Samstag, 7. Dezember 2019

Basel III System der Schattenbanken bleibt verschont

Denkwürdige Bilder: Angestellte der US-Investmentbank Lehman Brothers räumen am 15. September 2008 ihre Büros. Der Zusammenbruch der Bank gilt aus Ausgangspunkt der folgenden Weltfinanzkrise. Neue Regeln wie Basel III sollen eine ähnliche Krise verhindern helfen.

Basel III soll die Geschäftsbanken weltweit stabiler machen und helfen, Finanzkrisen wie die letzte zu vermeiden. Das ungleich größere Schattenbankensystem bleibt aber weitgehend unreguliert. Wenn die Politik sich nicht zu zusätzlichen Eingriffen durchringt, bleibt die Gefahr weiterer Bankengroßpleiten akut.

Eins blieb uns in diesem September erspart: Wir müssen nicht mitansehen, wie aufgelöste Banker einer Einrichtung wie Lehman Brothers mitten in der Nacht ihre Büros räumen und mit einem Karton persönlicher Habe fluchtartig das Gebäude verlassen. Vielmehr erleben wir einen Ben Bernanke, Präsident der amerikanischen Notenbank, der schwungvoll wirkt, wenn er ein Podium betritt und sich optimistisch über die Zukunft äußert. Auch der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat es geschafft, Basel III zu verabschieden, ein internationales Regelwerk, das die Banken stabiler machen soll. Fast genau zwei Jahre nach dem Tag, an dem Lehman Brothers Gläubigerschutz nach Chapter 11 des Insolvenzrechts der Vereinigten Staaten beantragt haben, scheint die Finanzwelt sich über die gestärkte Widerstandskraft der Banken in Krisensituationen einig zu sein.

Eine dieser Schutzmaßnahmen verlangt eine Aufstockung des Kernkapitals der Banken. Unter dem Strich soll es von 2 Prozent auf 7 Prozent erhöht und somit mehr als verdreifacht werden. Diese 7 Prozent beinhalten eine Kernkapitalquote - die Schlüsselgröße der Finanzstärke einer Bank - von 4,5 Prozent und einen Kapitalerhaltungspuffer von 2,5 Prozent.

Zu diesen 7 Prozent kann die Bankenaufsicht in wirtschaftlich starken Zeiten den Banken einen antizyklischen Kapitalpuffer von bis zu 2,5 Prozent auferlegen - vergleichbar mit dem Sparen in guten für die schlechten Zeiten. Das sind vom Konzept her akzeptable Maßnahmen, die Banken in Stressphasen stabiler machen und dazu beitragen, Finanzkrisen wie die letzte zu vermeiden. Den G-20 Ländern, die dieses Reformpaket unterstützen, wird das Paket bei dem bevorstehenden G20-Gipfel im November 2010 in Seoul präsentiert. Bleibt zu hoffen, dass die Vereinigten Staaten die Basel-III-Regelungen im vollen Umfang unterzeichnen werden - Basel II war dort nur auf beschränkte Akzeptanz gestoßen.

Das Problem ist die geplante zeitliche Umsetzung von Basel III. Um eine drastische Einschränkung der Kreditvergabe durch Banken zu verhindern, lässt man ihnen bis 2019 Zeit, um die Basel-III-Anforderungen zu erfüllen. Das ist zu lang. Abgesehen davon wäre es naiv anzunehmen, dass der Weg bis dahin ohne Krisen verläuft.

Darlehens- und Hypothekenzinsen für die Kunden werden steigen

Die Bankkunden dagegen sind unmittelbar von den neuen Regeln betroffen. Um die höheren Kapitalanforderungen erfüllen zu können, müssen die Banken in den kommenden Jahren neues Kapital in dreistelliger Milliardenhöhe aufbringen - beispielsweise durch die Ausgabe neuer Aktien. Sie müssen Gewinnrücklagen aufbauen - vermutlich zu Lasten der Beträge, die für Dividenden und Bonuszahlungen zur Verfügung stehen - bis die Basel-III-Anforderungen abgedeckt sind. Mittlere Banken werden gezwungen sein, ihre Geschäftsaktivitäten zu optimieren und profitabler zu werden, was eine begrüßenswerte Veränderung ist. Dass zumindest ein Teil der Kosten für die Kapitalbeschaffung auf die Kunden abgewälzt wird, liegt auf der Hand. Die Ära des billigen Geldes wird zu Ende gehen, was auf Konsumentenseite höhere Darlehens- und Hypothekenzinsen bedeutet.

Die eigentlichen Probleme liegen jedoch an anderer Stelle. Basel III gilt für Banken, die Privatkundeneinlagen annehmen. Das sind die Banken, die sicherer werden. Allerdings gibt es noch ein unreguliertes "Schattenbankensystem". Es besteht aus der Menge der Zwischenhändler wie Investmentbanken, Hedgefonds, Beteiligungsgesellschaften, Structured Investment Vehicles (SIV), Proprietary Trading und anderen. In dieses unregulierte Schattenuniversum wird Basel III die Verlagerung von Risiken treiben.

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