Sonntag, 8. Dezember 2019

Mögliche Vergewaltigung Gerüchte um Alibi für Strauss-Kahn

IWF-Chef Strauss-Kahn: Festnahme auf dem Flughafen
AFP

Überraschende Wende oder eine Finte? Nach französischen Medienberichten soll IWF-Chef Strauss-Kahn zum Tatzeitpunkt gar nicht im Hotelzimmer gewesen sein. Die Anwälte wollten dafür Beweise vorlegen. Nun soll eine DNA-Analyse mehr Klarheit bringen.

New York/Paris - In der Affäre um einen angeblichen Vergewaltigungsversuch sind Berichte über ein Alibi von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn aufgetaucht. Nach unbestätigten Meldungen französischer Medien war der 62-Jährige zur mutmaßlichen Tatzeit gar nicht in dem Hotel, wo er angeblich ein Zimmermädchen zum Oralsex zwingen wollte.

Eine DNA-Analyse soll nun mehr Klarheit bringen. Dem IWF-Chef werden versuchte Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Nötigung vorgeworfen. Strauss-Kahn bestreitet die Vorwürfe.

Der Franzose sollte noch am Montag (etwa 16.30 Uhr deutscher Zeit) in New York einem Richter vorgeführt werden, der über eine Freilassung auf Kaution entscheiden könnte. Die "New York Times" spekulierte über eine Kaution in Höhe von mehreren Millionen Dollar.

Bei den Brüsseler Verhandlungen der Euro-Finanzminister zum Rettungspaket für Portugal musste sich Strauss-Kahn, der in Frankreich als möglicher Nachfolger von Präsident Nicolas Sarkozy gehandelt wurde, vertreten lassen.

Strauss-Kahn soll zum Tatzeitpunkt mit Tochter gegessen haben

Informationen französischer Medien widersprechen der Darstellung der New Yorker Polizei vom Tatablauf. Laut der Zeitung "Le Monde" war Strauss-Kahn in New York, um seine Tochter zu treffen. Er habe seine Hotelrechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sich anschließend mit ihr zum Essen getroffen. Die Polizei hatte nach CNN-Angaben dagegen erklärt, das Zimmermädchen habe die Suite Strauss-Kahns gegen 13 Uhr Ortszeit betreten, ohne zu wissen, dass sich dort jemand aufhalte. Anschließend habe der IWF-Chef die Frau dort attackiert.

Nach Informationen des französischen Radiosenders RMC wollen Strauss-Kahns Anwälte demnächst Beweise für das Essen mit seiner Tochter vorlegen. Sie wollten außerdem argumentieren, dass das Zimmermädchen möglicherweise ein finanzielles Interesse gehabt habe, den IWF-Chef der versuchten Vergewaltigung zu beschuldigen. Eine Bestätigung der Anwälte für die Berichte gab es zunächst nicht.

Laut "Le Monde" fuhr Strauss-Kahn nach dem Essen mit seiner Tochter direkt zum Flughafen. Um 15.40 Uhr habe er für den Flug nach Paris eingecheckt, der eine Stunde später starten sollte. Das Ticket habe er lange im Voraus gebucht.

Der rechtsmedizinischen Untersuchung stimmte Strauss-Kahn nach Angaben seiner Anwälte freiwillig zu. Es soll unter anderem geprüft werden, ob sein Körper Kratzspuren aufweist oder ob er DNA-Spuren des mutmaßlichen Opfers an sich trägt, etwa unter den Fingernägeln.

Die junge Frau hatte den Franzosen nach einem Bericht der "New York Daily News" bei einer Gegenüberstellung erkannt. Zu dem Zimmermädchen wurden neue Details bekannt. Die 32-Jährige afrikanischer Herkunft lebt nach einem Bericht der "New York Times" in der Bronx und hat eine Tochter im Teenager-Alter. Nach Informationen des "Figaro" arbeitete die Frau seit drei Jahren für das Hotel.

Version der Polizei weicht von Medienberichten ab

Die Polizei hatte nach Angaben von US-Medien die Vorgänge in dem Hotelzimmer so geschildert: Das Zimmermädchen habe am Samstag die für 3000 Dollar pro Nacht vermietete Luxussuite betreten - ohne zu wissen, dass sich dort jemand aufhielt. Sie habe zuvor an die Zimmertür geklopft und sei erst eingetreten, nachdem sie keine Antwort erhalten habe. Die Tür sei offen geblieben, wie es den Regeln des Hauses entspreche, berichtete die "New York Times" weiter.

Als die Frau das Zimmer betrat, sei Strauss-Kahn nackt aus dem Badezimmer gekommen, auf sie zugerannt und habe sie ins Schlafzimmer gezerrt. Es sei ihr zunächst gelungen, ihn abzuwehren und wegzulaufen. Doch im Badezimmer habe Strauss-Kahn die Frau wieder erwischt und versucht, ihr den Slip herunterzureißen.

Kollegen der Frau alarmierten die Polizei. Strauss-Kahn saß kurz danach bereits in einer Air-France-Maschine, die Richtung Europa abheben sollte. Er hatte aber noch im Hotel angerufen, weil er dort ein Mobiltelefon vergessen hatte. Erst durch diesen Anruf habe die Polizei erfahren, wo er sich aufhalte. Beamte in Zivil holten den IWF-Chef wenige Minuten vor dem Abflug aus der Maschine.

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