Deutschlandbesuch China setzt Charmeoffensive fort

Einen Tag vor seinem Deutschlandbesuch setzt Chinas Vizepremier Li Keqiang die Charmeoffensive der aufstrebenden Weltmacht fort. Peking wirbt um neue Investitionen aus Deutschland und sagt weitere Hilfen für Stabilisierung des Euro zu - aus wohlverstandenem eigenen Interesse.
Vize Premier Li Keqiang:

Vize Premier Li Keqiang:

Foto: DOMINIQUE FAGET/ AFP

Berlin - Chinas und Deutschlands Wirtschaft seien "in hohem Maße komplementär", schreibt der für Reformen und Wirtschaftsfragen zuständige chinesische Vize- Premierminister Li Keqiang in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung". Das eröffne neue Chancen, auch für chinesische Unternehmen.

Li forderte, dass auch die Bedingungen für Investitionen und Existenzgründungen chinesischer Unternehmen in Deutschland verbessert werden müssten.

Besondere Anreize will China nach den Worten Lis für Hochtechnologie-Unternehmen in den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt, Energie und Materialwirtschaft schaffen. Besonders die Kooperation in der "grünen Wirtschaft" könne verbessert werden. Insgesamt müsse das Investitionspotenzial besser ausgeschöpft werden, so der Vize- Premier.

Dabei sicherte er zu, dass China seine Wirtschaftsgesetze und die Investitionspolitik verbessern, "geistiges Eigentum schützen und ein stabiles, ordnungsgemäßes, transparentes und berechenbares Marktumfeld schaffen" werde. Alle in China registrierten Unternehmen würden wie inländische Firmen behandelt.

Hilfen für Spanien, Griechenland und Portugal

Li wird als potenzieller Nachfolger des amtierenden Ministerpräsidenten Wen Jiabao gehandelt. Er wird am Donnerstag zu einem dreitägigen Besuch in Deutschland erwartet. Dabei wird der unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sprechen.

Die chinesische Regierung hat unterdessen weitere Hilfe für die Stabilisierung des Euro angekündigt. China werde "Pakete zur Finanzstabilität" aufkaufen, um den betroffenen EU-Staaten bei der Überwindung ihrer Schuldenkrise zu helfen, schrieb Li.

Li trifft heute mit Spaniens Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero in Madrid zusammen. Es wurde damit gerechnet, dass er dabei den Kauf spanischer Staatsanleihen ankündigt, um Spanien bei der Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise zu helfen. China hatte bereits Griechenland und Portugal durch den Kauf von Anleihen und Investitionen im Land unterstützt.

Dabei handelt China natürlich nicht uneigennützig: Angesichts der immensen Verschuldung der USA ist es im Interesse Chinas, seine riesigen Währungsreserven stärker zu diversifizieren. Die europäische Schuldenkrise bietet China außerdem Gelegenheit, sich über Zukäufe weiteren Zugang zu europäischen Märkten zu sichern.

la/dpa/afp

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