Sonntag, 26. Januar 2020

Schwellenländer in Not Ölpreisschock bedroht deutsche Exporte

Übersicht: Die größten Ölexporteure
REUTERS

2. Teil: Zeitbombe mit zweifacher Sprengkraft

In aufstrebenden Staaten wie China würde der Effekt noch stärker ausfallen, erwartet Lanzeni. "Für deutsche Unternehmen ergibt sich eine niedrigere Nachfrage auf ihren Exportmärkten." Momentan gebe es aber noch keinen Grund, die Wachstumsprognosen wegen des Ölpreisanstiegs nach unten zu revidieren.

Viele Firmen und Verbände selbst klammern sich an die Hoffnung, dass dies so bleibt. So der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA): "Steigende Ölpreise hätten sicher den einen oder anderen dämpfenden Effekt. Insgesamt erscheint die Konjunktur aber robust", sagt VDMA-Volkswirt Olaf Wortmann gegenüber manager magazin. "Wir trauen dem chinesischen Markt weiteres Wachstum zu."

Die exakten Folgen eines weiterhin hohen Ölpreisniveaus sind für viele Schwellenländer jedoch nicht eindeutig vorherzusagen. Gerade China ist möglicherweise in der Lage, höhere Ölpreise mittels seiner Devisenreserven zunächst aufzufangen. Wie in zahlreichen anderen Schwellenländern wacht der Staat streng über die Preise für Benzin an den Tankstellen und andere Rohölprodukte.

Treibstoff wird in jedem zweiten Schwellenland subventioniert

Treibstoff wird laut DB Research in jedem zweiten der 30 wichtigsten Schwellenländer subventioniert. Preissteigerungen an den internationalen Märkten schlagen für Verbraucher und Firmen in diesen Staaten nicht direkt durch.

Doch was zunächst Brisanz aus der Sache nimmt, könnte wie eine Zeitbombe mit zweifacher Sprengkraft wirken. Angesichts wachsender Haushaltsnöte kommen manche Staaten irgendwann womöglich nicht mehr um Subventionskürzungen herum.

Und diese fallen dann oft drastisch aus, wie Erfahrungen aus Ländern wie Pakistan, Indonesien und Indien aus. "Dann wirkt der Preisanstieg umso brutaler", sagt IfW-Forscher Gern. "Bevölkerung und Firmen sind in den Staaten deutlich empfindlicher als bei uns."

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