Rettungspaket Neue Griechenland-Hilfe in Sicht

Die Chancen auf ein neues Rettungspaket für Griechenland steigen: Die Bundesregierung  ist offenbar bereit, das von einer Pleite bedrohte Land auch ohne eine Beteiligung privater Gläubiger weiter finanziell zu unterstützen. Am Aktien- und Devisenmarkt wurde das Gerücht mit Erleichterung aufgenommen.
Akropolis in Griechenland: Laut Finanzminister Wolfgang Schäuble hat das hoch verschuldete Land seine Sparvorgaben nicht erfüllt

Akropolis in Griechenland: Laut Finanzminister Wolfgang Schäuble hat das hoch verschuldete Land seine Sparvorgaben nicht erfüllt

Foto: Petros Giannakouris/ ASSOCIATED PRESS

Tokio/Hannover - Deutschland erwäge, die Forderung nach einer Laufzeitverlängerung griechischer Staatsanleihen als Gegenleistung für ein weiteres Hilfspaket fallen zu lassen, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise.

Die Regierung will dadurch offenbar mehr Zeit gewinnen, damit im Laufe des Jahres eine umfassendere Vereinbarung beschlossen werden kann. Diese solle dann auch eine Umstrukturierung griechischer Staatsanleihen umfassen, heißt es in dem Bericht.

Bislang sieht die offizielle Position der Regierung neue Mittel für das hochverschuldete Euro-Land nur unter einer Beteiligung privater Investoren vor, also einer "weichen Umschuldung". Die Europäische Zentralbank lehnt eine Umschuldung - gleich welcher Art - nach wie vor kategorische ab.

Am Devisenmarkt gab der Zeitungsbericht dem Euro  Auftrieb. Die Gemeinschaftswährung kletterte zeitweise auf 1,4407 Dollar, den höchsten Stand seit drei Wochen. Auch der Dax  legte am Vormittag deutlich zu.

Schäuble glaubt nicht, dass Griechenland seine Sparvorgaben erfüllt hat

Das Bundesfinanzministerium wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. "Wir können das nicht kommentieren", sagte ein Sprecher. Die Regierung warte zunächst auf das Ergebnis eines Prüfberichts der sogenannten Troika von Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und Europäischer Kommission zur aktuellen Entwicklung in Griechenland. Erst danach stünden Entscheidungen an. Der Bericht soll bis Ende der Woche vorliegen.

Griechenland muss im Juli eine Finanzierungslücke von 13,4 Milliarden Euro schließen. Ende Juni soll das Land die nächste Tranche von Hilfskrediten von IWF und EU über zwölf Milliarden Euro bekommen. Doch der IWF hat angekündigt, seinen Anteil nur dann auszuzahlen, wenn die Finanzierung Griechenlands für ein Jahr gesichert ist. Weil das Land nicht wie ursprünglich geplant bereits 2012 an den Kapitalmarkt zurückkehren kann, braucht es weitere Hilfen aus der Währungsunion.

Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte noch am Montag gesagt, dass Griechenland die Sparvorgaben seiner internationalen Geldgeber nicht erfüllt. Die Erwartungen, die dem vor einem Jahr verabredeten Hilfsprogramm zugrunde lägen, seien "offensichtlich in den Zahlen so nicht erfüllt", sagte Schäuble. "Wir können heute nicht davon ausgehen, dass Griechenland schon im zweiten Quartal 2012 einen Teil seines Refinanzierungsbedarfs an den Finanzmärkten decken kann." Dies sei bei dem Hilfspaket vor einem Jahr jedoch angenommen worden.

Schäuble: "Es gibt keine Alternative zu radikalen Einsparungen"

Falls der Prüfbericht der Troika ergibt, dass das Geld nicht ausgezahlt wird, droht Griechenland binnen Wochen die Pleite. Deshalb würden derzeit mit der griechischen Regierung Gespräche über zusätzliche Maßnahmen geführt, erläuterte Schäuble. Dabei gehe es um eine stärkere Privatisierung, eine freiwillige Beteiligung auch privater Gläubiger, größere Anstrengungen von Griechenland selbst beim Defizitabbau sowie wirtschaftliche Impulse.

Schäuble machte deutlich wie ernst die Lage aus seiner Sicht für die Währungsunion ist: "Wenn die Bedingungen erfüllt sind, können wir ein ergänzendes Programm verabreden. Dann kann es gehen. Werden sie nicht erfüllt, machen wir die Erfahrung demnächst, was mit einer Währungsunion geschieht, wenn sie nicht mehr in der Lage ist, ihre Probleme zu lösen."

Schäuble betonte, dass es für Griechenland keine Alternative zu den radikalen Einsparungen gebe. "Es geht nicht anders. Wir können keinem Land die notwendigen Anpassungen ersparen." Griechenland müsse verlorenes Vertrauen durch die verabredete Haushaltssanierung zurückgewinnen.

mg/dpa/rtr
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.