Dienstag, 10. Dezember 2019

Schwellenländer in Not Ölpreisschock bedroht deutsche Exporte

Übersicht: Die größten Ölexporteure
REUTERS

Der hohe Ölpreis macht stark wachsenden Schwellenländern wie China und Indien schwer zu schaffen. Deutsche Firmen sorgen sich deshalb um ihre Ausfuhren. Sogar die Ölpreisprofiteure der arabischen Welt könnten als Kunden ausfallen - vielen deutschen Schlüsselbranchen droht Ungemach.

Hamburg - Vordergründig betrachtet, sind die meisten deutschen Firmen für steigende Ölpreise bestens gerüstet. Geradezu vorbildlich hat die Industrie ihre Abhängigkeit vom Öl in den vergangenen Jahrzehnten reduziert. Auf weniger als 8 Prozent schätzt der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) den Ölanteil am gesamten Energieverbrauch der Firmen. Vor den Ölkrisen der 70er-Jahre lag der Wert noch weit über 30 Prozent.

Dennoch sehen viele Unternehmenslenker die aktuell rasant empor geschnellten Ölpreisnotierungen mit großer Sorge. Denn während Firmen und Verbraucher in Europa die Steigerungen vergleichsweise gut wegstecken können, sieht es auf den wichtigsten Wachstumsmärkten deutscher Exporteure anders aus.

Erdöl wird dort zunehmend wichtiger, wegen der hohen Nachfrage steigt der Preis weltweit. Zugleich sind Konsumenten und Unternehmen in vielen Schwellenländern kaum in der Lage, deutlich mehr Geld für den begehrten Rohstoff und seine Derivate auszugeben.

Die Gefahr, dass steigende Ölpreise das Wachstum in diesen Ländern abwürgt, steigt. Damit wächst das Risiko, dass die zuletzt besten Kunden deutscher Autohersteller, Maschinenbauer und anderer Firmen nicht mehr so freudig bestellen wie zuvor.

"Wenn sich das Preisniveau hält oder steigt, wird das die Konjunktur in vielen Schwellenländern dämpfen", sagt Konjunkturexperte Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Wirtschaftsforschung in Kiel. "Das werden auch die deutschen Exporteure spüren."

Zuletzt wurde Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) den vierten Tag in Folge teurer und kostete 111,01 Dollar pro Fass. Öl aus der Nordsee und den USA legte in den vergangenen Tagen ebenfalls deutlich zu.

"Wenn die Preise in den nächsten sechs bis zwölf Monaten weiter anziehen, dürfte das Wachstum in Asien niedriger ausfallen als erwartet", sagt auch Schwellenländerexpertin Maria Laura Lanzeni von Deutsche Bank Research. "Steigt der Ölpreis vom jetzigen Niveau um zehn Dollar, sinkt das Wachstum weltweit um etwa einen halben Prozentpunkt."

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