Griechenland Polizei räumt Flüchtlingslager in Idomeni

Das Gelände ist abgesperrt, Hunderte Polizisten sind Medienberichten zufolge im Einsatz: Die Behörden in Griechenland haben angefangen, das Flüchtlingscamp in Idomeni zu evakuieren.
Von mm-newsdesk
Ankunft im Morgengrauen: Die griechische Polizei hat mit der Räumung des Flüchtlingscamps begonnen

Ankunft im Morgengrauen: Die griechische Polizei hat mit der Räumung des Flüchtlingscamps begonnen

Foto: Boris Grdanoski/ AP

Die griechische Polizei hat damit begonnen, das provisorische Flüchtlingslager Idomeni an der mazedonischen Grenze zu räumen. In dem Camp sind Tausende Flüchtlinge gestrandet und hoffen seit Monaten vergeblich darauf, doch über die gut geschützte Grenze nach Westeuropa durchgelassen zu werden. Mehrere Busse mit Flüchtlingen verließen das Lager am frühen Dienstagmorgen. Allerdings versuchten auch Flüchtlinge, sich in umliegenden Feldern zu verstecken und dem Zugriff der Polizei zu entziehen.

Journalisten mussten das Lager verlassen. Ein Reuters-Augenzeuge auf mazedonischer Seite berichtete von einen enormen Polizeiaufgebot. Alles verlaufe jedoch ruhig. Familien, auch mit kleinen Kindern, füllten ihre Habseligkeiten in große Taschen.

Nach Angaben der Behörden sollen die unter widrigen Umständen in Zelten ausharrenden Menschen allmählich in die bessere, weiter südlich gelegene staatliche Flüchtlingseinrichtungen umgesiedelt werden. "Die Evakuierung läuft ohne Probleme", sagte der Regierungssprecher für Flüchtlingsfragen, Giorgos Kyritsis. Das Camp könnte bis Ende der Woche geräumt sein, sagte der Sprecher.

Bis zum Vormittag lief die Räumung des Camps Medienberichten zufolge ruhig ab. Das griechische Staatsfernsehen (ERT) zeigte erste Videoaufnahmen aus dem Lager. Migranten und Flüchtlinge sammelten ihr Hab und Gut und stiegen in Busse ein, um in organisierte Auffanglager gefahren zu werden. Dieses Bild ergab sich auch aus Fernsehaufnahmen, die von der mazedonischen Seite der Grenze aus gedreht wurden.

Die ersten Busse haben bereits Idomeni verlassen. Reporter zählten neun Busse. In den vergangenen Monaten hatte die griechische Regierung eine Räumung des Camps durch die Polizei abgelehnt. Zu groß waren die Befürchtungen, Flüchtlinge oder Beamte könnten dabei verletzt werden.

Die Entscheidung für die Räumung durch die Polizei war am späten Sonntagabend gefallen. Der Druck durch Medien und Opposition war in den vergangenen Wochen gewachsen, zudem war es vor knapp einer Woche zu heftigen gewalttätigen Zwischenfällen im Camp gekommen.

Das Flüchtlingscamp in Idomeni war nach der stufenweise Schließung der Balkanroute im Februar und dem Bau eines Zauns seitens Mazedoniens entstanden. Bis zu 15.000 Menschen harrten im März in der Region aus.

Medien berichteten von Drogenhandel und Prostitution in dem, wie sie es nannten, "Ghetto" von Idomeni. Zudem sperren radikalisierte Migranten die wichtige Eisenbahnverbindung Griechenlands nach Norden. Mehr als 300 Güterwaggons sind auf beiden Seiten der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien steckengeblieben. Die Importeure und Exporteure beklagen Verluste in Millionenhöhe.

Nach der Ankündigung der Räumungsaktion hatten bereits Dutzende Migranten Idomeni verlassen: Einige versteckten sich offenbar in den Feldern der Region, andere fuhren freiwillig in neue Lager.