Freitag, 13. Dezember 2019

mm-Grafik Warum Spanien eine höhere Last der Euro-Rettung trägt

Deutschland ist wieder mal der Musterschüler. 19,4 Milliarden Euro Überschuss hat der Staat im vergangenen Jahr verbucht, oder 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Nach den Regeln von Maastricht-Vertrag und Stabilitätspakt ist das der beste Wert unter den 19 Mitgliedern der Euro-Zone: je höher Defizit und Schulden, desto schlechter. An diesen Regeln gibt es zwar reichlich Kritik, doch die am Dienstag von Eurostat vorgelegten und von Statista illustrierten Zahlen dienen dem Zweck, den Staaten ein Zeugnis auszustellen: Maastricht-Regeln eingehalten oder nicht?

Mit dem angehäuften Schuldenstand von immer noch 74,7 Prozent des BIP ist übrigens auch Deutschland durchgefallen. Zum Glück sind die Maastricht-Kriterien keine starren Obergrenzen, sonst müssten die Kleinstaaten Estland, Lettland, Litauen, Luxemburg und die Slowakei die Währungsunion allein führen.

Die Grafik von Statista zeigt aus Sicht der Finanzminister etwas moralische Rechtfertigung. Eurostat merkt extra an, wie viel der Staatsschulden auf "zwischenstaatliche Kredite im Rahmen der Finanzkrise" zurückzuführen ist, jedenfalls auf Seite der Kreditgeber. Wer viel Geld für die Euro-Rettung verliehen hat, bekommt dafür zwar kein günstigeres Maastricht-Zeugnis, kann zur Entschuldigung aber darauf verweisen.

Am unteren Ende der Tabelle folgt das Ranking der Reihenfolge der Hilfsbedürftigkeit. Griechenland hat null zu diesen Krediten beigetragen, weil es selbst der erste Empfänger von Hilfskrediten war. Irland musste zu Anfang noch Geld zum Griechenland-Paket beisteuern, bis es selbst Kredit vom Fonds EFSF brauchte; Portugal für Griechenland und Irland …

Interessant wird es an der Spitze: Die größte Last trägt nicht Deutschland mit 2,4 Prozent vom BIP, sondern Länder, die selbst Finanzhilfe benötigten wie Spanien oder knapp daran vorbeikamen wie Italien und Slowenien. Deutlich günstiger wurde es für das reiche Luxemburg.

Eigentlich sollte die Last gleichmäßig entsprechend der Leistungsfähigkeit verteilt werden. Doch die Beiträge richten sich nach den Kapitalanteilen an EFSF und dessen Nachfolger ESM, die wiederum dem Kapitalschlüssel der Europäischen Zentralbank folgen. Weil Länder wie Spanien in der Krise gegenüber diesen früher festgelegten Anteilen an Wirtschaftskraft eingebüßt haben, fällt die tatsächliche Last der Kredite für sie nun höher aus.


© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung