Deutschland profitiert Weltwirtschaft zieht wieder an - trotz Corona

Trotz der Corona-Pandemie erwartet die OECD ein kräftiges Wachstum der Weltwirtschaft. Deutschlands Wirtschaft dürfte 2022 mehr als 4 Prozent wachsen. Die größten Risikofaktoren sind laut OECD der ungleiche Impffortschritt und die steigende Inflation.
Hamburger Hafen: Die Exportnation Deutschland dürfte 2022 von der weltweiten Erholung profitieren

Hamburger Hafen: Die Exportnation Deutschland dürfte 2022 von der weltweiten Erholung profitieren

Foto: Axel Heimken/ picture alliance/dpa

Der ungleiche Impffortschritt gegen das Coronavirus führt nach Einschätzung der Industriestaaten-Organisation OECD zu einem unausgewogenen Wirtschaftsaufschwung. Zwar befinde sich die Weltwirtschaft weiter im Aufschwung, die Erholungsdynamik aber lasse nach und werde zunehmend unausgewogen, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch mit. Durch neue Virusvarianten bleibe die Unsicherheit hoch.

Die meisten Industrieländer näherten sich inzwischen dem vor der Pandemie erwarteten Wachstumspfad. Länder mit niedrigen Impfquoten drohten jedoch zurückzufallen, warnen die Experten der OECD. In diesem Jahr rechnet die OECD mit einem Wachstum der Weltwirtschaft um 5,6 Prozent und im kommenden Jahr um 4,5 Prozent. 2023 wird eine leichte Verlangsamung auf 3,2 Prozent erwartet, was etwa dem Wachstumstempo vor der Pandemie entspricht.

Deutschland mit mehr als 4 Prozent Wachstum im Jahr 2022

Für Deutschland erwartet die OECD ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 2,9 Prozent 2021, um 4,1 Prozent 2022 und um 2,4 Prozent 2023. Angesichts des hohen Auftragsbestands wird in Deutschland mit einer kräftigen Belebung gerechnet, wenn die Angebotsknappheit abnimmt. Der private Verbrauch dürfte sich 2022 beschleunigen, wenn sich das Konsumklima aufhellt.

Jedoch: Die kräftige Wirtschaftsbelebung der letzten Monate verlangsamt sich. "Lieferengpässe, eine steigende Inflation und die anhaltenden Auswirkungen der Pandemie verdunkeln den Horizont", sagte OECD-Generalsekretär Mathias Cormann mit Blick auf die weltweite Lage. "Die Unsicherheit und die Risiken sind groß - wie das Aufkommen der Omikron-Variante zeigt - und sie verschärfen die Ungleichgewichte und bedrohen den Aufschwung." Damit der Aufschwung kräftig und auf Kurs bleibe, müsse vor allem die Gesundheitskrise bewältigt werden.

Steigende Inflation sorgt für beträchtliche Risiken

Neben dem Kostendruck durch Lieferengpässe im verarbeitenden Gewerbe und Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln trieben Ungleichgewichte am Energiemarkt die Inflation in allen Volkswirtschaften im Moment in die Höhe, hieß es im OECD-Wirtschaftsausblick. Da die Lagerbestände niedriger seien als um die Jahreszeit üblich, seien die Risiken beträchtlich. Der Inflationsdruck erweist sich als stärker und dauerhafter als noch vor wenigen Monaten erwartet. Auch die US-Notenbank hatte in dieser Woche darauf hingewiesen, dass die Teuerung sich als dauerhafter erweisen könnte als zunächst vermutet. Daher sei es wichtig, dass die Notenbanken mit ihrer Geldpolitik zeitnah gegensteuern.

Insgesamt gehen Ökonomen jedoch noch davon aus, dass die Inflation der Verbraucherpreise im OECD-Raum ab Anfang 2022 allmählich nachlässt. Voraussetzung ist jedoch, dass Angebotsengpässe abnehmen, die Produktionskapazitäten steigen, mehr Menschen an den Arbeitsmarkt zurückkehren und sich die Nachfrage im kommenden Jahr stabilisiert.

Vieles, was die Inflation zuletzt in die Höhe trieb, seien vorübergehende Effekte, heißt es bei der Europäischen Zentralbank. Etwa steigende Energiepreise und Lieferengpässe infolge der Konjunkturerholung nach der Corona-Krise 2020. "Die Inflation ist derzeit unerwartet hoch, aber wir glauben, dass sie im nächsten Jahr zurückgehen wird", sagte etwa der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Philip Lane.

Das Aufkommen der Omikron-Variante verdeutliche zudem das Risiko einer sich verschlechternden Corona-Lage, die weitere Beschränkungen nach sich zieht und so den Aufschwung gefährdet. Die OECD betonte, dass es höchste Priorität haben müsse, den Zugang zu Impfstoffen in Ländern mit geringen Einkommen zu verbessern.

la/dpa
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