Mittwoch, 13. November 2019

Schwedin gestorben Erster Ehec-Todesfall außerhalb Deutschlands

Intensiv-Patient: Ein Krankenpfleger versorgt in Hamburg im Marienkrankenhaus einen mit dem Ehec-Erreger erkrankten Patienten

Die spanische Regierung verlangt Entschädigungen für alle europäischen Landwirte, die im Zuge der Ehec-Seuche auf ihrem Gemüse sitzenbleiben. Derweil ist eine Schwedin an dem Erreger gestorben - der erste Ehec-Todesfall außerhalb Deutschlands.

Debrecen - Spanien will auf EU-Ebene Entschädigungen für alle europäischen Landwirte verlangen, die wegen der tödlichen Ehec-Seuche Verluste haben. Das sagte die spanische Agrarministerin Rosa Aguilar am Dienstag bei einem Treffen mit EU-Kollegen im ungarischen Debrecen. Spaniens Gemüse sei "sicher", sagte die Ministerin.

Die Ursache der Infektionen solle man in Deutschland suchen, nicht in Spanien. Unterstellungen, denen zufolge die Krankheit durch Gurken aus Spanien übertragen werde, richteten bei den dortigen Produzenten einen Schaden von wöchentlich 200 Millionen Euro an, sagte Aguilar weiter.

Deutschland müsse so schnell wie möglich die Ursache der Infektionen klären. "Wir sind enttäuscht von der Art, wie Deutschland mit dieser Krise umgegangen ist." Eine Senatorin aus Hamburg habe Spaniens Landwirten durch eine Äußerung über spanische Gurken großen Schaden zugefügt - "ohne einen einzigen Beweis". In Hamburg war der Erreger auf Gurken aus Südspanien gefunden worden. Allerdings ist unklar, wo das Gemüse kontaminiert wurde.

Dass die Ursache nicht in Spanien liegen könne, werde auch dadurch deutlich, dass dort niemand an Ehec erkrankt sei, sagte die spanische Ministerin weiter. Es gebe lediglich zwei EHEC-infizierte Spanier, diese hätten sich die Infektion aber bei einer Reise in Deutschland zugezogen.

Schwedin stirbt an Erreger- Erster Ehec-Todesfall außerhalb Deutschlands

An einer Infektion mit dem gefährlichen Darmkeim Ehec ist nun offenbar erstmals ein Mensch außerhalb Deutschlands gestorben. Im Südwesten Schwedens sei am Dienstag eine etwa 50-jährige Frau, die sich offenbar in Deutschland mit dem aggressiven Erreger infiziert habe, gestorben, teilte das behandelnde Krankenhaus mit. In Deutschland sind bis Dienstagmittag 15 Menschen nach einer Infektion mit dem Ehec-Erreger gestorben, 13 davon sind Frauen.

Auch Amerikaner sollen sich mit dem aggressiven Keim angesteckt haben. Niedersachsen und Hamburg meldeten, dass die Infektionszahlen nun etwas langsamer steigen. Inzwischen gibt es bundesweit mehr als 1400 Ehec-Infektionen und Verdachtsfälle, vor allem in Norddeutschland.

Diskussion um Bedeutung von Schnellttest

Der neue Ehec-Schnelltest aus Münster wird nach Meinung des ärztlichen Direktors des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) "kurzfristig nicht so sehr viel helfen". Im Augenblick seien zumindest alle Patienten im UKE mit Krämpfen im Bauchbereich und blutigen Durchfällen ausnahmslos mit dem Darmkeim Ehec infiziert, sagte Jörg Debatin am Dienstag. "Insofern brauchen wir diesbezüglich keinen Schnelltest." Der Test werde aber sicherlich langfristig helfen, "vielleicht bei weiteren Epidemien dieser Art".

Die Uniklinik Münster hatte am Vorabend mitgeteilt, dass dort Wissenschaftler einen Schnelltest zum Nachweis des Ehec-Erregers entwickelt haben. Mit Hilfe des molekularbiologischen Verfahrens könnten bereits kleinste Mengen des Erregers binnen weniger Stunden auf die speziellen Eigenschaften des Ausbruchsstamms untersucht werden.

Der neue Ehec-Schnelltest könne den gefährlichen Krankheitserreger auch auf Gemüse nachweisen, erklärte ein Sprecher der Uni Münster am Dienstag. "Dieses Testprotokoll steht natürlich auch den entsprechenden Stellen für Lebensmittelüberwachung zur Verfügung, so dass es auch dort eingesetzt werden kann." Nötig sei jedoch ein spezielles molekularbiologisches Labor.

Rei/dpa/dpa-afx

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