Lutz Reiche

Rücktritt des griechischen Finanzministers Game over, Mr. Varoufakis

Griechenlands Ex-Finanzminister Giannis Varoufakis hat Vertrauen zerstört und ein politisches Trümmerfeld hinterlassen. Jetzt mag der Spieltheoretiker nicht mehr weiterspielen.
Finanzminister Wolfgang Schäuble wird seinen griechischen Amtskollegen Varoufakis wohl in Zukunft am wenigsten vermissen

Finanzminister Wolfgang Schäuble wird seinen griechischen Amtskollegen Varoufakis wohl in Zukunft am wenigsten vermissen

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS
Fotostrecke

Yanis Varoufakis: Der Rocker tritt ab

Foto: ANDREAS SOLARO/ AFP

Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis hatte seine Verhandlungspartner zuletzt in die Nähe von Terroristen gerückt. Auch sonst fiel der passionierte Motorradfahrer und Spieltheorie-Anhänger in jüngster Vergangenheit eher durch lautstarke Sprüche auf. Der CNBC etwa sagte Varoufakis gestern noch, lehnten die Griechen die Reformvorschläge der Geldgeber ab, brauche er lediglich 24 Stunden für einen neuen Deal.

Nun tritt Giannis Varoufakis überraschend zurück und stößt damit vor allem den Wählern vor den Kopf, die ihm am Sonntag mit ihrem "Nein" noch das Vertrauen und auch das Mandat für weitere, harte Verhandlungen mit den Geldgebern ausgesprochen hatten.

Doch der Edel-Kommunist mit schicker Wohnung über den Dächern von Athen, der den Medien eitel Einblick in sein Upperclass-Leben gewährte, ist klug genug zu wissen, dass er viel verbrannte Erde hinterlassen hat. So viel, dass er als Verhandlungspartner schlicht nicht mehr akzeptabel ist und künftig der griechischen Sache mit seiner provozierenden Art mehr schaden als nützen würde. Insofern erweist Varoufakis mit dem Rücktritt seinem Land den ersten echten Dienst.

Es liegt dabei auf der Hand, dass sein Weggefährte, Ministerpräsident Alexis Tsipras, die Entscheidung des Rockstar-Ökonoms befördert hat. Als Gründungsmitglied und Gallionsfigur der "Koalition der Radikalen Linken" hat er politisch mehr zu verlieren als der Quereinsteiger und Freitzeitpolitiker Varoufakis. Tsipras muss nach dem Referendumserfolg jetzt schnell irgendetwas Zählbares liefern, sonst ist er politisch tot. Auf seiner "mission impossible" hätte ihn ein für die Verhandlungspartner inakzeptabler Finanzminister da nur behindert.

Wenn man Varoufakis (54) in seiner kurzen politischen Laufbahn vielleicht irgendein Verdienst zuschreiben möchte, dann ist es dieses, dass er mit seiner radikalisierenden und spaltenden Art die durchaus zu kritisierende Politik der Euro-Gruppen-Länder in Frage gestellt hat wie zuvor kein anderer.

An einer stabileren und besseren Währungsunion mit verlässlicheren und klareren Regeln für alle aber will Varoufakis nicht mitarbeiten. Trotzig streift er sich lieber das Märtyrerhemd über, verlässt das Spielfeld und kündigt an, "die Abscheu der Gläubiger mit Stolz tragen" zu wollen. Das kann man bestenfalls pubertär nennen, manche würden dazu feige sagen.

Giannis Varoufakis: Der Rocker tritt ab

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.