Reaktionen Politik feiert neue IWF-Chefin Lagarde

Nach mehr als 60 Jahren wird mit Christine Lagarde erstmals eine Frau den Internationalen Währungsfonds anführen. Ihre Wahl  wird weltweit begrüßt. Lagarde versicherte, den eingeschlagenen Reformweg fortsetzen zu wollen.
"Allen Mitgliedern mit der selben Aufmerksamkeit und in dem selben Geist dienen": neue IWF-Chef Lagarde

"Allen Mitgliedern mit der selben Aufmerksamkeit und in dem selben Geist dienen": neue IWF-Chef Lagarde

Foto: RAFAEL MARCHANTE/ REUTERS

Washington - Die Wahl der französischen Finanzministerin Christine Lagarde zur neuen Präsidentin des Internationalen Währungsfonds IWF ist weltweit begrüßt worden. Auch in Paris wurde die Entscheidung des 24-köpfigen IWF-Verwaltungsrats gefeiert, der erstmals in seiner mehr als 60-jährigen Geschichte eine Frau an der Spitze erhält. Die 55-Jährige folgt Dominique Strauss-Kahn nach, der eines Sexualverbrechens beschuldigt wird und Mitte Mai zurückgetreten war. Sie tritt ihr neues Amt am 5. Juli an und wird den IWF zunächst fünf Jahre führen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso äußerte sich positiv zu der Personalentscheidung des IWF. In einer Mitteilung lobte er am Dienstagabend die "Expertise, Erfahrung und das Talent" Lagardes. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU-Kommission hätten in den vergangenen Monaten Tag für Tag zusammengearbeitet, um den Euro-Staaten mit Schwierigkeiten zu helfen. "Ich wünsche mir, diese engen Beziehungen und die Kooperation zu verstärken", sagte Barroso.

Eine Gratulation kam am späten Abend auch von Weltbank-Präsident Robert Zoellick. Und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ließ mitteilen: "Ich freue mich für Frau Lagarde. Das ist eine ausgezeichnete Wahl".

"Das ist ein Sieg für Frankreich", verlautete am Dienstagabend aus dem Präsidentenpalast in Paris, wie das französische Fernsehen berichtete. Von Präsident Nicolas Sarkozy wird in den nächsten Tagen eine Entscheidung über die Neubesetzung des Finanzministeriums erwartet. Sein Außenminister Alain Juppé nannte die Entscheidung des IWF-Verwaltungsrats zugunsten seiner Kollegin die "Anerkennung einer außergewöhnlichen Frau".

Lagarde hatte nur einen Mitbewerber, Mexikos Notenbankchef Agustín Carstens, und galt von vornherein wegen der Unterstützung durch die europäischen Länder als Favoritin. Nachdem sich am Dienstag außerdem noch die USA öffentlich hinter die Französin gestellt hatten, war ihre Wahl ausgemachte Sache. So fiel die Entscheidung schon nach wenigen Stunden, zwei Tage vor der eigentlichen Frist.

Die designierte IWF-Chefin bekräftigte nach ihrer Wahl, den eingeschlagenen Reformweg der Organisation weitergehen zu wollen. "Ich werde es zu meinem übergeordneten Ziel machen, dass unsere Institution weiter allen Mitgliedern mit der selben Aufmerksamkeit und in dem selben Geist dient", sagte sie laut einer Mitteilung. Das Handeln des IWF müsse wirklichkeitsnah, vorausschauend, effizient und gerechtfertigt sein.

Lagardes Vorgänger Strauss-Kahn war wegen des Verdachts der versuchten Vergewaltigung in New York festgenommen worden und muss sich vor Gericht verantworten. Der ehemalige französische Finanzminister soll laut Anklage ein Zimmermädchen in einem Hotel sexuell attackiert haben. Bis zum Prozess befindet er sich in New York unter Hausarrest.

Der Währungsfonds ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. Bei der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt er eine bedeutende Rolle. Mit den Europäern schnürte der Fonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal. Außerdem entsendet er Teams in Schuldnerländer, die deren Fortschritte überprüfen.

Rei/dpa-afx

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