Internationaler Währungsfonds US-Finanzminister lässt Strauss-Kahn fallen

Nach der Inhaftierung von Dominique Strauss-Kahn wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung distanzieren sich die USA als wichtigstes Geberland von dem Chef des Internationalen Währungsfonds. US-Finanzminister Timothy Geithner forderte eine Interimslösung für den Fonds.
US-Finanzminister Geithner: "Dominique Strauss-Kahn ist offensichtlich nicht in der Lage, den IWF zu leiten"

US-Finanzminister Geithner: "Dominique Strauss-Kahn ist offensichtlich nicht in der Lage, den IWF zu leiten"

Foto: A2800 epa Reynolds/ dpa

New York - "Dominique Strauss-Kahn ist offensichtlich nicht in der Lage, den IWF zu leiten", sagte US-Finanzminister Timothy Geithner. Es sei daher wichtig, dass das IWF-Direktorium offiziell jemanden einsetze, der für eine Übergangszeit die Führung übernehme.

Die USA sind das wichtigste Geberland des Internationalen Währungsfonds (IWF) und haben daher großen Einfluss auf die Entscheidungen des Fonds. Während die Europäer traditionell das Amt des Direktors für sich in Anspruch nehmen, besetzt Washington den Stellvertreterposten.

Derzeit hat IWF-Vize John Lipsky die Aufgaben von Strauss-Kahn übernommen, ein offizieller Interimschef wurde aber nicht ernannt. Aus dem Umfeld des IWF-Direktoriums hieß es, dass das Führungsgremium Kontakt zu Strauss-Kahn aufnehmen wolle, um zu erfahren, ob er sein Amt weiter ausführen wolle. Das 24-köpfige Gremium kann den IWF-Chef von seinem Posten entheben.

Der Währungsfonds teilte mit, seit Strauss-Kahns Festnahme keinen Kontakt zu ihm zu haben. "Es wird aber wichtig sein, zu gegebener Zeit mit ihm in Kontakt zu treten", erklärte IWF-Sprecher William Murray. Zu Personalspekulationen werde sich der Fonds nicht äußern. "Wir beobachten die Entwicklung weiter", erklärte Murray.

Schwellenländer bringen sich in Stellung

Strauss-Kahn soll am Samstag in einem New Yorker Hotel ein Zimmermädchen sexuell angegriffen und zum Oralsex gezwungen haben. Er wurde daraufhin festgenommen. Eine Haftrichterin lehnte am Montag eine Entlassung auf Kaution ab, der Franzose wurde auf die Gefängnisinsel Rikers Island gebracht. Eine sogenannte Grand Jury muss nun bis Freitag über eine formelle Anklage des 62-Jährigen entscheiden.

Über die Nachfolge von Strauss-Kahn wird bereits heftig debattiert. Vor allem die großen Schwellenländer bringen sich in Stellung. China, Brasilien und Südafrika beginnen indirekt die Regelung infrage zu stellen, wonach Europa traditionell den IWF-Chef stellt. Als zweiten Mann an der Spitze wollen die USA offenbar Präsidentenberater David Lipton als Nachfolger von Lipsky, wenn dieser wie geplant sein Amt im August aufgibt.

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Nachfolgedebatte: Kandidaten für IWF-Chefposten

Foto: Emmanuel Dunand/ AP

Der US-Fernsehsender NBC berichtete auf seiner Internetseite unter Berufung auf mit dem Fall Vertraute, Strauss-Kahn sei im Gefängnis unter besondere Überwachung zur Verhinderung eines Selbstmords gestellt worden. Demnach wird seine Zelle alle 15 bis 30 Minuten in Augenschein genommen. Ein Sprecher der Strafvollzugsverwaltung teilte mit, "jeder Gefangene" werde daraufhin untersucht, "ob er sich oder Anderen etwas antun könnte".

mg/afp/rtr
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