US-Vorhaben "Build Back Better" Welche deutschen Firmen vom Biden-Plan profitieren

Das zweite billionenschwere Aufschwungprogramm von US-Präsident Joe Biden fokussiert zwar auf die Infrastruktur. Deutsche Firmen dürfen dennoch auf gute Geschäfte hoffen - und eine ganz besonders.
"Eine Investition für Amerika, die nur einmal pro Generation vorkommt": So beschreibt US-Präsident Joe Biden sein Infrastrukturprogramm "Build Back Better"

"Eine Investition für Amerika, die nur einmal pro Generation vorkommt": So beschreibt US-Präsident Joe Biden sein Infrastrukturprogramm "Build Back Better"

Foto: Evan Vucci / dpa

Mit dem geplanten billionenschweren Infrastrukturprogramm in den USA kann auch die deutsche Wirtschaft auf Aufträge hoffen. Für Außenhandelspräsident Anton Börner ist das Mega-Vorhaben eine gute Nachricht: "Waren und Dienstleistungen 'Made in Germany' genießen in den USA nach wie vor ein hohes Ansehen", sagt der Chef des Lobbyverbands BGA der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Impulse, die von diesem enormen Konjunkturpaket ausgehen, werden in Deutschland mit Sicherheit spürbar sein."

Biden, soviel ist klar, will bei seinem Programm klotzen statt kleckern: Er wolle "die stärkste, widerstandsfähigste und innovativste Volkswirtschaft der Welt schaffen", erklärte er nun zu seinem Infrastrukturprogramm. "Es ist kein Plan, der Kleinigkeiten ändern soll", betonte Biden am Mittwochnachmittag (Ortszeit) in Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania. "Es ist eine Investition für Amerika, die nur einmal pro Generation vorkommt - ungleich allem, was wir seit dem Bau des Systems der Autobahnen und dem Wettrennen um den Weltraum vor Jahrzehnten erlebt haben." Der Kongress müsse das Paket beschließen, forderte er. "Wir müssen das schaffen."

Wird Bidens Plan "Build Back Better" vom US-Kongress beschlossen, dürften davon Bereiche wie der Automobil- und Maschinenbausektor profitieren, erwartet Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank: "Dabei vor allem Hersteller mit einer lokalen Produktion."

Doch damit nicht genug. Börner zählt darüber hinaus noch jede Menge weiterer Branchen auf, für die sich in den USA "große Chancen" auftun: etwa im Telekommunikations-Bereich und auch auf den Feldern intelligente Stromnetze, alternative Energiegewinnung und -speicherung: "Aber eben auch in weiteren Bereichen wie Automatisierung, Wasserstoffanwendungen, alternative Antriebe, neue Werkstoffe, Leichtbau und Lasertechnik", fügt der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) hinzu.

Deutsche Telekom mit guten Chancen

Die Pläne von US-Präsident Joe Biden (78) haben gewaltige Ausmaße, wie manager magazin vor Kurzem im Detail beschrieben hat: Er will als Teil eines Umbaus der heimischen Wirtschaft zunächst 2,3 Billionen Dollar in die Hand nehmen: Allein 650 Milliarden Dollar sind für Straßen, Schiene und Verkehr vorgesehen. Weitere 650 Milliarden sollen in die Wohninfrastruktur gepumpt werden - unter anderem in das Stromnetz.

Und darüber hinaus auch in den Breitbandausbau: "Da könnte die Deutsche Telekom vielleicht zum Zuge kommen. Sie hat da ja eine starke Marktstellung", meint LBBW-Experte Dirk Chlench. Diese Hoffnung dürfte auch bei der jüngsten Ankündigung von Telekom-Chef Timotheus Höttges (58) mitspielen, die Dividende seines Unternehmen in absehbarer Zeit zu erhöhen. Insgesamt würden die direkten Auswirkungen des Programms für die deutsche Industrie aber "überschaubar" sein.

Die LBBW erwartet für die US-Wirtschaft 2021 ein starkes Wachstum von etwa 7,5 Prozent und für das nächste Jahr ein Plus von rund 4,5 Prozent. Das werde auch den Dollar stärken und den Kurs bis Mitte 2022 auf 1,15 Euro treiben. "Das gibt der deutschen Wirtschaft noch einmal einen Wettbewerbsvorteil", so Bank-Analyst Chlench.

"Auch eine ganze Menge "America First"

Ökonom Bernd Weidensteiner von der Commerzbank verweist darauf, dass das Infrastrukturprogramm anders als die billionenschweren Konjunkturspritzen Bidens gegen die Coronakrise eher mittel- bis langfristig wirken werde: "Erfahrungsgemäß haben staatliche Projekte einen enormen Vorlauf - gerade solche in der Energieinfrastruktur." Hürden wie die administrative Vorbereitung und rechtliche Umsetzung sorgten für Verzögerungen: Bis Geld fließt, kann es noch dauern." Im Energiesektor hätten deutsche Unternehmen allerdings eine starke Marktstellung. Damit werde das Billionenprogramm sicherlich eine "gewisse positive Wirkung" für diese Firmen haben, wenn auch nicht bereits in den nächsten Quartalen.

Das Vorhaben habe allerdings auch gewisse Schattenseiten für den Wirtschaftsstandort Deutschland, gibt VP-Experte Gitzel zu bedenken. Denn der Plan umfasse auch "eine ganze Menge America First". So sollen sämtliche Anreize zum Kauf eines Elektrofahrzeugs oder eines Plug-in-Hybrids nur für in den USA hergestellte Fahrzeuge gelten. "Das heißt also konkret: Je mehr ein Automobilhersteller lokal in den USA produziert, desto besser für die betreffende Marke", erklärt Gitzel. Gerade die deutschen Premiumhersteller könnten also davon nur profitieren, solange die Plug-in-Hybride in den USA hergestellt würden: "Dies könnte aber andererseits zu weiteren Produktionsverlagerungen in die USA führen."

wed/Reuters/dpa-afx