Dienstag, 7. April 2020

Wen Jiabao in Berlin Die Mär von der China-Invasion in Deutschland

Yuan-Geldscheine: Noch sind die Investitionen aus China in Deutschland sehr gering

Die große Welle ist noch nicht angekommen. Zwar haben Angela Merkel und Chinas Premier Wen Jiabao heute gegenseitige Milliardenorders unterzeichnet. Auch investieren Chinas Unternehmen vermehrt in Deutschland - doch selbst kleine Staaten wie Belgien sind hierzulande noch aktiver. Das hat Gründe.

Hamburg - Der Ankündigungsmarathon vor dem deutsch-chinesischen Wirtschaftsforum in Berlin hat bald ein Ende. Heute sind Milliardenaufträge mit China unterzeichnet worden, und Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao, der mit 13 Ministern nach Deutschland gereist ist, geizt nicht mit großen Worten: Er hält eine Verdopplung des Handelsvolumens mit Deutschland von derzeit 150 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren für möglich.

Große deutsche Unternehmen haben vor dem Treffen deshalb zurecht auf einen Auftragsreigen gehofft: Airbus, Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen haben grünes Licht der Pekinger Regierung für neue Milliardeninvestitionen erhalten. VW will zusammen mit Joint-Venture-Partnern neue Fabriken und Elektroautoprojekte ins Rollen bringen. Der Daimler-Konzern will in China eine Motorenfabrik sowie ein Forschungszentrum errichten. Der Chemiekonzern BASF Börsen-Chart zeigen bereitet eine strategische Zusammenarbeit mit der Stadtregierung von Chongqing vor.

Kein Wunder also, dass Wirtschaftsminister Philipp Rösler bereits vor dem Treffen in China "enorme Chancen" für deutsche Unternehmen sah. Doch China werde auf den internationalen Märkten nicht nur im Handel, sondern auch bei Investitionen und im Projektgeschäft immer aktiver, stellte Rösler fest. Boulevardzeitungen wird das Treiben der Chinesen in Deutschland bereits jetzt unheimlich. In großen Lettern warnt etwa die "Bild"-Zeitung vor der "China-Invasion", die laut der Zeitung einem "Peking-gesteuerten Plan" folgt.

Chinesen investieren häufiger in Deutschland - allerdings geringe Summen

In einem hat die Zeitung recht: Die Aktivitäten chinesischer Unternehmen in Deutschland nehmen deutlich zu. In diesem Jahr haben bereits sechs chinesische Unternehmen Beteiligungen oder Übernahmen in Deutschland angekündigt, zeigen Zahlen des Finanzdienstleisters Bloomberg. In den Jahren 2010 und 2008 verzeichnete Bloomberg nur je fünf solcher Schritte, im Jahr 2009 waren es sogar nur zwei.

Und die chinesischen Investoren wagen sich an bekanntere Unternehmen. Im April etwa übernahm die chinesische CQLT-Gruppe den insolventen deutschen Autozulieferer Saargummi, im Juni griff der chinesische Computerhersteller Lenovo Börsen-Chart zeigen bei Medion Börsen-Chart zeigen zu. Für rund 600 Millionen Euro schnappte sich Lenovo die Mehrheit bei dem Lieferanten von Aldi-Computern, der bislang größte Deal eines chinesischen Unternehmens in Deutschland.

China will sich in Europa und speziell in Deutschland technologische Expertise einkaufen. Der jüngste Fünfjahresplan der Chinesen für die Jahre 2011 bis 2015 sieht Investitionen von 300 Milliarden Dollar jährlich in sieben Branchen vor, zu denen alternative Energien ebenso zählen wie die Automobilindustrie, IT und Biotechnologie.

Laut Angaben der staatlichen Investitionsförderungsagentur wollen die Chinesen in Deutschland vor allem in Unternehmen im Bereich IT, Finanzen und Automobilbau investieren. Die Kassen der Chinesen sind dank enormer Währungsreserven gut gefüllt.

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