Dienstag, 17. September 2019

Schwellenlandboom Die brasilianische Dekade

Brasiliens Konzerne: Angriff auf den Weltmarkt
AP

Aus dem Land der Zukunft wird das Land der Gegenwart. Brasiliens Wirtschaft ist gestärkt aus der Krise herausgekommen. Laut einer neuen Roland-Berger-Studie könnte sie nun den Weltmarkt angreifen - unabhängig davon, wer dem scheidenden Präsidenten Lula nachfolgt.

Hamburg - In der Niederlassung der Beratungsfirma Roland Berger in São Paulo herrscht Hochbetrieb. Etliche Aufträge für Strategiestudien zum Eintritt internationaler Konzerne in den brasilianischen Markt seien im laufenden Jahr eingegangen, berichtet Partner Rodrigo Dantas. "Alle globalen Firmen wollen das Potenzial des brasilianischen Markts erobern", sagt er, "viele haben dazu noch Probleme auf dem Heimatmarkt."

Die führenden Adressen der deutschen Industrie können es nicht gewesen sein, denn die sind längst praktisch alle in Brasilien aktiv. Volkswagen, BASF oder Bosch produzieren dort seit Jahrzehnten. ThyssenKrupp baut allen Widrigkeiten zum Trotz ein fünf Milliarden Euro teures Stahlwerk in den Mangrovensumpf nahe Rio de Janeiro. 1200 deutsche Firmen zählen die deutsch-brasilianischen Außenhandelskammern. São Paulo gilt als größter deutscher Industriestandort.

Doch jetzt strömt das globale Kapital stärker denn je ins Land. Die Regierung führte sogar Kapitalimportsteuern ein, um den Geldzufluss und damit den Aufwertungsdruck für die Landeswährung Real zu bremsen. In diesem Jahr wächst die Wirtschaft des Landes laut IWF-Prognose um 7,5 Prozent, stärker als vor der Krise. Zum Jahresende dürfte Brasilien von Platz neun auf Platz sechs der größten Volkswirtschaften vorrücken.

Brasilien scheint das Land der Stunde. "Als Brasilianer bin ich mit dem Witz aufgewachsen, dass wir das Land der Zukunft sind - und immer sein werden", sagt Roland-Berger-Partner Dantas. "Aber diesmal könnten wir wirklich vor einem brasilianischen Jahrzehnt stehen."

So lautet auch der Titel einer neuen Studie von Roland Berger, die manager magazin vorliegt: "Die brasilianische Dekade". Die Berater verweisen auf eine "einzigartige Kombination aus vier Stärken", nämlich politische Stabilität, starke Kapitalmärkte große interne Nachfrage und riesige Infrastrukturprogramme - letztere werden auch von den Renommierereignissen Fußball-WM 2014 und Olympische Spiele 2016 befördert.

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