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Vorsicht geboten

Höchste Risikostufe bei jungen Biotech-Aktien. Anlageberater Hendrik Leber empfiehlt Fonds.
Von Hendrik Leber
aus manager magazin 2/2001

Die schwedisch-amerikanische Biotech-Firma Maxim Pharmaceuticals glaubte, eine Goldader gefunden zu haben: einen Wirkstoff zur Behandlung von fortgeschrittenem Hautkrebs. Anfang 2000 explodierte der Kurs der Aktie innerhalb weniger Wochen um über 700 Prozent.

Mitte Dezember machte die US-Arzneimittelbehörde FDA die Rechnung der Anleger auf einen Schlag zunichte. Die Behörde lehnte die Zulassung des Präparats ab. Bis Anfang Januar verlor die Aktie über 90 Prozent ihres Werts.

Aufstieg und Fall von Maxim Pharmaceuticals zeigt, auf welch unsicherer Basis viele der kleinen Biotech-Firmen stehen, deren Existenz am Erfolg weniger Präparate hängt. Privatanlegern sollte klar sein: Biotech-Werte sind hoch riskante Investments.

Übermütige Anleger: Die Kursgewinne des Biotech-Sektors am Neuen Markt fordern den Leichtsinn vieler Anleger geradezu heraus. Mit Qiagen, Evotec und BB Biotech gehörten drei Biotechnologie-Werte im Jahr 2000 zu den zehn besten Aktien des Nemax 50. Am gesamten Neuen Markt brachten Morphosys (plus 358 Prozent) und Rhein Biotech (357 Prozent) den höchsten Wertzuwachs.

Dennoch: Es ist für den Privatanleger nahezu unmöglich, die Chancen einer neuen Biotech-Substanz abzuschätzen. Selbst Börsenprofis tun sich mit den Gesetzen der Branche schwer. Von der flotten Meldung über bahnbrechende Entwicklungen ("Wirkstoff gegen Krebs") bis zum Markterfolg ist der Weg länger als in fast allen anderen Branchen. Zwischen erfolgreichem Tierversuch und Marktzulassung finden 95 Prozent aller Substanzen ein vorzeitiges Ende.

Komplexer Markt: Es führt kein Weg daran vorbei - die Anleger müssen die Technologie, die Wettbewerbsposition und die Kompetenz des Managements kritisch prüfen.

Das ist leichter gesagt als getan. Die Szene ist unübersichtlich und ständig in Bewegung. Pharma-Konzerne mit hohen Biotech-Umsätzen (Schering) konkurrieren mit Startups, die sich ausschließlich mit Biotech befassen.

Neben den Produktentwicklern gibt es Diagnosespezialisten, Genforschungsunternehmen, Bioinformatiklieferanten. Viele Firmen tummeln sich auf verschiedenen Gebieten. Sie entwickeln sowohl Technologieplattformen als auch therapeutische Substanzen.

In diesem kaum zu überblickenden Umfeld ist von Neu-Emissionen generell abzuraten. Besser ist es, die Unternehmen einige Zeit zu beobachten, um die Verlässlichkeit ihrer Prognosen und die Stetigkeit ihrer Entwicklung zu überblicken. Einsteigen sollte man erst, wenn sich der Markt in einer Schwächephase befindet.

Lukratives Investment: Grund- sätzlich sind die langfristigen Perspektiven für Werte rund um die Biotechnologie hervorragend. Experten rechnen mit Wachstumsraten von 20 bis 25 Prozent jährlich. Banken legen deshalb immer mehr Investmentfonds und Zertifikate auf, die in diese Aktien investieren.

Fonds sind eine attraktive und unkomplizierte Alternative zur Einzelaktie. Ein guter Fondsmanager hat die Expertise, um sein Portfolio global zu streuen und das Risiko für den Anleger zu reduzieren.

Wer es sich zutraut, in Einzelwerte zu investieren, der sollte auf das Biotech-Establishment in den USA (Amgen, Genentech, Biogen) vertrauen.

Diese Firmen haben eine robuste Produkt-Pipeline. Sie sind nicht billig, aber billiger als die europäischen Unternehmen, die sich meistens noch in der Entwicklungsphase befinden.

Riskante Wette: Anders als bei den Internet-Werten scheint der Glaube an eine rosige Zukunft der Biotechnologie ungebrochen. Aber wer kann heute schon sagen, welche Gen-Aktie der Auslese in den kommenden Jahren zum Opfer fällt? Wer traut sich zu, die Sieger zu kennen - jene, die in wenigen Jahren ein Medikament produzieren werden, das Gewinne in Milliardenhöhe verspricht?

Für die meisten Anleger ist das eine allzu riskante Spekulation.

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