Lockere Geldpolitik China erhöht das Inflationsziel

Die Wachstumsbremse wird nicht ganz durchgetreten: China will offenbar nicht ganz so aggressiv gegen die steigende Inflation vorgehen wie an den Finanzmärkten zuletzt befürchtet. Die Regierung lässt eine höhere Preissteigerungsrate zu als bisher.
Etwas mehr Wachstum erlaubt: Glitzermetropole Kanton in Südchina

Etwas mehr Wachstum erlaubt: Glitzermetropole Kanton in Südchina

Foto: AFP

Peking - Amtlichen Angaben vom Dienstag zufolge will die Regierung im kommenden Jahr eine Inflationsrate von 4 Prozent zulassen, nachdem sie in diesem Jahr noch 3 Prozent angestrebt hatte. Auch bei der Kreditvergabe wollen die Behörden einem Zeitungsbericht zufolge nicht so stark auf die Bremse treten wie vielerorts angenommen - das Kreditvolumen soll 2011 lediglich auf dem Niveau von 2010 verharren. Die Zielvorgabe für das Wirtschaftswachstum belässt die Regierung bei 8 Prozent, obwohl die meisten Volkswirte dem Reich der Mitte schon jetzt mehr zutrauen.

Mit der Bekanntmachung legt China erstmals offiziell genaue Ziele für die Wirtschaftsentwicklung im kommenden Jahr vor. Die Eckdaten der mächtigen nationalen Kommission für Entwicklung und Planung sind ein Indiz dafür, dass die Regierung das zügige Wachstum nicht dem Kampf gegen die Inflation opfern will. Die Führung in Peking legte zwar in ihrer Stellungnahme mehr Betonung auf die Kontrolle der Preissteigerung. Gleichzeitig jedoch betonte sie, ein Gleichgewicht schaffen zu wollen zwischen dem Bestreben nach Preisstabilität und zügigem Wirtschaftswachstum.

Mit dem höheren Inflationsziel betritt China jedoch kein Neuland: 2008 hatte das Land eine Rate von 4,8 Prozent angepeilt und 2009 vier Prozent. An den Finanzmärkten ging zuletzt die Angst um, dass die Regierung mit allen Mitteln gegen den Anstieg der Verbraucherpreise vorgehen könnte und dabei das Wirtschaftswachstum abwürgt. China ist seit der Finanzkrise die Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft - eine Abkühlung würden deshalb auch Firmen in Europa und den USA sofort zu spüren bekommen.

Bislang hat die Zentralbank des Landes vor allem auf eine Zügelung der Kreditvergabe gesetzt, um den Anstieg der Verbraucherpreise und besonders die Preisexplosion bei Immobilien in den Griff zu bekommen. Im November trieben rasant steigende Lebensmittelpreise die jährliche Inflationsrate auf 5,1 Prozent und damit den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Die Regierung fürchtet, dass die rasante Verteuerung von Nahrungsmitteln Unruhen auslösen könnte und hat deshalb bereits Preiskontrollen angeordnet.

Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass die Notenbank angesichts der Preissteigerungen noch im Dezember zum zweiten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen erhöht. Die Notenbanker haben zudem Geld aus dem Wirtschaftskreislauf abgezogen, indem sie die großen Banken dazu zwangen, einen relativ hohen Prozentsatz der Kundeneinlagen bei der Zentralbank als Mindestreserve anzulegen.

Das "China Securities Journal" berichtete auf seiner Titelseite unter Berufung auf zuverlässige Quellen, dass die Kreditvergabe im Jahr 2011 rund 7,5 Billionen Yen (gut 800 Milliarden Euro) nicht übersteigen soll. Volkswirte waren im Schnitt davon ausgegangen, dass China die Kreditvergabe auf 7,0 Billionen Yen reduziert. Für das laufende Jahr peilt das Land ebenfalls ein Volumen von 7,5 Billionen Yen an.

ak/rtr
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