US-Notenbank Fed beginnt mit Ausstieg aus Corona-Krisenhilfen

Mit massiven Käufen von Wertpapieren stützt die US-Notenbank in der Coronakrise die Wirtschaft. Nun reduziert sie den Umfang des Programms – und reagiert damit auch auf die hohe Inflation. Die Märkte reagieren.
Fed-Chef Jerome Powell

Fed-Chef Jerome Powell

Foto: POOL / REUTERS

Die US-Notenbank leitet angesichts hoher Inflation und soliden Wirtschaftswachstums den Ausstieg aus ihren enormen Hilfsprogrammen zur Bewältigung der Coronakrise ein. Die Federal Reserve (Fed)  kündigte am Mittwoch an, ihre konjunkturstützenden Wertpapierkäufe ab November zu reduzieren: Statt wie derzeit monatlich 120 Milliarden Dollar soll das Volumen künftig 15 Milliarden Dollar geringer sein. Am Leitzins ändert sich aber vorerst nichts. Er liegt in der extrem niedrigen Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent.

Mit dem Anleihe-Kaufprogramm pumpt die Fed zusätzliches Geld in die Finanzmärkte, um die Kreditzinsen niedrig zu halten und die Wirtschaft anzukurbeln. Auf die Reduzierung des Volumens hatte die Fed Anleger bereits vorbereitet. Die Drosselung dürfte in den kommenden Monaten schrittweise in gleicher Größenordnung weitergehen, sodass das Programm im Juni 2022 auslaufen würde. Die Notenbank behält sich jedoch vor, das Tempo je nach wirtschaftlicher Entwicklung anzupassen.

Die Akteure an den US-Aktienmärkten reagierten vor der Pressekonferenz von Notenbankchef Jerome Powell zunächst gelassen auf die geldpolitischen Beschlüsse. Von den Äußerungen Powells erhoffen sich Anleger Hinweise, wie sich die Fed zur anhaltend hohen Inflation positioniert und welche Signale sie zum möglichen Zeitplan und Tempo von Zinsanhebungen sendet. In seinem Statement betonte der Rat der Notenbanker, dass hinter der erhöhten Teuerung in den USA  in erster Linie vorübergehende Faktoren stünden.

Der Dow Jones Industrial drehte im späten US-Handel ins Plus, und auch der Tech-Index Nasdaq 100 schloss mit Gewinnen. Der Dax dürfte am Donnerstag im frühen Handel einen weiteren Anlauf auf ein neues Rekordhoch nehmen.

Die Fed hatte auf die Coronakrise mit einer extremen Lockerung ihrer Geldpolitik reagiert. Inzwischen ist die Notenbank aber unter Druck, diese wieder zu straffen. Die Inflationsrate in den USA legte im September auf 5,4 Prozent zu und erreichte damit wie schon im Juni und Juli das höchste Niveau seit 2008. Die Teuerung liegt damit deutlich über dem Zielwert der Notenbank von zwei Prozent. Angesichts hoher Energiepreise und anhaltender Lieferprobleme im Welthandel wird immer deutlicher, dass die erhöhte Inflation kein relativ rasch vorübergehendes Phänomen ist, wie von der Fed zunächst angenommen.

Unterdessen hat sich die US-Wirtschaft weitgehend von der Krise erholt. In den Sommermonaten verlor das Wachstum zwar wegen Lieferengpässen in der Industrie und steigender Corona-Fallzahlen wieder deutlich an Schwung. Doch kritisch scheint die Lage nicht mehr. So scheint sich etwa der Stellenaufbau in der Privatwirtschaft laut Daten des Arbeitsmarktdienstleisters ADP im Oktober unerwartet beschleunigt zu haben. Fundierte Erkenntnisse wird der breiter gefasste Arbeitsmarktbericht der US-Regierung am Freitag ergeben.

fdi/dpa
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