Montag, 23. September 2019

Wachstumszahlen Griechenland verblüfft Europa mit Mini-Plus

Parthenon in Athen: 0,8 Prozent Wirtschaftswachstum in Griechenland. Experten hatten ein Minus erwartet. Dennoch werden Griechenlands Schulden wohl weiter steigen

Ein Hoffnungsschimmer in der EU-Schuldenkrise: Ausgerechnet Griechenland hat im ersten Quartal ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent geschafft, Portugal dagegen fiel weiter zurück. Die Freude ist dennoch getrübt. Denn Griechenlands Schulden werden weiter steigen, sagen Brüsseler Experten.

Luxemburg - Europa zeigt sich trotz der Schuldenkrise von seiner starken Seite: Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist im ersten Quartal kräftig gewachsen - vor allem dank der Schwergewichte Deutschland und Frankreich. Insgesamt stieg das Bruttoinlandsprodukt in den 17 Euro-Staaten von Januar bis März um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, teilte die Statistikbehörde Eurostat am Freitag nach vorläufigen Berechnungen mit.

Zugpferde des Wachstums waren Deutschland und Frankreich, die beiden größten Volkswirtschaften im Währungsraum. In Deutschland verbesserte sich die Konjunktur überraschend um 1,5 Prozent und erreichte damit wieder das Niveau aus Zeiten vor der Krise Anfang 2008. In Frankreich nahm die Wirtschaftskraft um 1,0 Prozent zu - und damit ebenfalls stärker als erwartet. Italiens Wirtschaft als Nummer drei dagegen legte kaum zu. Hier blieb lediglich ein Plus von 0,1 Prozent übrig, wie übrigens schon Ende 2010.

Die europäische Gemeinschaft konnte die derzeitige Schwäche einiger Mitgliedstaaten demnach insgesamt gut auffangen, zum Teil auch dank überraschender Wendungen in den betroffenen Staaten selbst. So legte die spanische Wirtschaft mit einem Plus von 0,3 Prozent stärker zu als gedacht.

Griechenland: Experten hatten ein Minus erwartet

Erstaunen aber löste Griechenland aus: Das größte Sorgenkind der Euro-Zone legte im ersten Quartal ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent hin. Fachleute hatten hier ursprünglich mit einem Minus gerechnet. Allerdings: Im Vergleich zum ersten Quartal 2010 sackte die griechische Wirtschaftsleistung um 4,8 Prozent ab. Experten hatten aber sogar ein Minus von 6,6 Prozent befürchtet.

Portugal dagegen schaffte es auch zu Jahresanfang nicht aus der Rezession. Die Wirtschaft des Landes schrumpfte zum Vorquartal und zum Vorjahresquartal jeweils um 0,7 Prozent.

Nach der jüngsten Prognose der EU-Kommission wird sich der Aufschwung trotz der Risikofaktoren im kommenden Jahr fortsetzen. Im Euro-Raum werde die Wirtschaftsleistung nach einem Plus von 1,6 Prozent in diesem Jahr im kommenden Jahr bei 1,8 Prozent liegen. "Die wichtigste Botschaft unserer Prognose: Der Wirtschaftsaufschwung in Europa steht auf soliden Füßen und wird sich trotz der jüngsten externen Turbulenzen und Spannungen auf dem Markt für Staatsanleihen weiter fortsetzen", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Die Entwicklung in Griechenland bezeichnete Rehn als ermutigend. Er rief die Parteien des Landes dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und geschlossen gegen die Krise zu kämpfen. "Das ist ein Glaubwürdigkeitstest für die politischen Kräfte in Griechenland und stellt den Willen des griechischen Volkes auf die Probe." Mit Blick auf das Hilfspaket für Portugal sagte Rehn, er sei überzeugt, dass dieses von den Finanzministern der Euro-Zone am kommenden Montag grünes Licht erhalten wird.

EU-Kommission sagt Griechenland steigende Schulden voraus

Trotz des überraschenden Wachstums wird Griechenlands Schuldenberg eher noch wachsen, sagt die EU-Kommission voraus. Für Griechenland korrigierte sie ihre Prognose für die Gesamtverschuldung im laufenden Jahr von 150 auf 157 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach oben. Im kommenden Jahr werde Athen sogar einen Schuldenstand von 166,1 Prozent des BIP anhäufen, glauben die Experten. Auch seine Neuverschuldung bekommt das Land trotz harter Sparmaßnahmen nicht in den Griff. Das Defizit werde 2011 noch bei 9,5 Prozent des BIP liegen, zwei Prozentpunkte höher, als noch im Herbst erwartet. 2012 werde es nur marginal auf 9,3 Prozent sinken, prognostizieren die Experten nun. Das wäre noch mehr als dreimal so hoch, wie vom Euro-Stabilitätspakt erlaubt.

rei/dpa/rtr

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