Ukraine-Newsblog Russisches Gericht verbietet Instagram und Facebook ++ Krieg könnte Chipkrise verschärfen

Ein Gericht in Moskau hat die US-Plattformen Instagram und Facebook in Russland verboten. Infineon-Chef Ploss sorgt sich um den Nachschub des Edelgases Neon, das für die Chipproduktion benötigt wird. Russlands größter Autobauer Avtovaz stoppt die Produktion. Die wichtigsten News.
Im Visier der russischen Justiz: Die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram werden den Mächtigen in Moskau offenbar zu gefährlich - nun sind sie verboten

Im Visier der russischen Justiz: Die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram werden den Mächtigen in Moskau offenbar zu gefährlich - nun sind sie verboten

Foto: IMAGO/Jakub Porzycki / IMAGO/NurPhoto

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Russisches Gericht verbietet Facebook und Instagram

  • Infineon-Chef befürchtet neue Chip-Knappheit

  • Russlands größter Autobauer Avtovaz muss die Produktion stoppen

19.50 Uhr - Russland verstärkt nach Angaben des Pentagon derzeit seine Militäroffensive aus der Luft und zu Wasser, da der Vormarsch der eigenen Truppen durch die "Geschicklichkeit" der ukrainischen Armee aufgehalten werde. Der Kreml versuche "verzweifelt", seine Kampfdynamik zu erhöhen, sagte ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamter am Montag in Washington. Die russischen Truppen stünden "frustriert und verwirrt" von einem ukrainischen Widerstand, der trotz der Unterzahl an Soldaten und der geringeren Bewaffnung den Angriffen standhalte.

Die Streitkräfte unter Befehl von Russlands Präsident Wladimir Putin haben ihre Einsätze laut Angaben des US-Beamten zuletzt verstärkt - allein in den vergangenen 24 Stunden flogen sie demnach mehr als 300 Luftangriffe. Kiew habe ebenfalls mit verstärkten Lufteinsätzen reagiert.

19.40 Uhr - Die Europäische Zentralbank (EZB) geht trotz des Ukraine-Kriegs von Wirtschaftswachstum aus. Der Krieg werde zwar Folgen für das Wachstum im Währungsraum haben, da die Inflation steige und das Vertrauen von Unternehmen und Verbrauchern Schaden nehme, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Montag in Paris. Selbst im "düstersten Szenario" gehe die EZB aber von einer wachsenden Wirtschaft aus. Ein solches Szenario umschrieb Lagarde mit inflationären Zweitrundeneffekten in Form deutlich steigender Löhne, einem Boykott russischer Energie sowie einem lang andauernden und verschärften Krieg.

Unterdessen hat der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Jerome Powell, angesichts der "viel zu hohen" Inflationsrate die Möglichkeit schnellerer Erhöhungen des Leitzinses ins Spiel gebracht.

18.50 Uhr - Russlands größter Flughafen Scheremetjewo bei Moskau schickt nach eigenen Angaben ein Fünftel der Mitarbeiter in den Zwangsurlaub. Sie sollen zwei Drittel ihres Gehaltes erhalten, heißt es in einer Mitteilung. Zudem würden Neueinstellungen ausgesetzt. Wegen der Sanktionen gegen Fluggesellschaften schloss Scheremetjewo am 15. März zwei seiner fünf Terminals und hat eine Start- und Landebahn außer Betrieb genommen.

18.20 Uhr - Der Krieg in der Ukraine wird aus Sicht der Bundesbank die Konjunktur in Deutschland voraussichtlich kräftig bremsen. Die für das zweite Quartal angelegte starke Erholung werde aus heutiger Sicht "deutlich schwächer ausfallen", teilte die Bundesbank in ihrem am Montag veröffentlichten jüngsten Monatsbericht mit. Das Ausmaß der Folgen sei allerdings sehr ungewiss und vom weiteren Fortgang der Ereignisse abhängig. Ab März würden die Auswirkungen der russischen Invasion der Ukraine die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland spürbar belasten.

