Zweifel an der Bonität US-Regierung wehrt sich gegen S&P-Urteil

Die US-Regierung bemüht sich nach dem Warnschuss von Standard & Poor's um Schadensbegrenzung und weist die Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Landes zurück. Die Fähigkeiten der politischen Führer Amerikas werde unterschätzt, hieß es. Dennoch brachen weltweit die Aktienkurse ein, während der Goldpreis Rekordhöhen erreichte.
Die USA unter Druck: Wird die Bonität des Landes abgestuft,

Die USA unter Druck: Wird die Bonität des Landes abgestuft,

Foto: A3464 Rainer Jensen/ dpa

Washington - Präsident Barack Obama habe einen Weg im Kampf gegen die Staatsschulden aufgezeigt, teilte das US-Finanzministerium mit. Republikaner und Demokraten sähen die Notwendigkeit zur Schuldenbekämpfung ein. Die US-Wirtschaft werde nach der schweren Krise stärker.

Die negative Einschätzung der Agentur "unterschätzt die Fähigkeit der politischen Führer Amerikas, zusammenzukommen, um die schwierigen fiskalischen Herausforderungen anzugehen, denen die Nation gegenübersteht", meinte die Abteilungsleiterin für die Finanzmärkte, Mary Miller. "Beide politischen Parteien stimmen überein, dass es Zeit ist, das Defizit im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung zu verringern."

Kurz zuvor hatte S&P einen bisher undenkbaren Warnschuss abgegeben. Zwar werde sie die Bonität der USA weiterhin mit der Bestnote "AAA" bewerten. Allerdings senkte sie den Ausblick für die langfristige Beurteilung von "stabil" auf "negativ". Damit droht in den kommenden zwei Jahren eine Herabstufung - laut Mitteilung mit einer Wahrscheinlichkeit von 33 Prozent.

Grund für die Beurteilung seien die im Vergleich zu anderen mit "AAA" bewerteten Ländern "sehr hohen" Haushaltsdefizite, teilte S&P mit. Außerdem sei unklar, wie die steigende Staatsverschuldung abgebaut werden solle. Es gebe ein grundlegendes Risiko, "dass die US-Politiker keine Einigung darüber erzielen werden, wie sie die mittel- und langfristigen finanziellen Herausforderungen bis 2013 angehen sollen", heißt es in der Analyse. Dies lasse die USA "wesentlich schwächer" dastehen als andere "AAA"-Länder.

Der Warnschuss setzt die US-Regierung weiter unter Druck: Ein schlechteres Rating kann zu erheblich höheren Zinsen für US-Staatsanleihen führen. Dies könnte nach Expertenmeinung das ohnehin zaghafte Wirtschaftswachstum abwürgen und die Gefahr einer neuen Rezession heraufbeschwören.

Kursrutsch an den Aktienmärkten, Goldpreis auf Rekordhoch

Weltweit brachen die Aktienkurse daraufhin ein. An der Wall Street erlebte der Dow-Jones-Index  am Montag seinen stärksten Einbruch seit Monaten: er schloss mit 12.201,59 Punkten 1,1 Prozent niedriger.

Auch an den Deutschen Aktienmärkten weiteten sich die Verluste nach Bekanntwerden der S&P-Analyse aus: Der Dax  rutschte tief ins Minus und verlor 2,11 Prozent auf 7026,85 Punkte. Dies war der größte Tagesverlust seit dem 15. März, als er wegen der Atomkatastrophe in Japan mehr als 3 Prozent verloren hatte. Auch der EuroStoxx 50  gab um 2,44 Prozent auf 2847,96 Punkte nach. Die Leitindizes in Paris und London schlossen gleichfalls im Minus.

In Tokio verlor der Nikkei-Index  am Dienstag 1,5 Prozent und sank auf 9413,99 Punkte. In Hongkong gab der Leitindex Hang Seng  1,4 Prozent ab. Auch in Südkorea, China, Singapur, Taiwan, Australien, Neuseeland und den Philippinen sanken die Kurse.

Der Goldpreis stieg dagegen fast auf die Marke von 1500 Dollar. Nach Einschätzung von Händlern löste die Beurteilung eine erneute Flucht in das als sicher geltende Edelmetall aus. Die Feinunze Gold (rund 31 Gramm) kostete in der Spitze bis zu 1497,20 Dollar.

Für die Ölpreise ging es derweil kräftig abwärts - ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Auslieferung im Juni kostete am frühen Abend 121,12 Dollar und damit rund zwei Dollar weniger als im frühen Handel. Für Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate zur Auslieferung im Mai mussten Anleger zuletzt 106,76 Dollar bezahlen, ebenfalls deutlich weniger.

Haushaltsstreit zwischen Demokraten und Republikanern

Die vergangenen Wochen waren in der US-Politik von einer erbitterten Etatschlacht zwischen den Demokraten von US-Präsident Barack Obama und den Republikanern geprägt. Die Opposition will tiefe Einschnitte vor allem im Sozialwesen durchsetzen, um die Zunahme der Staatsverschuldung zu bremsen. In den kommenden zehn Jahren sollen die Defizite um 5,8 Billionen Dollar (vier Billionen Euro) sinken. Obama wandte sich entschieden gegen die Sparpläne der Konservativen.

Allein im laufenden Haushaltsjahr häufen die USA bis zu 1,65 Billionen Dollar neue Schulden an, rund 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Gesamtverschuldung beträgt derzeit mehr als 14,2 Billionen Dollar. Das ist an der Wirtschaftsleistung gemessen das dickste Minus in der Staatskasse der größten Volkswirtschaft seit fünf Jahrzehnten.

Bis spätestens Juli muss der Kongress die gesetzliche Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar anheben, damit die USA zahlungsfähig bleiben. Allerdings ist die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes im Kongress noch nicht in trockenen Tüchern. US-Finanzminister Timothy Geithner warnte deswegen schon vor "katastrophalen ökonomischen Konsequenzen, die über Jahrzehnte zu spüren wären". Am Sonntag sagte er jedoch in Interviews, die Republikaner hätten in einem Gespräch mit Obama bereits der Erhöhung der Schuldengrenze zugestimmt. Der führende Budgetpolitiker der Opposition im Kongress, Paul Ryan, widersprach Geithners Darstellung allerdings.

mg/dpa-afx/dapd
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