausgenutzt durch dieses europäische System", sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts. Wenn die Schulden der Euro-Staaten weiter vergemeinschaftet und die Zinssätze vereinheitlicht würden, gebe es keinerlei Anreiz mehr für eine solide Haushaltsführung.

kst/dapd/rtr/afp/dpa

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