Dienstag, 25. Juni 2019

Scheitern der Gespräche "Griechen führen sich auf wie Halbstarke"

Tsipras (rechts), Varoufakis: Die beiden Politiker inszenieren sich als bad Boys - und erwarten eine Belohnung, sobald sie sich minimal bewegen

Nach dem Scheitern der Gespräche zwischen Hellas und den Europartnern hat Unions-Bundestagsfraktionsvize Hans-Peter Friedrich die Regierung in Athen scharf kritisiert. Tsipras und Varoufakis hätten keinen Plan, führten sich aber auf wie Halbstarke. Was steckt hinter dem Spiel der Griechen - Planlosigkeit oder eine kühle Strategie?

Brüssel / Berlin - "Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Griechen eigentlich keinen Plan haben", sagte der CSU-Politiker am Donnerstag im Deutschlandfunk. Stattdessen führten sie sich wie Halbstarke auf. Finanzminister Gianis Varoufakis müsse beim nächsten Treffen der Eurogruppe am Montag konkrete Vorschläge auf den Tisch legen: "Sie müssen langsam begreifen, dass sie Verantwortung für diesen Staat haben."

Nach mehr als sechsstündigen Beratungen waren die Finanzminister der Eurozone am Donnerstagmorgen ohne Einigung auseinandergegangen. Stundenlang war an einer Erklärung gefeilt worden, dann zog der Athener Ressortchef Varoufakis seine Zustimmung zurück - und zwar kurz nach der Abreise von Wolfgang Schäuble. Das Scheitern ist kein gutes Omen für den EU-Gipfel.

Das Spiel der Griechen - Planlosigkeit oder Strategie?

Varoufakis ist Autor mehrerer Bücher über Spieltheorie. Insofern sind verschiedene Varianten für das Verhalten der neuen griechischen Regierung denkbar.

1) Die griechische Regierung hat tatsächlich keinen Plan und kann die Folgen ihres Handelns nicht abschätzen, wie Friedrich bereits vermutet. Die Folge wäre ein "Grexit by accident": Tsipras und Varoufakis stolpern in heilloser Selbstüberschätzung weiter Richtung Euro-Austritt und sorgen am Ende tatsächlich dafür, dass die Griechen die Euro-Zone verlassen - nicht weil sie es selbst wollten, sondern weil die EU-Partner die Geduld verlieren.

2) Varoufakis verfolgt möglicherweise tatsächlich eine Strategie - die des permanenten Brüskierens seiner Verhandlungspartner. Da Griechenland selbst keine echten Trümpfe in der Hand hat und vergleichsweise nackt dasteht, versucht er durch provokantes Verhalten zu überraschen und seine Verhandlungspartner auf diese Weise zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen. Das Kalkül könnte so aussehen: Derzeit sorgt Hellas immer wieder für tiefe Frustration seiner Verhandlungspartner - weil es die Regeln des politischen Handelns ignoriert. Sobald Griechenland sich aber minimal bewegt oder zumindest den Anschein dazu erweckt, erwartet Varoufakis eine "Belohnung" der EU-Partner.

Dass dieses Spiel auch gründlich schief gehen kann, dürfte Varoufakis bekannt sein. Doch auch mancher Pokerspieler, der nichts auf der Hand hat, erhöht kräftig den Einsatz.

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la/mmo

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