17.50 Uhr - Die vom russischen Ölkonzern Rosneft geplante Beteiligungsaufstockung an der Raffinerie im brandenburgischen Schwedt ist trotz einer Freigabe durch das Bundeskartellamt in Frage noch nicht unter Dach und Fach. Es sei ein Investitionsprüfverfahren eingeleitet worden, erklärte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters. "Gegenstand einer jeden Investitionsprüfung ist, ob ein Unternehmenserwerb oder eine Unternehmensbeteiligung die öffentliche Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährdet, etwa dadurch, dass es sich um Unternehmen handelt, die kritische Infrastruktur betreiben." Nähere Angaben machte das Ministerium nicht.

17.00 Uhr - Die Spekulationen um einen Zahlungsausfall Russlands gehen in eine neue Runde. Das Land bediente zwar in der vergangenen Woche seine Dollar-Anleihen und zahlte Zinsen im Gesamtvolumen von 117 Millionen Dollar. In den kommenden Wochen werden aber um ein Vielfaches höhere Beträge fällig. Am Montag wurden zunächst Zinsen in Höhe von 66 Millionen Dollar für einen bis 2029 laufenden Bond fällig. Bis zum Monatsende muss Russlands Kuponzahlungen im Gesamtvolumen von 615 Millionen Dollar leisten. Am 4. April folgt dann die Rückzahlung einer ausgelaufenen Anleihe im Volumen von zwei Milliarden Dollar.

Eine Bedienung dieser Verbindlichkeiten in der gleichen Weise wie in der vergangenen Woche sei nicht sicher, warnte Analyst Jonny Goulden von der US-Bank JPMorgan. Einige dieser Zahlungen liefen über den russischen Abwicklungsmechanismus NSD. Bei anderen könnten die Zahlungen in Rubel statt Dollar geleistet werden. Rating-Agenturen haben bereits angekündigt, dass sie dies als Zahlungsausfall werten würden. Allerdings gilt bei den meisten Bonds eine Nachfrist von 30 Tagen, bevor ein Zahlungsausfall offiziell wird.

16.10 Uhr - Ein Gericht in Moskau hat die Online-Netzwerke Facebook und Instagram in Russland verboten. Das Verbot erfolge wegen "extremistischer Aktivitäten" der zum US-Internetriesen Meta gehörenden Netzwerke, erklärte das Gericht am Montag. Der ebenfalls zu Meta gehörende Messengerdienst Whatsapp ist von der Maßnahme nicht betroffen. Das Gericht erklärte zur Begründung, Whatsapp diene nicht der "öffentlichen Verbreitung von Informationen".

Die russische Staatsanwaltschaft hatte am 11. März inmitten des Ukraine-Konflikts eine Einstufung von Meta als "extremistische" Organisation gefordert. Der Internetkonzern hatte zuvor angekündigt, seine Nutzerregeln bei Gewaltaufrufen gegen die russische Regierung und ihre Streitkräfte zu lockern und unter anderem den Ausdruck "Tod den russischen Invasoren" zuzulassen. Später erklärte Meta aber, dies gelte nur für Nutzer in der Ukraine.

15.40 Uhr - Der niedersächsische Stahlkonzern Salzgitter warnt angesichts des Kriegs in der Ukraine vor Folgen für die Geschäftsentwicklung. Der Angriff Russlands auf das Nachbarland und seine Folgen könnten dazu führen, dass die wirtschaftliche Erholung abrupt abgebremst werde. Das könne Auswirkungen auch auf Konzerngesellschaften haben, teilte der Thyssenkrupp-Rivale am Montag mit. Damit gehe die Gefahr eines weiteren Anstiegs der bereits sehr hohen Energiekosten einher. "Somit bestehen aktuell kaum quantifizierbare Prognoserisiken," erklärte der Vorstand. Mit seinem Großkunden Volkswagen vereinbarte Salzgitter ab Ende 2025 die Lieferung von CO2-armem Stahl für das neue Elektroauto "Trinity", das ab 2026 in Wolfsburg vom Band laufen soll.

