Libyen Gaddafi verliert Kontrolle über Ölfelder

Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi hat nach EU-Angaben offenbar die Kontrolle über die meisten Öl- und Gasfelder des Landes verloren. Engpässe bei Öl und Gas müssten die EU-Länder nicht befürchten. Der Wüstenstaat exportiert Kreisen zufolge derzeit kein Öl mehr.
Ölfeld As Sarah in Libyen: Ölleitung der BASF-Tochter Wintershall

Ölfeld As Sarah in Libyen: Ölleitung der BASF-Tochter Wintershall

Foto: DB Wintershall/ dpa

Brüssel - Es gebe Grund zur Annahme, dass die Mehrzahl der Felder jetzt in der Hand von "provisorischen regionalen Führungsgremien" und anderen Akteuren sei, sagte Energiekommissar Günther Oettinger am Montag in Brüssel. Eine Blockade von Öl- und Gasexporten als Sanktion gegen das Regime könnte deshalb "auf eine Bestrafung der falschen Leute" hinauslaufen, fügte Oettinger am Rande eines Treffens der Energieminister hinzu.

Engpässe bei Öl und Gas muss die EU nach Oettinger Worten durch die Geschehnisse in Libyen nicht befürchten. Die Importe von dort seien "nicht unwesentlich", aber auch "nicht herausragend". Zudem gebe es beim Öl bedeutende Vorräte in der EU, außerdem seien andere Länder wie Russland und Saudi-Arabien gewillt, mögliche Engpässe auszugleichen, sagte Oettinger.

Zuvor hatten die EU-Staaten Kontosperren und Reiseverbote gegen Gaddafi und sein Umfeld beschlossen. Zudem setzte die EU ein Embargo für Waffen und andere Güter in Kraft, die zur Unterdrückung der Bevölkerung eingesetzt werden können.

Libyen exportiert Kreisen zufolge kein Öl mehr. Wegen der geringen Produktion und schlechten Wetters werde derzeit kein Rohöl mehr außer Landes transportiert, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus Schifffahrtskreisen.

Libyen ist der zwölftgrößte Exporteur von Rohöl, das sich in den vergangenen Tagen wegen des Aufstands in dem nordafrikanischen Land stark verteuert hat. In den im Osten des Landes gelegenen Ölfeldern Sarir, Nafoora und Misla werde nur noch etwa halb so viel gefördert wie vor Krisenausbruch.

Auch in Hamada sei die Produktion gedrosselt worden. Wegen schlechten Wetters könnten zudem mindestens vier Tanker mit 2,4 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) an Bord nicht ablegen. Der wichtige Hafen Marsa el Brega befindet sich zudem unter Kontrolle von Regimegegnern, die den Hafen geschlossen haben.

la/afp
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