Folge der Griechenland-Krise EZB-Mitglied will EU-Rettungsschirm verdoppeln

Griechenlands Krise schickt den Euro auf Talfahrt. Ein niederländisches EZB-Ratsmitglied fordert nun eine Verdopplung des Rettungsfonds für angeschlagene Euro-Staaten auf 1,5 Billionen Euro. Der Zeitruck für Athen wächst derweil immer schneller.
EZB-Ratsmitglied Nout Wellink will den europäischen Rettungsfonds auf 1,5 Billionen Euro ausweiten, wenn sich private Investoren an einem Hilfspaket für Griechenland beteiligen

EZB-Ratsmitglied Nout Wellink will den europäischen Rettungsfonds auf 1,5 Billionen Euro ausweiten, wenn sich private Investoren an einem Hilfspaket für Griechenland beteiligen

Foto: JO YONG-HAK/ REUTERS

Hamburg - EZB-Ratsmitglied Nout Wellink hält wegen der Griechenland-Krise eine Verdoppelung des europäischen Rettungsfonds auf 1,5 Billionen Euro für erforderlich. Dies sei nötig, wenn es zu einer Beteiligung privater Investoren an einem neuen Hilfspaket für Griechenland kommen solle, sagte Wellink der niederländischen Zeitung "Het Financieele Dagblad" von Donnerstag. Außerdem bringe ein weiteres Rettungsprogramm viele Unsicherheiten mit sich. So könnten Irland und Portugal dem Beispiel Griechenlands folgen.

Diese Ansteckungsrisiken müssten berücksichtigt werden, forderte der niederländische Notenbankchef. "Wenn Sie diese Risiken betrachten, müssen Sie ein Sicherheitsnetz aufbauen", argumentierte Wellink. "Es sollte sich auf 1500 Milliarden Euro belaufen, und es sollte mehr Flexibilität geben, wie das Geld ausgegeben werden kann." Nach Bekanntwerden von Wellinks Äußerungen fiel der Euro auf ein Drei-Wochen-Tief von 1,4113 Dollar.

Behält Finanzminister Papakonstantinou sein Amt?

Nach den gewaltsamen Protesten gegen das griechische Sparpaket am Vorabend herrschte am Donnerstagmorgen auf den Straßen Athens wieder Ruhe. Die Polizei hatte nach stundenlangen Zusammenstößen mit vermummten Autonomen die Ordnung wiederhergestellt. Mindestens 60 Menschen seien leicht verletzt worden, berichtete das staatliche Fernsehen (NET).

Tausende Menschen protestierten friedlich bis in die frühen Morgenstunden vor dem Parlament in Athen gegen das harte Sparprogramm der Regierung. Ministerpräsident Giorgos Papandreou wollte am heutigen Donnerstagnachmittag seine Regierung umbilden.

Zentrale Frage der Kabinettsumbildung ist, ob Finanzminister Giorgos Papakonstantinou im Amt bleiben wird. Ihm werfen viele vor, das erste Sparprogramm Griechenlands nicht korrekt in die Tat umgesetzt zu haben. Damit ist ein neues Sparprogramm nötig, das noch mehr Einschränkungen für den "kleinen Mann" vorsieht. Papandreou will dann am Sonntag im Parlament die Vertrauensfrage stellen.

Griechenland steht unter hohem Zeitdruck

Am Mittwoch waren Verhandlungen zur Bildung einer großen Koalition der regierenden Sozialisten mit der oppositionellen bürgerlichen Partei Nea Dimokratia (ND) geplatzt. Papandreou bot sogar seinen Rücktritt an, wenn dies die Bildung dieser breiteren und stärkeren Regierung leichter machen würde.

Oppositionschef Antonis Samaras knüpfte die Bildung einer sogenannten Regierung der Nationalen Rettung daran, dass das neue harte Sparprogramm mit der EU und dem IWF neu ausgehandelt wird. Nach dem Scheitern der Verhandlungen forderte Samaras Neuwahlen.

Dafür gibt es aber keine Zeit. Griechenland muss schnell handeln und das neue 78 Milliarden Euro schwere Sparprogramm vom Parlament billigen lassen. Falls die nächste Tranche der EU-IWF-Hilfe in Höhe von zwölf Milliarden Euro nicht kommt, ist Griechenland nach den Worten seines Finanzministers Papakonstantinou Ende Juli pleite.

wed/dpa/rtr
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