14.40 Uhr - Der scheidende Infineon-Chef Reinhard Ploss fürchtet wegen des Krieges eine neuerliche Knappheit bei Halbleitern. Grund sei, dass das für die Chipproduktion nötige Edelgas Neon ausgehen könnte. Infineon achte zwar darauf, Rohstoffe aus unterschiedlichen Quellen zu beziehen, zum Teil gebe es aber starke Abhängigkeiten. Die Ukraine ist ein wichtiger Lieferant des Edelgases.

14.30 Uhr - Der Kreml hat vor den Folgen eines möglichen EU-Embargos für Lieferungen von Öl aus Russland gewarnt. «Ein solches Embargo hätte sehr schwerwiegende Auswirkungen auf den weltweiten Ölmarkt und auf die Energiebilanz des europäischen Kontinents», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Die USA hätten bereits einen Lieferstopp für russisches Öl verhängt. Die Amerikaner würden dabei nichts verlieren und am Ende besser dastehen als die Europäer.

14.20 Uhr - Die Deutsche Bank wirbt für die- kostenlose Website JobAidUkraine, die offene Stellen für ukrainische Flüchtlinge anbietet. Seit dem Start am 1. März würden dort über 6000 Stellenausschreibungen täglich veröffentlicht, 27.000 Ukrainer suchten dort nach Stellen, wie die Bank am Montag mitteilte. Die Unternehmer Marcus Diekmann und Christian Weis haben die Plattform initiiert; die Deutsche Bank half bei der Suche nach Freiwilligen zur Verbesserung der Website.

14.00 Uhr - Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Containerschiff-Positionen in Echtzeit auswertet, erwartet ab März einen starken Einbruch des Warenaustauschs mit Russland. "Die größten drei Häfen Russlands verzeichnen rund die Hälfte weniger ankommende und abgehende Containerladung als zum gleichen Zeitpunkt 2021", sagte IfW-Handelsexperte Vincent Stamer zu Reuters. "Das sind massive Rückgänge, die zeigen, dass die Sanktionen Wirkung entfalten." Die fehlenden Güter dürften sich auch schon bald für Unternehmen und Bevölkerung in Russland bemerkbar machen. Da es sich um per Container verschiffte Güter handelt, seien hier Rohstoffe wie Öl, Kohle und Erdgas allerdings nicht oder nur zu einem sehr geringen Grad enthalten.

Unmittelbar vor dem Krieg Russlands gegen die Ukraine hingegen sind die deutschen Exporte nach Russland noch kräftig gewachsen. Sie legten im Februar auch wegen stark gestiegener Außenhandelspreise um 20,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 2,4 Milliarden Euro zu, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. "Der Außenhandel mit Russland war erst ab Ende Februar 2022 durch den Angriff Russlands auf die Ukraine und die in der Folge getroffenen Sanktionen eingeschränkt", erklärten die Statistiker dazu.

13.30 Uhr - Die Sanktionen wegen des Einmarsches in die Ukraine werden dem ZEW-Institut zufolge Russland spürbar treffen - dürften aber auch Deutschland belasten. "Die vermutlich schädlichste Maßnahme für die deutsche Wirtschaft ist der politische Druck auf westliche Unternehmen, ihre Geschäftsbeziehungen mit russischen Firmen abzubrechen", erklärte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Montag zu einer Umfrage unter 162 Finanzexperten. Von diesen befürchten 62 Prozent hier einen Schaden für die deutsche Konjunktur, aber die Auswirkungen anderer Maßnahmen auf die deutsche Wirtschaft werden als gering eingeschätzt.

13.00 Uhr - Die Bundesregierung ist entschlossen, der Ukraine weitere Waffen zu liefern. Dies könne auch über Bestellungen bei Rüstungskonzernen geschehen, sagt ein Regierungssprecher in Berlin. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts verweist darauf, dass die EU-Staaten parallel dazu die Mittel zur Beschaffung von Waffen für die Ukraine von 500 Millionen auf eine Milliarde Euro verdoppeln wollen.

