Samstag, 25. Mai 2019

Staatsbesuch in den USA Merkel erhält Freiheitsmedaille

Merkel im Weißen Haus: Willkommen bei Obamas
DPA

Zum Abschluss ihres Staatsbesuchs in den USA hat Bundeskanzlerin Angela Merkel von US-Präsident Barack Obama die Freiheitsmedaille überreicht bekommen. Beide Seiten bemühten sich darum, nach den Irritationen der vergangenen Wochen demonstrative Einigkeit zu zeiten.

Washington - Bei einem festlichen Staatsbankett hat US-Präsident Barack Obama Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die US-Freiheitsmedaille überreicht. Vor 250 geladenen Gästen im Rosengarten des Weißen Hauses würdigte Obama die Kanzlerin als "eloquente Stimme für Menschenrechte und Würde weltweit". Merkel beschrieb die höchste zivile Ehrung der USA als "sehr bewegenden Moment".

Obama erinnerte in seiner Laudatio an Merkels Kindheit und Jugend in der DDR und ihre politische Karriere nach der Wende. Die Kanzlerin werde nicht dafür geehrt, dass ihr die Freiheit verweigert worden sei, sondern "dafür, was sie erreicht hat, als sie die Freiheit erlangte", betonte Obama. Merkel sei nicht nur die erste Frau und Ostdeutsche an der Spitze der deutschen Regierung, sondern auch eine "außergewöhnliche" Führungspersönlichkeit.

Die Kanzlerin sagte, sie sehe die Verleihung der Freiheitsmedaille als "Ausdruck der exzellenten deutsch-amerikanischen Partnerschaft" an. Zugleich beklagte sie, dass das Streben nach Freiheit auf der Welt noch immer "zu viele Opfer" fordere. "Die Sehnsucht nach Freiheit lässt sich nicht einmauern", sagte Merkel. Jeder Mensch habe das gleiche Recht auf Freiheit - egal ob er in Nordafrika, im Iran, in Birma oder in Weißrussland lebe.

Merkel ist erst die zweite Deutsche mit US-Freiheitsmedaille

Zu den 250 geladenen Gästen beim Staatsbankett zählten Regierungsvertreter und Diplomaten beider Länder. Aus Merkels Kabinett nahmen Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Außenminister Guido Westerwelle (beide FDP), Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) sowie Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) teil. Auch der ehemalige Fußball-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann und Showmaster Thomas Gottschalk waren anwesend.

Merkel ist nach Ex-Kanzler Helmut Kohl, der 1999 für seine Verdienste um die deutsche Einheit und die europäische Einigung geehrt wurde, erst die zweite mit der US-Freiheitsmedaille ausgezeichnete Deutsche. Jedes Jahr verleiht das Weiße Haus den Orden an Politiker, Künstler, Wissenschaftler oder Unternehmer, die einen besonders verdienstvollen Beitrag für die Sicherheit oder die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten, zum Weltfrieden oder zu "kulturellen oder anderen wichtigen öffentlichen oder privaten Unternehmungen" geleistet haben.

In ihrer heutigen Form geht die Presidential Medal of Freedom auf Präsident John F. Kennedy zurück, der nach seiner Ermordung 1963 posthum zu den ersten Empfängern gehörte. Merkel bekam die Freiheitsmedaille 2010 gemeinsam mit einem Dutzend weiterer Persönlichkeiten zugesprochen, darunter der frühere US-Präsident George Bush senior und US-Investor Warren Buffett. Während die anderen Preisträger den fünfzackigen Stern bereits bei der offiziellen Verleihung Mitte Februar in Empfang nahmen, wurde die Verleihung an Merkel aus Termingründen auf das Abendessen am Dienstag verschoben.

Merkel und Obama wollen noch stärker zusammenarbeiten

Die Zeremonie im Rosengarten des Weißen Haus war Abschluss und Höhepunkt eines zweitägigen USA-Besuches von Merkel. Die Bundeskanzlerin hatte am Dienstagmorgen Obama zu offiziellen Gesprächen im Weißen Haus getroffen.

Nach den Irritationen der vergangenen Wochen haben sich Deutschland und die USA demonstrativ verpflichtet, künftig noch stärker bei der Lösung weltweiter Probleme zusammenzuarbeiten. "International gibt es kein Thema, bei dem wir uns nicht eng mit Deutschland absprechen", sagte Obama. Er nannte dabei etwa Afghanistan, Iran und den Nahen Osten. Zugleich machte er deutlich, dass er bei der Lösung der Krise in der Euro-Zone eine deutsche Führungsrolle erwarte und bei den Demokratisierungsbewegungen in Nordafrika die klare Hilfe Deutschlands. Merkel sicherte ihm beides zu.

Die CDU-Vorsitzende versuchte jede Sorge vor einer deutschen Isolationspolitik mit einem klaren Bekenntnis zur transatlantischen Partnerschaft zu beseitigen. Diese gehörten ebenso wie die Europäische Einigung zur deutschen "Staatsräson", betonte Merkel. "Beides sind und bleiben Grundpfeiler der deutschen Außenpolitik."

Fotostrecke: Willkommen bei den Obamas

mg/afp/rtr

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