Montag, 14. Oktober 2019

OPEC Ölpreis steigt um 8 Prozent - Förderkürzung in Sicht

OPEC-Treffen in Wien: Das Kartell steht kurz vor einer Einigung auf eine Kürzung der Förderung

Beim Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) stehen die Zeichen auf eine Kürzung der Fördermenge. Dies behauptet zumindest der irakische Öl-Minister. Der Ölpreis zieht deutlich an.

Bei den Opec-Gesprächen über eine Förderbremse haben führende Vertreter des Ölkartells trotz aller Differenzen im Vorfeld Zuversicht verbreitet. Vor allem Äußerungen des saudiarabischen Energieministers Chalid al-Falih schürten Optimismus. Man sei einer Übereinkunft nähergekommen, sagte er zu Beginn der Beratungen am Mittwoch in Wien.

Im Streit mit dem Erzrivalen Iran deutete Saudi Arabien Kompromissbereitschaft an. Zudem sei sein Land zu einer "großen Kürzung" der Förderung bereit, um den Ölmarkt zu stabilisieren. Auch der Iran und der Irak sandten ähnliche Signale. Insidern zufolge wurde sogar über eine größere Kürzung beraten als bislang erwogen.

Ölpreis klettert auf rund 50 Dollar je Fass - erste Drosselung seit 2008

Die Hoffnungen auf eine Einigung trieben den Ölpreis in die Höhe. Die führende Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um acht Prozent auf rund 50 Dollar je Fass.Falih sagte, die Verhandlungen konzentrierten sich darauf, die Förderung auf 32,5 Millionen Fass von aktuell 33,64 Millionen zu senken. Es wäre die erste Drosselung seit 2008.

Bei einem Treffen in Algerien hatten sich die oft zerstrittenen 14 Opec-Länder im September vorläufig darauf verständigt. In der österreichischen Hauptstadt soll die Vereinbarung nun festgezurrt werden. In Opec-Kreisen hieß es, dass sogar über eine noch größere Kürzung gesprochen werde. Die Opec hoffe zudem, dass sich Ölländer außerhalb ihres Kreises wie Russland an der Förderbremse beteiligen und die Produktion um insgesamt 600.000 Barrel reduzieren, fügte Falih hinzu.

Der Minister versuchte allerdings zugleich, die Erwartungen zu dämpfen. Wegen anziehender Nachfrage sei womöglich keine Kürzung nötig. Der Ölmarkt könne sich auch von alleine langsam erholen.

Ölpreise seit 2014 um 50 Prozent gesunken

Der Ölpreis hat sich seit Mitte 2014 in etwa halbiert - in erster Linie wegen des riesigen Überangebots bei schwacher Nachfrage im Zuge der mauen Weltkonjunktur. Unklar blieb aber zunächst, ob die angepeilte Vereinbarung tatsächlich eine konkrete Produktionsdrosselung umfasst.

Die großen Ölexporteure ringen seit Monaten um eine Begrenzung der Fördermengen, um der Rohöl-Schwemme Herr zu werden und den Preis zu stabilisieren. Der Preisverfall hat in vielen Ölländern tiefe Spuren in der Wirtschaft und den Staatsfinanzen hinterlassen. Dennoch laufen ihre Pumpen auf Hochtouren. Unterschiedliche Interessen haben bislang eine Einigung immer wieder verhindert. Wegen der Unstimmigkeiten innerhalb des Ölkartells galt eine Übereinkunft auch bei diesem Opec-Treffen im Vorfeld zunächst als wenig wahrscheinlich.

Saudi-Arabien deutet Engegenkommen an

Vor allem der Iran und der Irak stemmten sich gegen den Druck Saudi-Arabiens, sich in vollem Umfang an einer Förderkürzung zu beteiligen. Iran will Marktanteile zurückgewinnen, nachdem jahrelange Sanktionen gegen das Land im Zuge des Atomstreits aufgehoben wurden.

Der Irak macht geltend, die Einnahmen aus dem Ölgeschäft seien nötig, um den Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS zu finanzieren. Der saudiarabische Minister deutete nun Bereitschaft an, zumindest dem Iran entgegenzukommen. Es sei akzeptabel, wenn das Land seine Produktion auf Vorsanktionsniveau einfriere. Beide Länder ringen um die Vorherrschaft am Golf und in der muslimischen Welt.

Das Ölkartell stehe kurz vor einer Vereinbarung in der Frage der künftigen Fördermenge, sagte der iranische Ölminister Bijan Namdar Zangeneh am Mittwoch nach einem gemeinsamen Frühstück mit anderen Energieministern der Opec. Geeinigt habe man sich auf eine sechsmonatige Förderkürzung, ließ der irakische Ölminister vor Beginn des Treffens verlauten. Bestätigt wurde dies jedoch noch nicht.

Offenbar habe es bei dem Vorbereitungstreffen Fortschritte bei den Positionen der Opec-Länder Iran und Irak gegeben, hieß es weiter aus Kreisen der Delegierten. Beide Förderländer hatten sich zuletzt mehrfach kritisch in der Frage einer Kürzung der Fördermenge geäußert. Außerdem zeigte sich auch Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate und von Nigeria optimistisch mit Blick auf eine Einigung der Opec.

Der Stoxx 600 Oil & Gas setzte sich am Vormittag mit plus 2,6 Prozent an die Spitze der europäischen Branchenübersicht. Angeführt wurde er von den Papieren von Tullow Oil mit ihrem Kurssprung von 5,3 Prozent. Auch die Papiere von Repsol , Shell und BP legten deutlich stärker zu als der Gesamtmarkt. Die Aktien von BASF Börsen-Chart zeigen legten um mehr als 2 Prozent zu.

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