"Sponsert bitte nicht die Kriegsmaschine von Russland": Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Krankenhausbesuch vor wenigen Tagen in Kiew

"Sponsert bitte nicht die Kriegsmaschine von Russland": Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Krankenhausbesuch vor wenigen Tagen in Kiew

Foto: IMAGO/Ukraine Presidency/Ukraine Presi / IMAGO/ZUMA Wire

12.00 Uhr - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Deutschen zu einem Boykott von russischem Gas und anderen Waren aufgerufen. "Ohne Handel mit Ihnen, ohne Ihre Unternehmen und Banken wird Russland kein Geld für diesen Krieg haben", sagte der 44-Jährige am Montag in einer in sozialen Netzwerken verbreiteten Videobotschaft. Niemand habe das Recht, Völker zu vernichten und Europa aufzuteilen.

"Sponsert bitte nicht die Kriegsmaschine von Russland", sagte Selenskyj weiter. Es dürfe keinen Euro für die Besatzer geben. Alle Häfen sollten für Russland geschlossen, keine Waren nach Russland geliefert und auf russische Energieressourcen verzichtet werden. Laut Angaben des Betreibers des ukrainischen Gastransportsystems sind seit Kriegsbeginn am 24. Februar knapp 2,5 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas in Richtung Westen gepumpt worden.

09.00 UhrFür mehrere belagerte Städte in der Ukraine sind nach Angaben der Regierung für diesen Montag acht Fluchtkorridore für Zivilisten vereinbart worden. Das eingekesselte Mariupol sei aber nicht darunter, sagt Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk. Die Bemühungen, Hilfsgüter für die Menschen nach Mariupol zu bringen, scheiterten weiterhin, sagt sie.

08.45 Uhr – Das chinesische Rote Kreuz bietet der Ukraine weitere humanitäre Hilfe an. Vorgesehen seien zusätzlich zehn Millionen Yuan (rund 1,42 Millionen Euro), sagt ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. China hat der Ukraine bereits Unterstützung zugesagt, darunter Anfang des Monats bereits fünf Millionen Yuan. China hat die Sanktionen des Westens gegen Russland wegen dessen Invasion der Ukraine kritisiert. In der UN-Generalversammlung, die mit großer Mehrheit den Angriff Russlands verurteilte, enthielt sich China der Stimme.

08.25 Uhr – Russischen Truppen setzen ihre Angriffe auf Kiew fort. Ein Einkaufszentrum sei nach Mitternacht getroffen worden, sagt Ihor Schowkwa, der Sicherheitsberater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, im ZDF. Putins Truppen sei es aber nicht gelungen, Kiew einzukesseln. In Mariupol und anderen Orten im Süden des Landes sei die Lage schwierig. Mariupol sei eingekreist, alle 15 Minuten schlügen russische Raketen ein. Dort finde ein Völkermord statt. Schowkwa fordert härtere Sanktionen gegen Russland, Luftabwehr-Waffen und einen raschen Beitritt seines Landes zur EU.

07.25 Uhr – Der Vormarsch der von Nordosten auf Kiew vorrückenden russischen Truppen stockt nach britischen Angaben weiter. Der Großteil der Truppen sei weiterhin mehr als 25 Kilometer vom Zentrum der ukrainischen Hauptstadt entfernt, teilt der britische Militärgeheimdienst mit. Nördlich von Kiew gingen die schweren Kämpfe weiter, erklärt das Verteidigungsministerium in London. "Streitkräfte, die aus der Richtung von Hostomel nach Nordwesten vorrücken, wurden durch heftigen ukrainischen Widerstand zurückgeschlagen."

07.00 UhrRusslands größter Autobauer Avtovaz stoppt wegen eines Mangels an Elektrobauteilen in dieser Woche teilweise die Produktion. Dies gelte bis Freitag, teilt das Unternehmen mit. Avtovaz hat bereits in diesem Monat wegen Engpässen bei Elektrokomponenten seine Werke in Togliatti und Ischewsk zeitweise stillgelegt. An dem Unternehmen hält der französische Autobauer Renault einen Mehrheitsanteil.

