Erstmals seit 1,5 Jahren Inflationsrate in der Türkei gesunken

Seit Mai 2021 ist die Inflation in der Türkei Monat für Monat kontinuierlich auf immer neue Rekordwerte angestiegen. Nun sinkt sie erstmals wieder – auf 84,4 Prozent. Unabhängige Experten zweifeln an den offiziellen Zahlen.
Preisstabilität? Recep Tayyip Erdoğan legt sein Augenmerk vor allem auf Wachstum und Beschäftigung

Preisstabilität? Recep Tayyip Erdoğan legt sein Augenmerk vor allem auf Wachstum und Beschäftigung

Foto: ADEM ALTAN / AFP

Die Inflation in der Türkei hat sich im November nach offiziellen Angaben erstmals seit anderthalb Jahren wieder leicht abgeschwächt. Die Teuerung liegt nun bei 84,4 Prozent im Jahresvergleich – nach 85,5 Prozent im Oktober, wie die staatliche Statistikbehörde Tuik am Montag bekannt gegeben hat. Seit Mai 2021 ist die Inflation in der Türkei Monat für Monat kontinuierlich auf immer neue Rekordwerte angestiegen.

Unabhängige Experten gehen indes von ganz anderen Zahlen aus – obwohl auch sie eine Abschwächung sehen. Demnach könnte die Inflation im November sogar 170,7 Prozent im Jahresvergleich betragen haben, nach 185,3 Prozent im Oktober.

Schwache Währung treibt Inflation voran

Angetrieben wird die Preissteigerung durch die schwache Währung Lira. Wie in Deutschland werden auch in der Türkei vor allem Energieprodukte und Lebensmittel immer teurer.

Staatschef Recep Tayyip Erdoğan (68), der kommendes Jahr wiedergewählt werden möchte, legt sein Augenmerk vor allem auf Wachstum und Beschäftigung, statt auf Preisstabilität. Er geht davon aus, dass die Türkei das Problem der Inflation im kommenden Jahr "überwunden" haben wird. Die Zentralbank geht von gut 22 Prozent Inflation im kommenden Jahr aus.

Erdoğan ist zudem grundsätzlich ein Gegner hoher Zinsen, die die Inflation nach gängiger Meinung von Ökonomen abkühlen könnten.

mje/ AFP/ dpa
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