Weltklimakonferenz Zwei Dutzend Länder fordern Ende des Verbrenners - Deutschland nicht

24 Länder, mehrere Autohersteller und andere Konzerne sowie verschiedene Weltmetropolen und Investoren fordern auf der Weltklimakonferenz in Glasgow ein Ende des Verbrennermotors bis spätestens 2040. Deutschland zieht nicht mit.
Klimaaktivistin bei der UN-Konferenz in Glasgow: Die Autoindustrie soll ihren Teil zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen

Klimaaktivistin bei der UN-Konferenz in Glasgow: Die Autoindustrie soll ihren Teil zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen

Foto: Christoph Soeder / dpa

Deutschland beteiligt sich zunächst nicht an einer Allianz von zwei Dutzend Staaten, verschiedenen Autobauern sowie Investoren und anderen Playern, die ein Enddatum für den Verkauf von Benzin- und Dieselautos festsetzen wollen. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte am Mittwoch auf der Weltklimakonferenz in Glasgow, Deutschland werde die Erklärung zu Null-Emissions-Autos "heute nicht unterzeichnen". Das sei das Ergebnis der regierungsinternen Prüfung.

In der Erklärung, die im Rahmen der Weltklimakonferenz am Mittwoch veröffentlicht wurde , heißt es, die unterzeichnenden Parteien wollten "darauf hinarbeiten, dass alle Verkäufe von neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen bis zum Jahr 2040 weltweit und in den führenden Märkten bis spätestens 2035 emissionsfrei sind". Die Autokonzerne sollen demnach anstreben, spätestens 2035 in führenden Märkten nur noch emissionsfreie Autos und Vans zu verkaufen.

Dass Deutschland das Dokument vorerst nicht unterzeichnen will, liegt vor allem an einem Dissens innerhalb der Bundesregierung über den möglichen Einsatz von e-Fuels, künstlichen Treibstoffen also, die mit erneuerbaren Energien gewonnen werden und sauberer als herkömmliches Benzin oder Diesel sein sollen, in Verbrennermotoren. Die Unterzeichner des Glasgow-Dokuments lehnen solche e-Fuels ab. Damit befinden sie sich auf einer Linie mit dem hiesigen Umweltministerium, das sich ebenfalls gegen e-Fuels ausspricht. Im Berliner Verkehrsministerium dagegen ist man anderer Meinung. Dort werden e-Fuels als Teil einer Lösung der Emissionsprobleme der Autoindustrie befürwortet.

Der Sprecher des Umweltministeriums sagte dazu, es bestehe innerhalb der Bundesregierung zwar Konsens, dass bis 2035 nur noch Null-Emissionsfahrzeuge zugelassen werden sollen. "Allerdings besteht nach wie vor keine Einigkeit zu einem Randaspekt der Erklärung, nämlich der Frage, ob aus erneuerbaren Energien gewonnene e-Fuels in Verbrennungsmotoren Teil der Lösung sein können." Das Umweltministerium halte e-Fuels in Pkw mit Blick auf Verfügbarkeit und Effizienz "genau wie die Unterzeichnerstaaten nicht für zielführend".

Anders sieht es der noch geschäftsführende Verkehrsminister Andreas Scheuer (47, CSU), der Widerstand gegen die Unterzeichnung des Papiers durch Deutschland leistet. Er hatte dem Vorstoß schon zuvor eine Absage erteilt. Die Erklärung berücksichtige den Antrieb mit synthetischen Kraftstoffen nicht, rügte er. Deshalb sei sein Ministerium dagegen.

Damit begibt sich Deutschland allerdings keineswegs in eine Außenseiterrolle. Ein Blick in die Erklärung  zeigt, dass auch andere Länder mit besonders starker Autoindustrie wie etwa die USA, Japan, Südkorea oder China bislang nicht unterzeichnet haben. Von den führenden Wirtschaftsnationen befinden sich derzeit lediglich Großbritannien und Kanada unter den insgesamt 24 Ländern, die das Papier signiert haben.

Zu den an der Initiative beteiligten Autounternehmen gehören neben Mercedes-Benz auch die US-Konzerne Ford und General Motors, BYD aus China sowie die Oberklasse-Hersteller Jaguar und Volvo. Daneben haben namhafte Weltmetropolen wie Atlanta, Barcelona, Buenos Aires, Los Angeles, New York City oder Rom das Dokument unterzeichnet. Gleiches gilt für einige Konzerne, die größere Fahrzeugflotten betreiben, wie der deutsche Versorger Eon, der Industrieriese Siemens und der Konsumgüterkonzern Unilever.

BMW-Chef Zipse lehnt Festlegung ab

BMW-Chef Oliver Zipse (57) hat indes vor der Festlegung eines Datums für das Ende von Benzin- und Dieselfahrzeugen gewarnt. "Wir glauben, das ist schädlich fürs Klima", sagte Zipse am Mittwoch bei einer Veranstaltung. Nicht einmal in Deutschland und Europa gebe es genug Ladesäulen für Elektroautos, und es gebe auch nicht genug Ökostrom. Bei einem Zulassungsverbot für neue Verbrenner würden alte Autos noch länger gefahren. "Hier sind die Dinge nicht zu Ende gedacht", sagte Zipse.

"Wir haben das nicht unterschrieben und werden das auch nicht tun", so Zipse mit Blick auf die Erklärung von Staaten und Unternehmen auf der Weltklimakonferenz. Unter den heutigen Randbedingungen sei das für das Klima sogar schädlich. BMW wolle 2050 klimaneutral sein.

cr/dpa-afx
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