06.30 Uhr – Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Christian Sewing, warnt davor, zu früh neue Sanktionen gegen Russland zu verhängen. "Wir sollten die verkündeten Sanktionen zunächst einmal wirken lassen", sagte Sewing der "Welt am Sonntag". Ob es schärfere Sanktionen brauche, müsse immer wieder neu überprüft werden. "Diese Sanktionen haben aber eben auch einen negativen Effekt auf uns, und das müssen wir durchhalten", begründete der Manager. Sewing machte aber gleichzeitig deutlich: "Wenn es die Bundesregierung für nötig halten sollte, werden wir das mittragen." In der vergangenen Woche hatte die Deutsche Bank angekündigt, angesichts der russischen Invasion in die Ukraine ihr Geschäft in Russland herunterzufahren. Auch werde dort kein Neugeschäft mehr gemacht.

Das geschah in der Nacht

Ein Ultimatum der russischen Truppen an die seit Wochen belagerte Stadt Mariupol ist von der ukrainischen Führung abgelehnt worden. "Es wird keine Kapitulation, kein Niederlegen der Waffen geben", sagte Vize-Regierungschefin Irina Wereschtschuk der "Ukrajinska Prawda" am frühen Montagmorgen. Sie forderte vom russischen Militär die Öffnung eines humanitären Korridors in die Hafenstadt mit mehreren Hunderttausend notleidenden Zivilisten.

"Es wird keine Kapitulation geben": Nach Dauerbeschuss ist ein Großteil der ukrainischen Hafenstadt Mariupol zerstört, die Menschen suchen Schutz in Kellern, ergeben wollen sich die ukrainischen Verteidiger nicht

"Es wird keine Kapitulation geben": Nach Dauerbeschuss ist ein Großteil der ukrainischen Hafenstadt Mariupol zerstört, die Menschen suchen Schutz in Kellern, ergeben wollen sich die ukrainischen Verteidiger nicht

Foto: Alexander Ermochenko / REUTERS

Russland hatte am Sonntag die ukrainischen Truppen in Mariupol aufgefordert, die Waffen niederzulegen und die Stadt am Montagvormittag zu verlassen. Dazu solle zwischen 10.00 und 12.00 Uhr Moskauer Zeit (8.00 bis 10.00 Uhr MEZ) ein Korridor eingerichtet werden. Das russische Militär schickte ein acht Seiten langes Schreiben und forderte eine schriftliche Antwort ein. "Anstatt Ihre Zeit auf acht Seiten Brief zu verschwenden, öffnen Sie einfach einen Korridor", zitierte Wereschtschuk aus ihrer Entgegnung.

Tote bei Beschuss im Westen von Kiew

Beim Beschuss von mehreren Gebäuden im Westen der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurden am späten Sonntagabend mindestens vier Menschen getötet. Das teilte der örtliche Zivilschutz auf seiner Facebook-Seite mit. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko wurden bei dem Angriff mehrere Wohnhäuser im Stadtteil Podil beschädigt und in Brand gesetzt. Auch ein Einkaufszentrum sei getroffen worden, es sei ebenso wie eine Reihe von davor geparkten Autos in Flammen aufgegangen. Rettungsmannschaften und Sanitäter seien vor Ort, schrieb Klitschko bei Telegram.

Selenskyj vergleicht Russland mit Nazi-Deutschland

In der Nacht verbreitete Präsident Selenskyj wieder eine Videobotschaft – diese Aufnahmen sind inzwischen fester Bestandteil der Medienstrategie. In dem jüngsten Clip spricht Selenskyj über die russischen Soldaten und deren vermeintlich falsche Vorstellungen vom Verlauf ihrer Invasion. "Sie suchen weiterhin nach den imaginären Nazis, vor denen sie angeblich unsere Leute schützen wollten, und sie können noch immer keine Ukrainer finden, die sie mit Blumen empfangen." In einer weiteren Videobotschaft an Israels Parlament setzte Selenskyj Russland mit Nazi-Deutschland gleich und warf dem Kreml einen Plan zur Auslöschung der Ukraine vor.

