Mittwoch, 29. Januar 2020

Schuldenkrise Wirtschaftsforscher prognostizieren Euro-Aus

Europäische Gemeinschaftswährung: Wirtschaftsweiser Franz sieht den Euro nicht in einer Krise

Die europäische Gemeinschaftswährung steht auch im neuen Jahr weiter unter Druck. Während britische Wirtschaftsforscher schon ein Ende des Euro voraussagen, glaubt der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz nicht an eine Krise des Euro.

Berlin/London/Paris - Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, sieht den Euro nicht in einer Krise. "Wir erleben keine Krise des Euro, sondern Krisen in einzelnen Euro-Staaten, die auf ein finanzpolitisches Fehlverhalten einzelner Länder oder auf ein aus den Fugen geratenes Bankensystem wie in Irland zurückzuführen sind", sagte Franz der "Welt am Sonntag".

Die befürchteten Dominoeffekte im Euroraum hätten mit dem Euro nicht viel zu tun, sondern mit viel zu riskantem Verhalten der Banken. "Der Euro-Rettungsschirm stellt letztlich ein Rettungsprogramm nicht zuletzt für deutsche und französische Banken dar. Die Aktion für Irland ist ebenfalls im Kern ein Bankenrettungsprogramm", sagte Franz.

Die Leistungsbilanz des Euro-Raums sei in etwa ausgeglichen, die Neuverschuldung des Euro-Raums in Prozent des Bruttoinlandsprodukts geringer als in Japan, England oder den USA. "Vorsicht mit Schuldzuweisungen an den Euro", sagte Franz.

Die Beschlüsse innerhalb der Euro-Zone, einen permanenten Krisenmechanismus zu installieren, gingen in die richtige Richtung. Franz forderte, dass private Gläubiger an einem Zahlungsausfall eines Landes beteiligt werden müssen. "Das ist doch das Normalste von der Welt. Es geht doch nicht an, hohe Zinsen einzustreichen, aber die Risiken solcher Anleihen ausschließlich auf die Steuerzahler abzuwälzen", sagte Franz.

Wirtschaftsforscher: "Euro wird die nächsten zehn Jahre nicht überleben"

Kritik übte Franz an dem geplanten Verfahren. "Es ist mehr als bedenklich, wenn darüber, wie jetzt wohl vorgesehen, die Regierungen von Fall zu Fall entscheiden", sagte Franz. Schon beim Stabilitäts- und Wachstumspakt habe man gesehen, dass die Regeln nicht strikt angewendet werden, wenn als Regierungen potenzielle Sünder über aktuelle Sünder befinden müssen.

"Ebenso wenig würden Regierungen bei einem Krisenmechanismus vermutlich gegen die Interessen der Banken ihres Landes votieren. Besser wäre es, beispielsweise eine unabhängige Abteilung der EU-Kommission mit der Anwendung der vorher vereinbarten Regeln zu betrauen", so der Wirtschaftsweise.

Das britischen Wirtschaftsinstituts CEBR glaubt dagegen nicht an eine Zukunft des Euro. Die Wahrscheinlichkeit liege bei 80 Prozent, dass die europäische Gemeinschaftswährung in ihrer derzeitigen Form die nächsten zehn Jahren nicht überleben werde, sagte der Chef des Centre for Economics and Business Research (CEBR), Douglas McWilliams.

Spanien und Italien müssten im Frühjahr Anleihen über 400 Milliarden Euro refinanzieren. Dies dürfte eine neue Krise in der Euro-Zone auslösen. Bereits zu diesem Zeitpunkt könnte der Euro scheitern. Die sich vertiefenden Ungleichgewichte zwischen den schwachen und starken Euroländern dürften der Währung auf jeden Fall langfristig schaden.

Merkel: "Der Euro ist die Grundlage unseres Wohlstands"

Bundeskanzlerin Angela Merkel machte sich indes in ihrer Neujahrsansprache trotz der Skepsis vieler Bürger für den Euro stark. "Der Euro ist die Grundlage unseres Wohlstands", sagte die CDU-Politikerin am Freitagabend. "Deutschland braucht Europa und unsere gemeinsame Währung." Dabei stehe Europa in diesen Monaten inmitten einer großen Bewährungsprobe. "Wir müssen den Euro stärken."

Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will sich mit seiner ganzen Kraft für den Erhalt der europäischen Gemeinschaftswährung einsetzen. "Der Untergang des Euro wäre das Ende Europas", sagte Sarkozy am Freitag in seiner Neujahresansprache. Er wolle dafür kämpfen, dass es keinen Rückschritt in der Euro-Zone gebe.

Er werde es nicht zulassen, dass Frankreich anderen europäischen Staaten in die Schuldenkrise folge. "Die Länder, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, ohne an den nächsten Tag zu denken, haben einen hohen Preis bezahlt. Meine Hauptaufgabe ist es, Frankreich vor einem solchen Szenario zu schützen", sagte Sarkzoy. Er versprach, sich an die Pläne zur Sanierung der angeschlagenen Staatsfinanzen zu halten.

mg/rtr

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