Handelsrekord China häuft 2,2 Billionen Euro in Devisen an

Der Exportweltmeister China baut seine Handelsmacht weiter aus. Das Reich der Mitte ist nun zum wichtigsten Warenlieferanten für Deutschland aufgestiegen. Die zuvor schon gewaltigen Devisenreserven sind 2010 abermals rasch gewachsen. Damit erkauft China sich weitere Handelsvorteile.
Chinas Premier Wen Jiabao: Nur zögerlicher Abbau der Exportsubvention

Chinas Premier Wen Jiabao: Nur zögerlicher Abbau der Exportsubvention

Foto: ? Francois Lenoir / Reuters/ REUTERS

Peking/Hamburg - Die weltgrößten Devisenreserven in China sind im vergangenen Jahr um 18,7 Prozent auf 2,85 Billionen US-Dollar (rund 2,2 Billiarden Euro) gestiegen. Das berichtete die Zentralbank am Dienstag in Peking. Der chinesische Außenhandel hatte um 34,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 2,97 Billionen US-Dollar zugelegt, wenngleich der Handelsbilanzüberschuss um 6,4 Prozent auf 183 Milliarden US-Dollar zurückgegangen war.

Das Wachstum der Reserven gibt Aufschluss darüber, wie stark Peking den Wechselkurs der Landeswährung Yuan kontrolliert. Die Zentralbank hält den Yuan und damit chinesische Exporte billig, indem sie ausländisches Geld aufkauft, das ins Land strömt. Ein Großteil der Handelsüberschüsse wird in Staatsanleihen der USA und zunehmend auch europäischer Länder investiert. Die USA, die Europäische Union und andere Länder werfen China vor, den Yuan unterbewertet zu halten und damit heimischen Exporteuren einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. In den vergangenen Monaten ließ Peking eine zaghafte Aufwertung des Yuan um rund 2 Prozent zu.

Der deutsche Außenhandel mit China hat 2010 offenbar neue Rekordwerte erreicht. Dies ergeben Schätzungen des Münchner Ifo-Instituts und der Großbank Unicredit für die "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe). Nach Berechnungen von Unicredit hätten im vergangenen Jahr sowohl Importe aus China als auch deutsche Exporte nach China in absoluten Zahlen auf einem Allzeithoch gelegen, berichtet das Blatt. Die Folge: Im Jahr 2010 sei das Land zu Deutschlands wichtigstem Warenlieferanten aufgestiegen, sagte Steffen Elstner, Forscher am Ifo-Institut.

Nach Unicredit-Schätzung kletterten die deutschen Ausfuhren nach China um 40 Prozent. Zugleich hätten die Importe im vergangenen Jahr um 32 Prozent zugelegt. Das komme dem stärksten Anstieg seit 17 Jahren gleich. "Ich vermute, dass es in den nächsten Jahren ähnlich weitergeht", sagte Andreas Rees, Deutschland-Chefvolkswirt von Unicredit in Frankfurt.

2009 waren noch die Niederlande wichtigster Lieferant vor China und Frankreich. Von Januar bis September 2010 - nur für diesen Zeitraum liegen bisher offizielle Zahlen vor - kamen dem Bericht zufolge bereits 9,4 Prozent aller deutschen Importe aus China. Besonders gefragt seien dabei Datenverarbeitungs- und Elektrogeräte aus Fernost gewesen. Doch auch Kleidung und Textilien made in China seien gern gekauft worden.

Wie die Zentralbank weiter berichtete, überstieg die Kreditvergabe der chinesischen Banken im vergangenen Jahr mit 7,95 Billionen Yuan (heute umgerechnet 927 Milliarden Euro) das Ziel der Regierung von 7,5 Billionen Yuan. Im Jahr davor waren es im Rahmen des Konjunkturprogramms sogar 9,6 Billionen Yuan, doch hatte die Regierung aus Angst vor Überhitzung die Liquidität bremsen wollen.

Dank des Konjunkturprogramms und der massiven Kreditvergabe hatte China die Weltwirtschaftskrise besser als erwartet überstanden und dürfte im vergangenen Jahr rund 10 Prozent Wachstum erreicht haben. Allerdings hat sich der Inflationsdruck auch deutlich verstärkt, so dass jetzt ein langsameres und nachhaltigeres Wachstum angestrebt wird.

ak/dpa-afx
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