Anschlag in Moskau Putin kündigt Vergeltung an

Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat eine "unvermeidliche Vergeltung" für den Anschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo angekündigt. Unter den mindestens 35 Todesopfern ist auch ein deutscher Staatsbürger.
"Die Terroristen werden büßen": Ministerpräsident Wladimier Putin besuchte verletzte Anschlagsopfer in Moskau

"Die Terroristen werden büßen": Ministerpräsident Wladimier Putin besuchte verletzte Anschlagsopfer in Moskau

Foto: DPA/ RIA NOVOSTI

Moskau - "Für dieses grausame und sinnlose Verbrechen werden die Terroristen büßen", sagte Putin am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax. Die Behörden vermuten nach eigenen Angaben, dass Terroristen aus dem russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus hinter dem Anschlag stecken. Bei dem Anschlag am Montag wurden mindestens 35 Menschen getötet.

Putin und auch Kremlchef Dmitri Medwedew besuchten in Moskauer Kliniken Patienten, die am Vortag bei dem blutigen Attentat von einer Splitterbombe verletzt worden waren. Bei einer anschließenden Kabinettssitzung sagte Putin den Angehörigen der Opfer Schadenersatz bis zu jeweils umgerechnet 75 000 Euro zu. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin ordnete für diesen Mittwoch einen offiziellen Trauertag in der Hauptstadt an.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew fordert unterdessen personelle Konsequenzen. Vor den Chefs des Inlandsgeheimdienstes FSB erklärte Medwedew am Dienstag, es habe am Flughafen "offensichtlich ein systematisches Versagen" bei der Sicherheit gegeben. Er wies das Innenministerium an, eine Liste von Mitarbeitern der Verkehrssicherheit aufzustellen, die entlassen werden sollten. Die Flughafenleitung wies die Vorwürfe zurück. Die Identität des Selbstmordattentäters war zunächst weiter unklar.

Medwedew verschiebt Anreise zum Weltwirtschaftsforum in Davos

Putin hatte 1999 einen Krieg gegen Rebellen in der Nordkaukasus-Republik Tschetschenien begonnen. Zwar erfüllte der Feldzug sein unmittelbares Ziel, der Aufstand griff jedoch auf die benachbarten Regionen Inguschetien und Dagestan über. Im März rissen zwei Selbstmordattentäterinnen in der Moskauer U-Bahn 40 Menschen mit in den Tod.

Über die Identität des oder der Täter von Domodedowo gab es widersprüchliche Angaben. Während die Nachrichtenagentur Itar-Tass unter Berufung auf einen Ermittler von einem zwischen 30 und 40 Jahren alter Selbstmordattentäter berichtet, war in anderen Medien von einer Frau oder mehreren Tätern die Rede.

Am Dienstag wurden die Berichte über ein deutsches Opfer bestätigt. Für den Tod des 34-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen gebe es nun traurige Gewissheit, sagte Außenminister Guido Westerwelle. Eine weitere deutsche Staatsbürgerin sei verletzt worden. Die Botschaft stehe in Kontakt mit den betroffenen Familien.

Wegen des Anschlags verschob Medwedew seine Anreise zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort sollte er am Mittwoch die Eröffnungsrede halten und für Investitionen in seinem Land werben. Für das kommende Jahr sind in Russland Präsidentenwahlen angesetzt, die Olympischen Winterspiele sind 2014 geplant und 2018 die Fußballweltmeisterschaft.

la/rtr/dpa
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