Jeder achte Arbeitnehmer 4,5 Millionen Beschäftigte machen regelmäßig Überstunden

Fast jeder achte Beschäftigte in Deutschland leistet regelmäßig Überstunden. Durchschnittlich 4,5 Millionen Beschäftigte haben im 2021 mehr gearbeitet, als in ihrem Arbeitsvertrag vereinbart ist. Eine Branche ist besonders betroffen.
Überstunden: Weit verbreitet in Deutschland

Überstunden: Weit verbreitet in Deutschland

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Der Überstundenanteil entspricht einem Anteil von zwölf Prozent der insgesamt 37,8 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Dabei leisteten Männer mit einem Anteil von 14 Prozent etwas häufiger Mehrarbeit als Frauen mit 10 Prozent.

"Solche Zahlen sind beunruhigend", sagte die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch. "Vor diesem Hintergrund wird noch einmal deutlich, wie unnötig und kontraproduktiv Diskussionen über eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit sind." Angesichts des Arbeitskräftemangels hatte zuletzt etwa der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, mit einer längeren und voll bezahlten Wochenarbeitszeit sympathisiert. "Wer Fachkräfte halten wolle, sollte sich um attraktive Arbeitsbedingungen kümmern", sagte Kohlrausch. Dazu gehörten Zeitarrangements, die Spielräume für eine bessere Vereinbarkeit für Arbeit und Leben ließen.

Finanzbranche besonders betroffen

Deutliche Unterschiede bei den Überstunden zeigen sich in den einzelnen Wirtschaftsbereichen, fanden die Statistiker heraus. Am weitesten verbreitet waren Überstunden demnach im Bereich Finanz- und Versicherungsleistungen, wo fast jeder fünfte Beschäftigte (19 Prozent) davon betroffen war. Auch in der Energieversorgung leistete mit 18 Prozent ein vergleichsweise hoher Anteil Mehrarbeit.

Am niedrigsten war der Anteil mit sechs Prozent im Gastgewerbe, gefolgt von der Kunst- und Unterhaltungsbranche (8 Prozent). "Hier dürften sich vor allem die Beschränkungen während der Corona-Pandemie ausgewirkt haben", hieß es dazu.

Für die meisten Beschäftigten war der Umfang der Mehrarbeit auf wenige Stunden pro Woche begrenzt. Rund ein Drittel gab an, weniger als fünf Überstunden geleistet zu haben. Bei 59 Prozent waren es weniger als zehn Stunden. Allerdings leistete mehr als ein Viertel (29 Prozent) der Betroffenen mindestens 15 Stunden Mehrarbeit.

Diese kann in Form von bezahlten und unbezahlten Überstunden geleistet werden oder auf ein Arbeitszeitkonto einfließen, über das sie später wieder ausgeglichen werden kann. Von den Personen, die 2021 mehr gearbeitet hatten als vertraglich vereinbart, leisteten knapp 22 Prozent unbezahlte Überstunden. Knapp 18 Prozent wurden dagegen bezahlt. 72 Prozent nutzten ein Arbeitszeitkonto. Mehrarbeit sei damit teilweise über eine Kombination der drei Formen geleistet worden, hieß es.

la/reuters
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