Montag, 17. Februar 2020

Sorge um US-Wirtschaft Bernanke lässt Geldschleusen offen

Bernanke schreibt Geschichte: Der US-Notenbankchef gibt die erste Pressekonferenz der Fed nach einer Zinsentscheidung

Die US-Notenbank Fed bleibt ungeachtet der Zinswende in Europa geldpolitisch auf dem Gaspedal und lässt die Zinsen in den USA unverändert. Notenbankchef Ben Bernanke begründete dies in der erste Pressekonferenz der Fed nach einer Zinsentscheidung mit dem wackeligen Aufschwung. Die Wall Street reagiert erfreut.

Washington - Die Inflation habe zwar wegen der teureren Energie und der höheren Rohstoffpreise angezogen, sagte Fed-Chef Ben Bernanke in der ersten Pressekonferenz in der 97-jährigen Geschichte der US-Notenbank nach dem Zinsbeschluss. Doch dieser Effekt sei vorübergehend. "Die Fed kann dagegen nicht viel tun, ohne die Wirtschaft aus dem Trott zu bringen", sagte er.

Der Dollar gab nach der Pressekonferenz nach. Den Leitzins beließen die Währungshüter in der Spanne zwischen Null und 0,25 Prozent. Das Staatsanleihen-Ankaufprogramm läuft bis Ende Juni weiter.

Auch nach dem Ende des 600-Milliarden-Dollar schweren Programms werde die Bilanz der Fed nicht rapide zusammenschmelzen, sagte Bernanke. Damit dürfte die Fed weiterhin die Einnahmen aus auslaufenden Papieren nutzen, um sich am Markt wieder einzudecken. Ein Ausverkauf am Anleihemarkt, wie ihn einige Investoren befürchtet hatten, steht daher wohl nicht bevor.

Die Frage ist aber nun, wann die Fed die Geldpolitik wieder strafft. Bernanke hielt sich zu Details bedeckt, sagte aber, es könnte ein erster Schritt sein, die auslaufenden Anleihen nicht mehr zu ersetzen. Experten gehen nicht von einer schnellen Zinswende aus: Die erste Zinserhöhung stehe wohl erst 2012 an, sagte Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. "Irgendwann im späten Sommer oder im Herbst dürfte die Fed die geldpolitische Wende signalisieren."

Geringe Kreditvergabe Schuld am schwachen Wachstum

Sorgen bereitet den Notenbankern der weiterhin wackelige Aufschwung in den USA. Zwar hat die weltweit größte Volkswirtschaft die Rezession inzwischen weit hinter sich gelassen. Doch das Wachstum reicht nicht aus, um die Arbeitslosigkeit deutlich abzubauen.

Die Wachstumsprognose schraubte die Fed nach unten. Die Notenbanker rechnen nun für 2011 mit einem Wirtschaftswachstum zwischen 3,1 und 3,3 Prozent. Im Januar sagten sie noch ein Wachstum von 3,4 bis 3,9 Prozent voraus.

Für das schwächere Wachstum sei die schwache Kreditvergabe sowie die anhaltende Schwäche am Häusermarkt verantwortlich. Hinzu kämen eine relativ hohe Arbeitslosigkeit, hohe Benzinpreise und viele Zwangsvollstreckungen. Dies sei eine "fürchterliche Kombination", sagte Bernanke. Die wirtschaftliche Erholung dürfte daher zunächst moderat bleiben, sich jedoch mittelfristig wieder beschleunigen. Im ersten Quartal dieses Jahres rechnet der Fed-Chef mit einem Zuwachs von etwas weniger als 2 Prozent - im vierten Quartal 2010 waren es noch 3,1 Prozent. Die Quartalszahl wird an diesem Donnerstag veröffentlicht.

Auch die hohe Inflation bremst die Wirtschaft aus. Die Fed korrigierte ihre Inflationserwartung für 2011 leicht nach oben, von 1,3 auf 1,7 Prozent im Januar auf nunmehr 2,1 bis 2,8 Prozent. Die Kerninflationsrate - ohne die schwankungsanfälligen Energiepreise - beziffert die Fed auf 1,3 bis 1,6 Prozent, ebenfalls leicht höher als im Januar geschätzt (1,0 bis 1,3 Prozent). Bernanke machte jedoch klar, dass er langfristig die Inflation unter Kontrolle sieht.

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