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Offshoring: Die attraktivsten Länder für Unternehmen

Foto: GURINDER OSAN/ AP2003

Outsourcing Indien auf Platz eins

In welche Länder vergeben Unternehmen Dienstleistungen und Produktion? Noch dominieren Standorte in Asien die aktuelle Rangliste der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Aber andere Regionen holen mächtig auf.

Hamburg - Indien, China und Malaysia sind die attraktivsten Auslagerungsländer für Unternehmen aus aller Welt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Die Consultants ermitteln alle zwei Jahre den so genannten Global Services Location Index. In diese Maßzahl gehen verschiedene Standortfaktoren ein, wie zum Beispiel Lohnkosten, das Ausbildungs- und Leistungsniveau lokaler Arbeitskräfte, die Qualität von IT-Services und die allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Die Ausgaben der Firmen für das Auslagern von Dienstleistungen und Produktion sind stetig gestiegen, die Krise von 2008/2009 ausgenommen. Und künftig? Der Weg sei zwar "steinig", sagt Martin Sonnenschein, Managing Director für Zentraleuropa und Mitglied des weltweiten Boards von A.T. Kearney. Die Sorgen um Staatsanleihen, Währungsschwankungen und politische Krisen trübten die weltwirtschaftliche Entwicklung. "Aber eine zunehmend vernetzte Welt und die steigende Nachfrage lassen das Offshoring weiter im Aufwind bleiben," glaubt Sonnenschein.

Die zunehmende Komplexität und Volatilität der globalen Märkte haben das Ranking kräftig durcheinander gewirbelt. Zwar dominiert der asiatische Raum nach wie vor. So rangieren hinter dem Führungstrio noch vier weitere Länder dieser Region unter den Top Ten, nämlich Indonesien (Platz 5), Thailand (7), Vietnam (8) und die Philippinen (9). Doch andere Gegenden holen kräftig auf. Mexiko, die Baltischen Staaten und die Vereinigten Arabischen Emirate sind wettbewerbsfähiger geworden, weil sie ihre Kosten senken konnten, etwa durch die Abwertung der Landeswährung. Auch Großbritannien hat seine Position als Outsourcing-Land - vor allem aufgrund des Pfund-Verfalls - deutlich verbessern können und kletterte von Rang 31 in der letzten Untersuchung vor zwei Jahren auf Platz 16.

Deutschland verbessert Platzierung nur leicht

Der Nahe Osten und Nordafrika haben zum Zeitpunkt der Erhebung ebenfalls an Attraktivität gewonnen, in erster Linie wegen der Nähe zum hoch industrialisierten Westeuropa sowie der großen Zahl gut ausgebildeter Fachkräfte. Ägypten schaffte es sogar auf Platz 4. Dass der Trend anhält, ist angesichts der anhaltenden politischen Unruhen in dieser Region höchst zweifelhaft. Das sieht auch Sonnenschein so: "Mittelfristig könnten die Unternehmen ihr Risikoprofil für die gesamte Region Nordafrika anpassen müssen. Selbst, wenn sich die Lage in Ägypten oder Tunesien recht schnell wieder stabilisiert." Davon wiederum könnten osteuropäische Outsourcing-Länder profitieren. Russland und Polen sind seit der letzten Kearney-Studie im Ranking nach oben geklettert.

Das gilt auch für Deutschland. Dort nehmen die Consultants die Niedriglohnregion um Leipzig als Vergleichsmaßstab. Deutschland schaffte es immerhin auf Platz 29 (2009: 34) und liegt damit deutlich vor der Türkei, Irland und Portugal; diese Staaten belegen die drei letzten Ränge der Kearney-Liste.

Nicht nur zwischen den Zielländern gibt es zum Teil dramatische Verschiebungen, auch die Formen des Outsourcing haben sich nach Auffassung der Kearney-Experten stark gewandelt. So würden die Unternehmen die Verträge immer flexibler gestalten. Standardisierte Softwarelösungen und so genannte Pay-per-use-Angebote (die Firmen bezahlen nur das, was sie wirklich nutzen) ersetzten Kooperationsmodelle mit langfristigen Laufzeiten und Pauschaltarife.

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