Zentralbank EZB warnt vor wachsender Inflationsgefahr

Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen in der Euro-Zone unverändert bei 1 Prozent gelassen. Die Eurobanker sehen aber die Gefahr steigender Inflation: Vor allem Energie und Rohstoffe trieben die Preise derzeit nach oben.
Gebäude der Zentralbank in Frankfurt: Der Leitzins bleibt auf historischem Tief

Gebäude der Zentralbank in Frankfurt: Der Leitzins bleibt auf historischem Tief

Foto: Boris Roessler/ dpa

Frankfurt am Main - Mittelfristig erwarte er aber "Preisstabilität", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag. Die Zentralbank ließ ließ den Leitzins daher auf seinem historischen Tief von 1,0 Prozent.

"Was zählt, ist nicht die akute Inflation, sondern die mittelfristige", betonte Trichet. Im Januar hatte die Inflation in der Euro-Zone bei 2,4 Prozent gelegen. Sie war damit im Vergleich zum Vormonat erneut um 0,2 Prozentpunkte angestiegen.

In Deutschland kletterten die Preise im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,9 Prozent und damit auf ein Zwei-Jahres-Hoch. Die EZB spricht bis zu einer Schwelle von zwei Prozent von Preisstabilität.

Preistreiber sind seit Monaten Energie und Rohstoffe. Der Ölpreis lag am Donnerstag bei 103 Dollar pro Fass. Das war der höchste Stand seit September 2008. Grund für den Anstieg sind derzeit vor allem die Unruhen in Ägypten. Zuvor hatte der Ölpreis aber bereits wegen der Erholung der Weltwirtschaft und der damit verbundenen größeren Nachfrage schon angezogen.

Lebensmittelpreise auf Rekordniveau

Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) erklärte am Donnerstag, die Lebensmittelpreise weltweit seien im Januar auf ein neues Rekordniveau gestiegen. Der Anstieg werde wahrscheinlich auch in den kommenden Monaten andauern. Stark verteuerten sich laut FAO Milchprodukte und Speiseöle sowie Getreide. An der Londoner Metallbörse (LME) sprang der Preis für Kupfer auf einen historischen Höchststand. Eine Tonne kostete zwischenzeitlich mehr als 10.000 Dollar und damit so viel wie nie.

EZB-Präsident Trichet sagte, die Inflationsrate in der Eurozone werde wohl "den überwiegenden Teil des Jahres" über zwei Prozent liegen. Ende des Jahres werde sie dann aber wieder absinken. Risiken sieht der EZB-Präsident aber weiterhin in Zweitrundeneffekten. Damit bezeichnen Ökonomen das Phänomen, dass steigende Preise höhere Lohnforderungen der Beschäftigten nach sich ziehen.

Höhere Löhne geben Firmen wiederum oft durch höhere Preise weiter, was zu einer Inflationsspirale führen kann. Hier werde die EZB wachsam bleiben, versicherte Trichet.

Einen Anlass, den Leitzins anzuheben, sahen die Notenbanker noch nicht. Finanzexperten rechnen damit, dass die EZB den Zins, zu dem sich die Kreditwirtschaft bei der Notenbank mit Geld versorgen kann, auch in den kommenden Monaten auf seinem niedrigen Niveau von 1,0 Prozent belassen wird. Mit dem niedrigen Zins will die EZB die Erholung der Wirtschaft unterstützen.

la/afp
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