Verbraucherpreise Inflation in der Türkei steigt auf knapp 20 Prozent

Höhere Preise, unsichere Märkte, Währung auf Rekordtiefstand: Der Druck auf die türkische Wirtschaft steigt weiter. Kritiker machen Präsident Erdoğan und seinen geldpolitischen Kurs für die Krise verantwortlich.
Markt in Istanbul: Türken müssen deutlich tiefer in die Tasche greifen

Markt in Istanbul: Türken müssen deutlich tiefer in die Tasche greifen

Foto: ARIS MESSINIS/ AFP

Bereits im September lag die Inflationsrate in der Türkei bei 19,6 Prozent. Nun ist der Wert auf 19,9 Prozent angestiegen. Das teilte das nationale Statistikamt in Ankara mit . Analysten hatten im Schnitt einen noch stärkeren Anstieg auf 20,4 Prozent befürchtet. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Inflationsrate zwar ebenfalls deutlich höher als geldpolitisch gewollt, beläuft sich derzeit aber "nur" auf 4,5 Prozent.

Die starke Teuerung in der Türkei bereitet Anlegern seit Längerem Kopfzerbrechen, weshalb sie die türkische Lira meiden. Die Landeswährung der Türkei ist in den vergangenen Monaten zu Dollar und Euro erheblich unter Druck geraten und jeweils auf Rekordtiefstände gefallen. Das heizt die Inflation zusätzlich an, da importierte Güter teurer werden.

Verschärft wird die Situation durch den lockeren geldpolitischen Kurs der türkischen Zentralbank, die ihren Leitzins trotz der hohen Inflation zuletzt zweimal deutlich reduziert hat. Ökonomen zufolge sind in der aktuellen Lage eher Zinserhöhungen geboten.

Kritiker monieren, der Kurs werde maßgeblich durch Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan (67) beeinflusst, der als erklärter Gegner hoher Zinsen gilt. Wiederholt hat Erdoğan die Notenbankspitze ausgewechselt. Der aktuelle Notenbankchef Sahap Kavcioglu (54) ist erst seit März im Amt, nachdem der Vorgänger Naci Agbal (53) wegen Zinserhöhungen entlassen wurde. Kavcioglu ist mittlerweile der vierte Notenbankchef seit 2019.

atb/dpa
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