Ammoniak im Chemiewerk in Sumy ausgetreten

In einem Chemiewerk in der Stadt Sumy in Nordosten der Ukraine trat am Montagmorgen aus noch unbekannter Ursache hochgiftiges Ammoniak aus. Der regionale Militärchef Dmytro Schywytzky schlug unter anderem über Telegram Alarm und appellierte an alle Bewohner im Umkreis von fünf Kilometern um das Chemiewerk, möglichst Keller oder Wohnungen im Erdgeschoss aufzusuchen. Das stark stechend riechende Gas ist leichter als Luft. Schywytzky machte keine Angaben dazu, wie es zu dem Austritt von Ammoniak in dem Chemiewerk "Sumychimprom" gekommen war. Eine unabhängige Klärung vor Ort war nicht möglich.

Tausenden gelingt die Flucht aus umkämpften Gebieten

Insgesamt wurden am Sonntag nach ukrainischen Angaben 7295 Menschen aus belagerten Gebieten in Sicherheit gebracht. Nach Zählung der Vereinten Nationen wurden bereits zehn Millionen Menschen vertrieben – und damit knapp ein Viertel der ukrainischen Bevölkerung. 3,4 Millionen hätten das Land verlassen.

Union: "Kontrollverlust" bei steigenden Flüchtlingszahlen

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion fordert von der Bundesregierung mehr Einsatz zur Bewältigung des Zustroms von Flüchtlingen aus der Ukraine. "Die Bundesregierung muss endlich in den Aktionsmodus wechseln, eine konsequente Registrierung und Verteilung in Europa organisieren, den Schutz von Frauen und Kindern garantieren und die Integration ermöglichen", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt der "Rheinischen Post" (Montag). "Durch die mangelnde Handlungsbereitschaft der Bundesregierung droht bei steigenden Flüchtlingszahlen schnell der Kontrollverlust." Deutschland brauche schnellstens ein koordiniertes Flüchtlingsmanagement.

Frankreich friert russische Vermögen von 850 Millionen Euro ein

Frankreich hat mutmaßliches Vermögen russischer Oligarchen im Wert von rund 850 Millionen Euro eingefroren. Darunter seien Immobilien im Wert von 539 Millionen Euro, sagte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire dem Radiosender RTL. Zudem seien 150 Millionen Euro auf Privatkonten französischer Banken eingefroren sowie zwei Jachten im Wert von 150 Millionen Euro festgesetzt worden. Frankreich hat angesichts der EU-Sanktionen gegen russische Oligarchen oder Personen aus dem Umfeld von Präsident Wladimir Putin eine Taskforce gegründet. Sie soll ihre Vermögenswerte in Frankreich ausfindig machen und Eigentümer von Bankkonten, Villen und Jachten identifizieren - was aufgrund von Briefkastenfirmen, die ihre Identität verbergen, kompliziert ist.

Biden reist Ende der Woche nach Polen

US-Präsident Joe Biden will angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am Freitag nach Polen reisen. Biden werde zunächst wie geplant an diesem Donnerstag an den Gipfeln der Nato, der EU und der G7-Staaten in Brüssel teilnehmen, teilte das Weiße Haus mit. Am Freitag werde er nach Warschau weiterreisen. Dort sei für Samstag ein Treffen mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda geplant. Dabei solle es um die humanitäre Krise gehen, "die der ungerechtfertigte und grundlose Krieg Russlands gegen die Ukraine ausgelöst hat".

Das wird am Montag wichtig

Unterhändler der Ukraine und Russlands haben für Montag eine neue Verhandlungsrunde per Videoschalte angesetzt. Am vergangenen Montag waren die bisher letzten Friedensgespräche auf höherer Ebene geführt worden. US-Präsident Biden will per Video mit Bundeskanzler Olaf Scholz, Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron, dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi und dem britischen Premierminister Boris Johnson beraten. Thema sei die koordinierte Antwort auf Russlands Angriff auf die Ukraine, teilte das Weiße Haus mit.

cr, rei/dpa-afx, Reuters