Montag, 21. Oktober 2019

Wirtschaftsweiser Bofinger warnt vor Euro-Ausstieg Griechenlands

Wirtschaftsweiser Bofinger: "Der Austritt aus der Währungsunion wäre mit einem hohen Risiko verbunden"

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat vor den Folgen eines möglichen Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone gewarnt. Der Experte befürchtet eine Kapitalflucht und plädiert deshalb für eine Umschuldung des hoch verschuldeten EU-Mitglieds.

Berlin - "Der Austritt aus der Währungsunion wäre mit einem hohen Risiko verbunden", sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger der "Passauer Neuen Presse". "Die technische Umsetzung wäre sehr schwierig. Das neue Bargeld müsste erst einmal gedruckt und geprägt, die elektronische Umstellung bewältigt werden. Es würde zu einer enormen Kapitalflucht aus Griechenland kommen", sagte des Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung.

Zudem sei völlig unklar, ob die Schulden Griechenlands in Euro gerechnet oder in Drachmen umgerechnet würden. "Für Griechenlands Gläubiger sind beide Varianten schlecht: Drachmen-Schulden verlieren massiv an Wert, Euro-Schulden werden die Griechen mit ihrer abgewerteten Drachme nicht in vollem Umfang zurückzahlen können. Griechenland selbst stünde vor der Frage, wie es seine Staatsverschuldung finanziert", sagte Bofinger.

Ein Austritt aus der Währungsunion hätte dem Experten zufolge jedoch den Vorteil, dass die griechische Wirtschaft über Nacht wieder wettbewerbsfähig wäre. Bofinger forderte, die Hilfskredite müssten ohne prozentualen Aufschlag vergeben werden. "Strafzinsen sind kontraproduktiv, weil sie die Krise des Landes nur verstärken."

"Große Opfer der Bevölkerung"

Er nannte den derzeitigen Sparkurs "wirtschaftspolitisch problematisch und mit großen Opfern der Bevölkerung verbunden". Die griechische Regierung werde es schwer haben, dem Druck in den nächsten Jahren standzuhalten. "Die Bevölkerung wird sagen: Wir wollen aus dieser Umklammerung heraus."

Bofinger plädiert zudem für eine Umschuldung: "Dann müssten die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen gegenüber Griechenland verzichten. Deutsche Banken könnten dadurch in Schwierigkeiten kommen. Der Staat müsste ihnen helfen. Das hätte aber einen psychologischen Vorteil: Für die deutsche Bevölkerung wäre klar, dass mit dem Geld nicht die Griechen gestützt werden, sondern unsere Banken und unsere Einlagen dort."

In der Euro-Zone gibt es zunehmend Zweifel, dass Griechenland ohne neue drastische Schritte und neue Hilfen seiner Finanzprobleme noch Herr werden kann. Zuletzt wurde in Medien gar über eine Rückkehr des Landes zu einer nationalen Währung und damit der Abkehr vom Euro spekuliert.

Genährt wurden Spekulationen über eine Verschärfung der Schuldenprobleme und eine doch näher rückende Umschuldung durch ein Treffen führender Vertreter des Währungsraums und der EU am Freitagabend in Luxemburg. Das Treffen hatten die Teilnehmer geheim halten wollen.

mg/rtr

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