Griechische Schuldenkrise Moody's nimmt französische Banken ins Visier

Drei französische Großbanken geraten aufgrund ihres Engagements in Griechenland in die Bredouille. Die Ratingagentur Moody's prüft eine Herabstufung der Bonitäten. Die europäischen Regierungen versuchen weiter verzweifelt, Hellas' Zahlungsausfall zu verhindern.
Mit dem Griechen-Virus infiziert? Französische Großbanken müssen mit der Herabstufung ihres Ratings rechnen

Mit dem Griechen-Virus infiziert? Französische Großbanken müssen mit der Herabstufung ihres Ratings rechnen

Foto: FRANCOIS GUILLOT/ AFP

London - Drei französischen Großbanken drohen wegen der Schuldenkrise in Griechenland schlechtere Bonitätsnoten. Die Ratingagentur Moody's teilte am Mittwoch mit, die Bewertungen der Institute BNP Paribas, Societe Generale und Credit Agricole auf eine Herabstufung zu prüfen.

Ähnliche Schritte für andere Banken mit direktem Engagement in Griechenland könnten in den kommenden Wochen folgen, kündigten die Moody's-Experten zugleich an. Sie wollen generell die Risiken eines Zahlungsausfalls des Euro-Landes für die Ratings von Geldhäusern in der Euro-Zone in Betracht ziehen.

Laut Moody's drohen Credit Agricole  und BNP Paribas  Rating-Senkungen um je eine Notenstufe, bei Societe Generale könnten es sogar zwei sein. Die Banken seien in Griechenland entweder direkt oder über Tochtergesellschaften engagiert. Sie hielten griechische Staatsanleihen und hätten Kredite an dortige Unternehmen vergeben.

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In der Diskussion über eine Umschuldung Griechenlands teilen die französischen Geldinstitute die Bedenken der Europäischen Zentralbank. Das sagte der Chef des Branchenverbandes, Francois Perol.

Zwar sei wegen einer Beteiligung der privaten Gläubiger noch niemand bei dem Verband vorstellig geworden. Allerdings müsse jeder Vorschlag alle Marktteilnehmer gleich behandeln. Die EZB wendet sich gegen alle Konzepte, die nicht auf eine freiwillige Mitwirkung der Privatwirtschaft setzen, damit es nicht zu einem Zahlungsausfall mit gravierenden Folgen am Finanzmarkt kommt.

Die Europäer nähern sich derweil mit kleinen Schritten der dringend nötigen Rettung von Schuldensünder Griechenland an. Die Euro-Finanzminister konnten sich am Dienstagabend in Brüssel zwar noch nicht auf einen Kompromiss für ein neues Milliardenpaket einigen. Doch Teilnehmer des Krisentreffens zeigten sich zuversichtlich, dass eine Einigung noch in diesem Monat gefunden wird.

Der luxemburgische Ressortchef Luc Frieden sagte nach stundenlangen Beratungen, er rechne mit einer Vereinbarung in den kommenden zwei Wochen. "Wir kommen voran." Hauptstreitpunkt unter den obersten Kassenhütern ist die Beteiligung von privaten Gläubigern wie Banken an der neuen Rettung des Mittelmeerlandes. Frieden sagte: "Angestrebt wird eine begrenzte Beteiligung der privaten Gläubiger, die aber keine Ansteckung (anderer Länder) nach sich zieht."

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Die Europäer stehen unter einem enormen Druck. Sie müssen sich in den nächsten Wochen auf ein neues Hilfspaket einigen - dies ist Vorbedingung für die Auszahlung einer von Athen dringend benötigten Tranche von 12 Milliarden Euro aus dem bereits laufenden Hilfsprogramm. Die Schritte Europas werden vom Kreml und vom Weißen Haus in jedem Detail beobachtet - denn die großen Partner USA und Russland fürchten um die Stabilität der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte.

Vor allem Deutschland dringt auf einen Beitrag privater Gläubiger. Das Paket soll laut Spekulationen einen Umfang von 90 bis 120 Milliarden Euro haben. Finanzminister Wolfgang Schäuble ging nicht auf Details ein und sagte lediglich: "Wir müssen weiter reden." Die Beratungen sollen an diesem Sonntag in Luxemburg fortgesetzt werden - einen Tag früher als zunächst geplant.

Schäuble trifft mit seinen weitgehenden Plänen zur Beteiligung von Privatgläubigern auf erheblichen Widerstand der Euro-Partner und der Europäischen Zentralbank, berichteten Teilnehmer. Zwar seien die meisten Euro-Länder bereit, auch private Gläubiger einzubeziehen. Allerdings wollten sie bei einer sanften Umschuldung nicht so weit gehen wie der CDU-Politiker.

Die Bundesregierung fordert, dass die Banken ihre alten griechischen Staatsanleihen freiwillig gegen neue mit längerer Laufzeit von sieben Jahren umtauschen. Vor allem die Europäische Zentralbank wehrt sich gegen diesen Kurs. Der Anteil der Privaten am neuen Notpaket wird auf etwa 30 Milliarden Euro geschätzt.

nis/rtr/dpa-afx
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