Samstag, 19. Oktober 2019

Wirtschaftswachstum Deutschland stützt EU-Aufschwung

Wirtschaftswachstum: Gewinner und Verlierer in der EU
DPA

Die Wachstumslokomotive Deutschland zieht Europa mit: Die EU-Kommission hebt in ihrem Konjunkturausblick die BIP-Prognose für 2011 trotz der Schuldenkrise an. Für Griechenland und Portugal sieht die Zukunft dennoch düster aus, glauben die Experten. Nur für Irland sind sie optimistisch.

Brüssel - Während der Wachstumsausblick für den Euro-Raum im laufenden Jahr leicht um 0,1 Punkte auf 1,6 Prozent angehoben wurde, bestätigte die EU-Kommission ihre Schätzung für 2012 mit plus 1,8 Prozent.

Für 2011 hob die Kommission ihre Inflationsprognose deutlich an. Nachdem im Herbst noch eine Rate von 1,8 Prozent genannt wurde, liegt sie nun bei 2,6 Prozent. Ausschlaggebend seien vor allem deutlich höhere Rohstoffpreise. Im kommenden Jahr dürfte der Inflationsdruck jedoch wieder abnehmen. Für 2012 wird mit einer Inflationsrate von 1,8 (bislang: 1,7) Prozent gerechnet.

Grundsätzlich gibt sich die Kommission zuversichtlich für Europa. Sie begründet ihre robuste Wachstumsprognose mit den besseren Aussichten für die Weltwirtschaft und dem positiven Wirtschaftsklima in Europa. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt werde sich allmählich bessern.

Allerdings geht die Kommission nicht davon aus, dass sich die großen Wachstumsunterschiede zwischen den Mitgliedstaaten spürbar einengen werden. "Es wird damit gerechnet, dass sich die Erholung auch weiterhin mit unterschiedlicher Geschwindigkeit vollzieht."

Griechenlands Gesamt- und Neuverschuldung werden zunehmen

Für Griechenland korrigierte die EU-Kommission denn auch ihre Prognose für die Gesamtverschuldung im laufenden Jahr von 150 auf 157 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach oben. Im kommenden Jahr werde Athen sogar einen Schuldenstand von 166,1 Prozent des BIP anhäufen, glauben die Experten.

Auch seine Neuverschuldung bekommt das Land trotz harter Sparmaßnahmen nicht in den Griff. Das Defizit werde 2011 noch bei 9,5 Prozent des BIP liegen, zwei Prozentpunkte höher, als noch im Herbst erwartet. 2012 werde es nur marginal auf 9,3 Prozent sinken, prognostizieren die Experten nun. Das wäre noch mehr als dreimal so hoch, wie vom Euro-Stabilitätspakt erlaubt.

Zugleich rutscht die Wirtschaft noch tiefer in die Rezession als befürchtet: Im laufenden Jahr erwartet Brüssel trotz des positiven Wachstums im ersten Quartal ein Minus von 3,5 Prozent gegenüber einem Minus von 3 Prozent im Herbstausblick. Im vergangenen Jahr war die Konjunktur in Griechenland um 4,5 Prozent eingebrochen. Immerhin sieht die Kommission weiter eine Rückkehr zum Wachstum im kommenden Jahr von plus 1,1 Prozent.

Irlands Wirtschaft erholt sich wieder

Auch für Euro-Sorgenkind Portugal haben sich die Aussichten weiter eingetrübt: Die Wirtschaft in dem Südland, das ebenfalls Milliardenhilfe bekommen soll, werde 2011 um 2,2 Prozent schrumpfen, berechneten die EU-Experten. Im kommenden Jahr sehen sie ein Minus von 1,8 Prozent. Noch im Herbst war die Rückkehr zu einem schwachen Wachstum von 0,8 Prozent für 2012 vorausgesagt worden. Das Defizit für 2011 wird demnach bei 5,9 Prozent und 2012 bei 4,5 Prozent liegen, der Gesamtschuldenstand auf 107,4 Prozent des BIP hochschnellen. Das sind 15 Prozentpunkte mehr, als noch vor sechs Monaten prognostiziert.

Weitgehend stabil ist der Ausblick dagegen für Irland, den dritten Staat am Euro-Tropf: Die Wirtschaft auf der grünen Insel fasst demnach wieder Tritt, mit 0,6 Prozent Wachstum in diesem und 1,9 Prozent im kommenden Jahr. Das Defizit könnte das Land sogar etwas schneller abbauen als zuvor berechnet, von 32,4 Prozent im vergangenen auf 8,8 Prozent im kommenden Jahr. Der Gesamtschuldenstand dagegen wächst etwas schneller als erwartet von 112 Prozent in diesem auf 117,9 Prozent im kommenden Jahr.

Wirtschaftswachstum: Die Gewinner und Verlierer in der EU

mg/dpa-afx/dapd

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung