Ratingagentur pessimistisch Japans Wiederaufbau kostet bis zu 400 Milliarden Euro

Japan droht beim Wiederaufbau ein herber Rückschlag. Die Ratingagentur Standard & Poor's erwägt die Kreditwürdigkeit des vom Erdbeben gebeutelten Land herabzustufen. Die Kosten für den Wiederaufbau könnten ins Uferlose steigen.
Verdiente Pause: Der Wiederaufbau droht Japans Kräfte zu überfordern

Verdiente Pause: Der Wiederaufbau droht Japans Kräfte zu überfordern

Foto: AP

Tokio/Frankfurt - Nach dem verheerenden Erdbeben und der Atomkatastrophe in Japan wachsen Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Landes. Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) erwägt eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit Japans.

Sollte sich die Lage der öffentlichen Finanzen in den kommenden zwei Jahren weiter eintrüben, sei ein solcher Schritt möglich, teilte die Agentur am Mittwoch mit. Sie senkte den Ausblick für die langfristige Beurteilung von "stabil" auf "negativ". Mitte April hatte S&P bereits die Kreditwürdigkeit der USA infrage gestellt.

Japan verfügt derzeit mit "AA-" über die vierthöchste Ratingnote. Zuletzt hatte S&P das Rating Anfang 2011 um eine Note gesenkt. Grund war seinerzeit die gewaltige Staatsverschuldung Japans, die mit rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts so hoch wie in keinem anderen Industrieland liegt.

S&P begründete den aktuellen Schritt in erster Linie mit den hohen Kosten wegen der schweren Natur- und Atomkatastrophe. Die Agentur schätzt die Wiederaufbaukosten auf 20 bis 50 Billionen Yen (mehr als 400 Milliarden Euro).

Langfristige Perspektive nicht gefährdet

Sollte Japan nicht zusätzliche Staatseinnahmen generieren können, dürften die Kosten zu einem weiteren Anstieg der ohnehin hohen öffentlichen Defizite führen, urteilte S&P. Dann werde das Defizit bis Ende 2014 über der Marke von 8 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Gleichwohl werde die Katastrophe nicht die mittelfristigen Wachstumsperspektiven Japans schmälern.

Gestützt werde die Bonität Japans derzeit von der hohen Vermögensposition im Ausland, dem robusten Finanzsystem und der wettbewerbsfähigen Wirtschaft des Landes, erklärte die Agentur. Der Yen reagierte auf die Ratingaktion zwar mit Kursverlusten, diese hielten sich aber in Grenzen.

Zuvor hatte S&P die Bonität der USA zwar weiter mit der Bestnote "AAA" bewertet, aber den langfristigen Ausblick ebenfalls von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Damit droht in den kommenden zwei Jahren eine Herabstufung - laut Mitteilung mit einer Wahrscheinlichkeit von 33 Prozent. Grund für die Beurteilung seien die im Vergleich zu anderen mit "AAA" bewerteten Ländern "sehr hohen" Haushaltsdefizite". Außerdem sei unklar, wie die steigende US-Staatsverschuldung abgebaut werden solle.

US-Finanzminister Timothy Geithner hatte Zweifel an der Kreditwürdigkeit seines Landes zurückgewiesen. Auch US-Präsident Barack Obama zeigt sich zuversichtlich.

nis/dpa-afx/rtr
Mehr lesen über