Griechisches Schuldendrama Politkrise in Athen schockt IWF

In Griechenland weitet sich die politische Krise aus. Ministerpräsident Giorgos Papandreou verliert mitten im Regierungsumbau zusehends an Rückhalt. Das Chaos gefährdet inzwischen den Rettungsplan. Der Internationale Währungsfonds zeigt sich zutiefst beunruhigt, der Euro fällt weiter.
Proteste gegen die Regierung: Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou steht mitten im Regierungsumbau gehörig unter Druck

Proteste gegen die Regierung: Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou steht mitten im Regierungsumbau gehörig unter Druck

Foto: JOHN KOLESIDIS/ REUTERS

Paris - Die politischen Unruhen in dem von der Pleite bedrohten Griechenland lassen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) die Alarmglocken schrillen. "Ich bin in großer Sorge darüber, dass sich die Lage in den vergangenen 24 Stunden dramatisch verändert hat", sagte der Sonderberater der IWF-Spitze, Zhu Min, am Donnerstag in Paris.

Er verwies darauf, dass derzeit ein Team des Fonds in Athen eine Prüfung des griechischen Sparkurses abschließe. "Mit Blick auf die Situation gibt es jedoch große Unsicherheit, und daher gehen wir die Dinge mit großer Vorsicht an und beobachten die Vorgänge sehr genau."

Er hoffe, dass die Regierung in Athen Zustimmung für ihre Sparvorschläge finde. "Wir sind bereit, Unterstützung zu leisten", fügte Zhu hinzu. Seine Äußerungen verstärkten dem Druck auf den Euro: Er baute seine Verluste aus, und der Bund-Future baute im Gegenzug seine Gewinne aus.

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou will unter dem Eindruck von Massenprotesten gegen seine Sparpolitik das Kabinett umbilden. Er will am Donnerstag eine neue Regierung zusammenstellen und in naher Zukunft die Vertrauensfrage stellen.

Druck auch aus den eigenen Reihen

Oppositionsführer Antonis Samaras forderte dagegen Neuwahlen, nachdem Gespräche über eine große Koalition gescheitert waren. Griechenland, das 2010 mit einem 110 Milliarden Euro schweren Programm von IWF und Eurostaaten gestützt wurde, ist ohne zusätzliche Milliardenhilfen von außen von der Pleite bedroht. Die Verhandlungen in der Euro-Zone sind bislang jedoch ohne Ergebnis geblieben. Streitpunkt ist die von Deutschland geforderte Beteiligung privater Gläubiger.

Auch in den eigenen Reihen gerät Papandreou weiter unter Druck. Aus Protest gegen die Sparpläne haben am Donnerstag zwei Abgeordnete der Sozialisten ihre Mandate niedergelegt. Giorgos Floridis und Ektoras Nasiokas gaben ihren Rücktritt aus der sozialistischen Fraktion bekannt. Als Grund nannten sie die aus ihrer Sicht gescheiterten Versuche, die Wirtschaft des Landes wiederzubeleben. Für sie werden Politiker aus Papandreous sozialistischer Partei nachrücken.

Griechenland droht die Pleite, wenn das Parlament das neue drastische Sparprogramm bis Ende Juni nicht verabschieden kann. Die Konservativen fordern eine Neuverhandlung des Spar- und Reformprogramms mit EU und IWF.

Möglicherweise braucht Griechenland ein neues Hilfspaket im Wert von bis zu 120 Milliarden Euro. Europäische Union und Internationaler Währungsfonds (IWF) fordern weitere einschneidende Sparmaßnahmen von Athen. Voraussetzung für neue Hilfen sei, dass die sozialistische Regierung auch die Opposition mit ins Boot hole. Deutschland muss als stärkste Volkswirtschaft Europas, muss immer für den Löwenteil - mindestens ein Fünftel - bürgen.

Schweizer Franken verzeichnet deutliche Kursgewinne

Aus Furcht von den Folgen der griechischen Schuldenkrise haben sich am Donnerstag weitere Anleger aus dem Euro  zurückgezogen. Die Gemeinschaftswährung fiel auf ein neues Rekordtief von 1,1954 Schweizer Franken. Mit 1,4071 Dollar beziehungsweise 113,47 Yen markierte sie neue Mehrwochen-Tiefs.

Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen zogen weiter an. Der Spread der zehnjährigen Bonds weiteten sich im Vergleich zu den entsprechenden Bundespapieren um 15,419 Prozent. Bei den zweijährigen Titeln lag er sogar bei 27,151 Prozent.

nis/rtr/dpa/afp/dapd

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