Vor Parlamentsabstimmung Streiks legen Griechenland lahm

Die Stunde der Wahrheit rückt näher: Das griechische Parlament muss bis Donnerstag über das Sparpaket der Regierung und damit über weitere Milliardenhilfen entscheiden. Gleichzeitig machen die Bürger mit einem umfassenden Streik gegen das Sparvorhaben mobil.
Griechische Demonstranten vor dem Athener Parlament: Wütende Proteste gegen das Sparprogramm

Griechische Demonstranten vor dem Athener Parlament: Wütende Proteste gegen das Sparprogramm

Foto: FILIPPO MONTEFORTE/ AFP

Athen - Die Gewerkschaften in Griechenland haben am Dienstag mit einem 48-stündigen Streik begonnen. Bis spätestens Donnerstag muss das Parlament über das 78 Milliarden Euro schwere Sparprogramm von Ministerpräsident Giorgios Papandreou abstimmen. Die Zustimmung der Abgeordneten ist Voraussetzung für weitere internationale Milliardenhilfen, ohne die dem Land in wenigen Wochen die Zahlungsunfähigkeit droht.

Schon am Vormittag erreichten mehr als 10.000 Demonstranten das Parlament und fordeten die Abgeordneten lautstark auf, das Sparprogramm nicht zu billigen. Diese erste Demonstrationswelle bestand Fernsehberichten zufolge hauptsächlich aus Mitgliedern der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) und ihres Gewerkschaftsverbandes PAME. Das Sparprogramm sieht bis 2015 unter anderem neue Steuern, weitere Einschnitte bei den Beamten sowie die Privatisierung von Staatsbetrieben vor und hat ein Gesamtvolumen von 78 Milliarden Euro.

Seit dem Morgen werden Busse und Straßenbahnen in Athen bestreikt. Hafenarbeiter behindern das Auslauf der Fähren in Piräus, Ministerien und staatliche Unternehmen sowie viele Banken werden ebenfalls bestreikt. Die Fluglotsen legten zwischenzeitlich ebenfalls die Arbeit nieder. Ärzte behandeln in Krankenhäusern nur Notfälle. Im Radio und Fernsehen gibt zeitweise keine Nachrichten, weil auch die Journalisten die Arbeit niederlegen. Supermärkte oder Hotels sowie Restaurants und Cafes haben dagegen geöffnet. Auch die Taxis fahren.

Um die Mittagszeit werden auch Demonstranten im Zentrum erwartet, die der beiden Gwerkschaftsverbände des privaten (GSEE) und des staatlichen Bereichs (ADEDY) angehören. Viele Bürger wollen zwei Tage lang vor dem Parlament bleiben und demonstrieren. Unter ihnen auch die hauptsächlich durchs Internet organisierte Bewegung der "Empörten Bürger", die seit mehr als einem Monat vor dem Parlament jeden Abend die Politiker des Landes als Diebe beschimpft.

mg/dpa-afx
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