Samstag, 25. Januar 2020

Erdbeben in Japan Schockwellen für die Wirtschaft

Brände in der Hafengegend von Iwaki: Japan ist von einem der heftigsten Beben seiner Geschichte erschüttert worden
REUTERS/ Kyodo
Brände in der Hafengegend von Iwaki: Japan ist von einem der heftigsten Beben seiner Geschichte erschüttert worden

Das Erdbeben in Japan trifft die Wirtschaft hart. Internationale Konzerne beklagen Schäden, zudem steigen wohl Versicherungsprämien. Doch vor allem ist das Beben eine Katastrophe für den hochverschuldeten Inselstaat: Es könnte Japan den finanziellen Todesstoß versetzen.

Hamburg - Die Mitarbeiter der Hannover Rück haben das dramatische Ausmaß des Erdbebens in Japan am eigenen Leib gespürt. "Die PCs sind nur so durch den Raum gekullert", sagt eine Sprecherin des Rückversicherers gegenüber manager magazin. "Das Büro sieht wie nach Vandalismus aus." Verletzt worden sei jedoch niemand. Das Büro der zehn Kollegen liegt wohlgemerkt in Tokio, hunderte Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt.

Der eigentliche Schaden wird für die Hannover Rück Börsen-Chart zeigen und all die anderen Rückversicherer, die in Asien stark engagiert sind, finanzieller Natur sein. Wie hoch genau, ist dem Unternehmen noch nicht klar, wie auch den anderen Firmen der Branche. Von zwei Milliarden Euro im schlimmsten Fall sprach der Chef der Munich Re, Nikolas von Bomhard. Auf bis zu 1,4 Milliarden Euro taxiert die US-Bank JP Morgan die Kosten für die europäischen Rückversicherer.

Damit drohen der gesamten Wirtschaft höhere Versicherungsprämien wegen des Erdbebens. "Das Beben wird zweifelsohne Auswirkungen auf die Verhandlungen haben und die Rückversicherungsprämien in die Höhe treiben", sagt Versicherungsanalyst Carsten Zielke von der Bank Société Générale mit Blick auf die laufende Erneuerungsrunde in Japan.

Doch wirklich helfen dürften die steigenden Prämien den Rückversicherern nicht. Bei der Munich Re Börsen-Chart zeigen etwa sei das Jahresbudget für Naturkatastrophen bereits aufgebraucht. "Die erhöhten Prämien werden nicht annähernd die Schäden der Rückversicherer decken können", sagt Zielke. Wenig überraschend, dass die Aktien der Rückversicherer am Freitag weltweit zu den größten Verlierern zählten. "Die Munich Re könnte in diesem Jahr ernsthafte Probleme bekommen, ihr Gewinnziel für 2011 zu erreichen."

Noch ist der gesamte Schaden kaum absehbar, den das epochale Erdbeben in Japan auslösen wird. Dass sich die wirtschaftlichen Folgen nicht völlig auf den Inselstaat beschränken werden, zeigt sich aber nicht nur an den Sorgen der Rückversicherer und ihrer Kunden. So meldete der Stuttgarter Autozulieferer Bosch, mehrere Fabrikgebäude und Maschinen seien beschädigt worden.

Für die Weltwirtschaft insgesamt sehen Ökonomen weniger schwarz. "Japan profitiert mehr von der Weltwirtschaft als die Weltwirtschaft an Japans Nachfrage hängt", sagt Länderanalyst Jochen Möbert von der Deutschen Bank mit Blick auf mögliche wirtschaftliche Probleme, die Japan nun bekommt. Das Land lebt traditionell vom Export und lässt ausländische Firmen und Produkte dagegen nur unter erschwerten Bedingungen ins Land.

An den internationalen Aktienmärkten teilten Investoren diese Einschätzung scheinbar weitgehend. Überall gab es zwar spürbare Kursrückschläge, auch mit Verweis auf die unsichere Lage in Japan.

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