Island Vulkanasche bedroht Luftraum über Kontinentaleuropa

Nach einem gewaltigen Vulkanausbruch hat Island seinen wichtigsten Flughafen geschlossen. Am Dienstag könnte die Wolke den Norden von Kontinentaleuropa sowie Schottland erreichen, warnen Wetterforscher. Die Luftfahrtbehörden sehen noch keine konkrete Gefahr, sind aber dennoch "alarmiert".
Kraft der Natur: Beim Ausbruch des isländischen Vulkans Grimsvötn schleuderte es eine Aschewolke etwa 20 Kilometer in die Höhe

Kraft der Natur: Beim Ausbruch des isländischen Vulkans Grimsvötn schleuderte es eine Aschewolke etwa 20 Kilometer in die Höhe

Foto: Jon Gustafsson/ AP

Langen/Frankfurt - Nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Grimsvötn bedroht die Aschewolke den Flugverkehr auch in anderen Ländern. Nach Ansicht von Wetterexperten wird die Wolke am Dienstagmorgen Kontinentaleuropa erreichen.

"Es wird Zonen in Nordeuropa geben, die für den Luftverkehr gesperrt sind", sagte der Betriebsleiter Flugwetterdienst des Deutschen Wetterdienstes am Frankfurter Flughafen, Alexander Diehl, gegenüber manager magazin. "Betroffen sind das mittlere und nördliche Norwegen, die nördliche Nordsee und der Norden Schottlands." Eine Gefährdung für Mitteleuropa sei bisher nicht absehbar, da die Wolke überwiegend ostwärts ziehe.

Auch die Nachrichtenagentur Reuters nannte Schottland als Gebiet, das die Wolke am Dienstag erreicht. Es sei zu erwarten, dass der Wind in nordwestliche Richtung dreht. Am Donnerstag und Freitag könnte Vulkanasche Großbritannien, Frankreich und Spanien erreichen. Letzterer Teil der Prognose sei aber mit einigen Unsicherheiten behaftet. Die Fluggesellschaften seinen gleichwohl gewarnt worden. Ein Sprecher der Lufthansa  hatte auf Anfrage von manager magazin am Sonntag Nachmittag zunächst keine Informationen über mögliche Flugausfälle.

Gut ein Jahr nach dem Aschechaos im europäischen Luftverkehr spuckte der Grimsvötn am Wochenende eine riesige Wolke mit Rauch und Asche 20 Kilometer hoch in den nordischen Himmel und legte bereits den größten Flughafen der Insel in Reykjavik lahm.

Vulkanasche in der Luft kann für Flugzeuge gefährlich werden. Gerät sie in die Flugzeugtriebwerke, können sie beschädigt werden und sogar ausfallen.

Wie stark der europäische Flugverkehr in der aktuellen Situation beeinträchtigt wird, hängt stark davon ab, ob es weitere Eruptionen gibt und wie stark diese sind. Vorhersagen über Dienstag hinaus seien aus diesem Grund schwierig, sagte Diehl.

Flughäfen in Norwegen werden möglicherweise geschlossen

Über mögliche Folgen für den europäischen Luftverkehr hatte zunächst Uneinigkeit geherrscht. Experten gingen davon aus, dass allenfalls einige Transatlantikflüge um die Wolke herumgeleitet werden müssen. Die Deutsche Flugsicherung beobachtete die neue Aschewolke jedoch mit erhöhter Wachsamkeit. "Wir sind alarmiert. Aber nach momentanem Stand ist vor Dienstag nichts zu erwarten - wenn überhaupt", hatte ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen der Nachrichtenagentur dpa gesagt.

Wetterexperte Diehl hält es für möglich, dass Flughäfen in Norwegen geschlossen werden müssen. Ob Verbindungen von und nach Deutschland betroffen sind, sei noch nicht klar. Mancherorts könnten höhere Lufträume für den Luftverkehr geöffnet bleiben, während auf niedrigerem Niveau nicht mehr geflogen werden dürfe.

Die europäische Flugkontrollorganisation Eurocontrol gab nur bis Montag Entwarnung. "Es kann ein großer Ausbruch werden, aber es ist unwahrscheinlich, dass er wie im vergangenen Jahr wird", sagte der Geologe Hjorleifur Sveinbjornsson.

Der Grimsvötn hatte am Samstag zum ersten Mal seit 2004 wieder zu spucken begonnen. Der Ausbruch ist Experten zufolge stärker als vor sieben Jahren, und die Behörden legten eine Flugverbotszone im Umkreis von mehr als 220 Kilometern fest.

Vor gut einem Jahr hatte der Ausbruch eines Vulkans unter dem Eyjafjalla-Gletscher in Island für ein tagelanges Chaos im europäischen Luftverkehr gesorgt und die Gewinne der großen Airlines merklich geschmälert. Damals wurde der Luftraum in vielen Ländern gesperrt.

nis/rtr/dpa
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