Montag, 16. September 2019

Spitzentreffen China/USA Kleine Nettigkeiten, knallharte Konflikte

US-Präsident Barack Obama, Chinas Staatspräsident Hu Jintao: Erstes Treffen auf Augenhöhe

Bei seinem jüngsten US-Besuch wurde Chinas Staatschef Hu Jintao noch mit einem Mittagessen abgespeist. Inzwischen haben sich die Gewichte verschoben. Obama und Hu werden viele Nettigkeiten austauschen, doch die Konflikte der alten und der neuen Supermacht verschärfen sich. 

Hamburg Monatelang wurde dieses Treffen von großen Stäben der beiden mächtigsten Männer der Welt akribisch vorbereitet. Heute Nachmittag amerikanischer Ortszeit ist es nun endlich soweit: Chinas Staatspräsident (und KP-Chef) Hu Jintao wird auf der Andrew Air Force Base nahe Washington zu einem - so Hu Jintao - "der wichtigsten Gipfeltreffen der vergangenen 30 Jahre" einschweben.

Hus Visite wird ein Staatsbesuch mit viel Pomp und Symbolik werden. Am Abend wird Hu im kleine Kreis mit Barack Obama, Hillary Clinton und Sicherheitsberater Tom Donilon im Old Family Dining Room des Weißen Hauses speisen. Am Mittwochabend wird es dann in einem viel größeren und viel festlicherem Rahmen ein Staatsbankett geben. Gerade dieses war ganz wichtig für Hu, denn bei seinem letzten US-Besuch 2006 wurde er von George W. Bush noch mit einem Mittagessen abgespeist.

Diesmal ist vieles anders als vor vier Jahren, nicht nur die Symbolik. Denn es hat sich viel verändert seither. Ausgelöst von der US-Banken- und Immobilienkrise legte sich eine tiefe Rezession über die Vereinigten Staaten. Die USA sitzen inzwischen auf einem gigantisch hohen Schuldenberg. Hinzu kommt die Schmach der Amerikaner sowohl in Afghanistan als auch im Irak, wo sie jeweils nur mäßig erfolgreich waren. Die USA sind ökonomisch und militärisch in einer Krise, und auch politisch (durch die aufmüpfige Tea Party) inzwischen tief gespalten.

Ganz anders China. Die Wirtschaft boomt weiter mit Wachstumsraten zwischen 8 und 10 Prozent. Die Währungsreserven steigen und steigen. Aktueller Stand: 2,85 Billionen Dollar. Geld ist im Überfluss da, auch für die Aufrüstung.

Absteiger USA, Aufsteiger China

So begegnen sich bei diesem Gipfeltreffen die Vertreter zweier Mächte, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen. Absteiger Amerikaner von oben, Aufsteiger China von unten. Ein selbstbewusstes China trifft auf ein verunsichertes Amerika. Das ist eine völlig neue Konstellation - vor allem für die Amerikaner. Zum ersten Mal seit dem Ende des Kalten Krieges begegnet ihnen jemand auf Augenhöhe.

Das ist ungewohnt für die Amerikaner. Sie wissen deshalb nicht, wie sie mit dem neuen Rivalen umgehen sollen. Sollen sie ihn umarmen oder erdrücken? Oder - wie es im US-Politjargon heißt - sollen sie sich für "Engagement" oder "Containment" (Eindämmung) Chinas entscheiden?

Wie seine Vorgänger Bill Clinton und George W. Bush hat auch Barack Obama keinen klaren Kurs gegenüber China. Zu Beginn seiner Amtszeit versuchte er es mit einem Schmusekurs, dann - als die neue Liebe von den Mächtigen in Beijing nicht so richtig erwidert wurde - ging er auf eher kritische Distanz zu ihnen.

Jede Menge Nettigkeiten - trotz der US-Waffenlieferungen an Taiwan

Bei ihrem bevorstehenden Treffen werden Hu und Obama sicher viele Nettigkeiten austauschen. Hu kommt Obama sogar entgegen und fliegt nach seiner Washington-Visite in Obamas Heimatstadt Chicago. Beide werden - wie immer bei solchen Anlässen - jede Menge Verträge - vor allem über erneuerbare Energien - unterschreiben.

Doch die großen Probleme, die zwischen den beiden Nationen bestehen, werden die zwei mächtigsten Männer der Welt nicht in drei Tagen lösen können. Zu unterschiedlich sind die Interessen bei den wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Streitpunkten.

Politisch dominiert das Taiwan-Problem. Auch wenn sich seit einiger Zeit das Verhältnis der Volksrepublik zur "abtrünnigen Provinz" Taiwan sehr entspannt hat - es gibt regelmäßige Konsultationen zwischen Beijing und Taipeh, und es wurden inzwischen Direktflüge etabliert - , regen die regelmäßigen Waffenlieferungen der Amerikaner an Taiwan die Chinesen mächtig auf. Die nächste Lieferung der Amerikaner ist schon geplant, enthüllte rechtzeitig zum Staatsbesuch die "Washington Post".

Seite 1 von 2

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung