Sonntag, 20. Oktober 2019

Amerikas Geldschwemme Ein Akt der Aggression gegen Europa

US-Notenbankchef Ben Bernanke: Geldflut folgt auf Geldflut

Amerikas Notenbankchef Ben Bernanke ist dabei, die USA und die Welt mit einer neuen und gigantisch großen Geldwelle zu überfluten. Ökonom Anders Åslund sagt dem manager magazin, warum Bernanke damit einen globalen Wirtschaftskrieg riskiert - und neue Banken-Crashs.

mm: Mr. Aslund, hat die amerikanische Notenbank keinen Mut mehr für das einzustehen, was sie eventuell anrichtet?

Åslund: Wie kommen Sie darauf? Ich habe bisher eher gefürchtet, sie könnte übermütig werden.

mm: Weil Amerikas Zentralbankchef Ben Bernanke in den kommenden Wochen Hunderte Milliarden Dollar Geld drucken lassen will, doch mit dem Begriff "Quantitative Easing" dafür lieber beschönigende Worte findet. So, als traue er sich nicht, die Wahrheit auszusprechen.

Åslund : Das fällt auf, ja. Um die monetäre Explosion weniger dramatisch und eher technisch darzustellen, haben ihr die Befürworter der Sache mittlerweile sogar einen Spitznamen verpasst - die Abkürzung QE2, in Anspielung auf das berühmte Kreuzfahrtschiff Queen Elizabeth 2.

mm: Ist Bernankes geplante Geldspritze denn so gefährlich, dass man sie lieber nicht beim Namen nennen will?

Åslund: Sie wird mit volkswirtschaftlichen Modellen gerechtfertigt, die einfach nicht für die derzeitige, ungewöhnliche Lage gemacht worden sind. Und birgt in der Konsequenz viele Risiken für die Vereinigten Staaten, sogar für die ganze Welt.

mm: Was zeichnet die aktuelle Lage denn Ihrer Meinung nach aus?

Åslund: Beispielsweise, dass bisher noch keine Nation den Schaden ausgeglichen hat, der ihr von der vergangenen Wirtschaftskrise zugefügt worden ist. Und dass wir auch eines akzeptieren müssen: Es gibt eben Phasen, Rezessionen, in denen die Wirtschaft nun mal schrumpft.

mm: Genau damit, sagt die amerikanische Zentralbank, will sie sich auf keinen Fall kampflos abfinden. Das ist ja auch nicht schlecht, oder?

Åslund: Viele Amerikaner gehen offenbar davon aus, dass es die Aufgabe ihrer Regierung sei, Wirtschaftswachstum zu liefern. Das ist ein Problem. Unter dem Strich wäre es günstiger, die Amerikaner über Folgendes zu informieren: Boom und Rezession können genauso wenig abgeschafft werden, wie die Schwerkraft.

mm: Im Ernst: Sollen sich die Amerikaner einfach damit abfinden, dass es gemessen an ihren eigenen Vorstellungen derzeit nicht schnell aus der Krise herausgeht?

Åslund: Da gibt es eigentlich gar nichts, womit man sich abfinden müsste. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds beispielsweise erreicht das Weltwirtschaftswachstum in diesem Jahr einen Wert von 4,8 Prozent. Das ist kein Miniwachstum, die globale Nachfrage ähnelt viel mehr einem Boom.

mm: Mr. Aslund, diese statistische Einschätzung dürfte vielen Amerikanern zu Recht nicht beruhigen. Was die Menschen berührt, ist doch die Erfahrung, aktuell zumindest vergleichsweise schwer einen Job zu finden.

Åslund: Viele Amerikaner haben in der Krise gelitten, ihre Häuser verloren. Aber gemessen an der kräftigen Finanzkrise ist die Arbeitslosenrate in den Vereinigten Staaten noch durchaus begrenzt - und übrigens kaum höher als in vielen europäischen Staaten.

mm: Wollen Sie damit andeuten, die Amerikaner hätten nur nicht genügend Ausdauer, um eine echte Gesundung abzuwarten?

Åslund: Sagen wir es einmal so: Die Finnen stehen davor, in diesem Jahr in die Rezession zurückzufallen, von einem Aufschwung so stark wie in den USA, sind sie recht weit entfernt. Und das nach einem Minus des Bruttoinlandsprodukts im vergangenen Jahr von riesigen 8 Prozent. Und wie ist die Reaktion der Finnen?

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