Samstag, 25. Januar 2020

Schwellenländer in Not Ölpreisschock bedroht deutsche Exporte

Übersicht: Die größten Ölexporteure
REUTERS

3. Teil: Schlüsselbranchen droht Ungemach

Die Regierungen in Schwellenländern müssen zudem aufpassen, dass sie keinen Volksaufstand heraufbeschwören, wenn sie die Vergünstigungen kappen. In Pakistan hatte eine Benzinpreiserhöhung Anfang Januar zu Massenprotesten und in eine Regierungskrise geführt.

Sie wurde erst beendet, als Premierminister Yousuf Raza Gilani die Maßnahme zurücknahm. In Indien und Indonesien hat es in den vergangenen Jahren ähnliche, destabilisierende Konflikte gegeben, die die Exportbedingungen für westliche Firmen weiter verschlechtern.

Besonders den deutschen Schlüsselbranchen droht in solchen Fällen Ungemach. "Nachfrageeffekte dürfte insbesondere die Autoindustrie zu spüren bekommen", sagt IfW-Forscher Gern. Daimler Börsen-Chart zeigen, Volkswagen Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen und Co. hatten zuletzt überproportional vom Wachstum in China und anderen Schwellenländern profitiert und planen mit weiteren Absatzsteigerungen.

Tata-Aktie unter Druck

Steigen die Spritpreise stark an, kaufen die Verbraucher weniger Autos, wie sich auch in der jüngst überwundenen Wirtschaftskrise zeigte. Kein Wunder, dass beispielsweise Aktien des indischen Autobauers Tata besonders stark einbrachen, als der Ölpreis wegen der Ereignisse in Libyen explodierte.

Wenig beruhigend für andere Branchen wie den Anlagen- und Maschinenbau ist zudem, dass sie bei der gegenwärtigen Ölpreishausse weniger als sonst vom so genannten Petrodollar-Recycling profitieren dürften. "Die Unsicherheit in vielen Förderländern dürfte sich negativ auf die Investitionen dort auswirken", sagt Gern.

In der Vergangenheit hatten Ölstaaten einen Großteil ihrer Öleinnahmen in Maschinen made in Germany investiert. Zudem werkelten deutsche Baufirmen an zahlreichen Infrastrukturprojekten in der arabischen Welt mit.

Dieses Mal müssen zumindest die von Aufständen betroffenen Ölstaaten ihre Fördermengen drosseln. Bis wieder Ruhe eingekehrt ist und die Staaten wieder Großprojekte verfolgen, dürfte vielerorts zudem noch einige Zeit vergehen.

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