Wahlen in USA Das sind die Top-Spender der Parteien

Fast 17 Milliarden Dollar hat der Midterm-Wahlkampf in den USA verschlungen. Von den 25 größten Einzelspendern unterstützte nur jeder Dritte die Demokraten. Ein Überblick über die größten Parteienspender – von Ken Griffin bis zu Peter Thiel und mächtigen Milliardären, die gerne im Hintergrund bleiben.
Big Spender: Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin spendete 67 Millionen Dollar an die Republikaner

Big Spender: Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin spendete 67 Millionen Dollar an die Republikaner

Foto: Christopher Dilts / Bloomberg

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Alle 435 Sitze im US-Repräsentantenhaus und 35 von 100 Sitzen im US-Senat stehen zur Wahl: Bei den Midterms in den USA geht es vor allem um die Frage, ob die Republikaner die Mehrheit und damit die Macht im US-Kongress zurückerobern. Um die Macht wird mit dem Einsatz von Milliarden Dollar gerungen: Mit knapp 17 Milliarden Dollar waren die Midterm-Wahlen 2022 die teuersten Wahlen der US-Geschichte, wie das Portal Open Secrets errechnet hat .

Die Wahlkampf- und Parteienfinanzierung in den USA ist kaum reguliert. Politische Aktionskomitees, sogenannte "PACs", können Geld in beliebiger Höhe für die von ihnen unterstützten Parteien und Kandidaten ausgeben. Viele Milliardäre wie etwa der schwerreiche Industrielle Barre Seid nutzen die PACs, um mit Geld Einfluss auf die Politik zu nehmen und dennoch im Hintergrund zu bleiben. Andere schwerreiche US-Bürger machen aus ihren politischen Vorlieben keinen Hehl und spenden ganz offen Millionensummen an die verschiedenen Wahlkampf-Organisationen. Die Organisation Open Secrets, die sich für finanzielle Transparenz im US-Politbetrieb einsetzt , hat eine Liste der Top-Parteienspender zusammengestellt. Unter den Top 25 finden sich zahlreiche Wall-Street- und Silicon-Valley-Größen, aber auch schwerreiche Schattenmänner mit klarer politischer Agenda.

Auf Platz 1 der Einzelspender-Liste rangiert Hedgefondsgründer George Soros, der seit Jahrzehnten die Demokraten unterstützt und zur Reizfigur der rechten Szene in Amerika geworden ist. Rund 128 Millionen Dollar hat Soros im Midterm-Wahljahr 2022 an die Wahlkampfkasse der Demokraten gespendet. Der milliardenschwere Investor hat sich aus dem aktiven Management seines 1970 gegründeten Quantum Fonds zurückgezogen. Er gehört unter den Top 25 Einzelspendern zur klaren Minderheit derjenigen, die sich zu liberalen Grundansichten bekennen und die Demokraten offen unterstützen. Von den 25 Top-Finanziers finanzieren 7 die Demokraten und 18 die Republikaner. Und gegen den Schattenmann Barre Seid, der Firmenanteile im Wert von 1,5 Milliarden Dollar an die ultrakonservative Organisation "Marble Freedom Trust" übertragen hat, nimmt sich die Spende von Soros geradezu bescheiden aus.

Auf Platz 2 mit rund 80 Millionen Dollar Spenden folgt Richard Uihlein, der gemeinsam mit seiner Gattin Liz Uihlein laut "New York Times" zu den "mächtigsten Konservativen gehört, von denen Sie noch nie gehört haben." Uihlein ist Gründer des Versandunternehmens Uline mit rund 8000 Angestellten. Uihlein meidet die Öffentlichkeit, wettert firmenintern aber regelmäßig gegen Gewerkschaften, Steuern, gegen Eingriffe des Staates und gegen die LGBT-Bewegung. Er unterstützt mit Vorliebe Kandidaten am rechten Rand der Republikaner und hat auch den texanischen Senator Ted Cruz finanziell gefördert. Uihleins Gattin Liz hält die Corona-Pandemie für überbewertet und Quarantäne-Maßnahmen für Unsinn. Die beiden lenken ihre Millionenspenden mit Vorliebe in den ultra-konservativen "Liberty Principles" PAC.

Griffin, Schwarzman, Singer, Yass: Wall-Street-Größen vereint für Trump und Co

Kenneth Griffin, Gründer des Hedgefonds Citadel, hat 2022 bislang rund 68 Millionen Dollar an die Republikaner gespendet und belegt damit Platz 3 im Ranking. Griffin zählt seit Jahren zu den verlässlichsten Sponsoren der Trump-Partei: Er hatte bereits bei den Midterms 2018 den republikanischen Senatskandidaten Rick Scott in Florida mit 5 Millionen Dollar unterstützt und dazu beigetragen, dass Scott in dem wichtigen "Swing State" gewann. Griffin zählt neben Stephen Schwarzman und Paul Singer zu den schwerreichen und etablierten Wall-Street-Größen, die mehrheitlich die Republikaner unterstützen. Griffins Fonds Citadel verwaltet rund 50 Milliarden Dollar. Parallel hat Griffin mit Citadel Securities einen der größten Wertpapierhändler der USA aufgezogen. Schon nach Trumps Wahlsieg 2016 sang Griffin gemeinsam mit Singer das Hohelied der Deregulierung – angesichts des Volumens seines Fonds eine naheliegende Idee.

Ähnliche Interessen wie Griffin verfolgt Jeff Yass, der mit einer Spende von knapp 50 Millionen Dollar an die Republikaner auf Platz 4 der Einzelspender-Liste steht. Yass ist Gründer des Handelshauses und Wall-Street-Riesen Susquehanna International Group (SIG). Sein Handelshaus ist nach dem Fluss Susquehanna benannt, der eher beschaulich durch New York und Pennsylvania fließt. Weniger beschaulich ist sein Investmentstil: SIG hat sich auf den Handel mit Derivaten und Optionen spezialisiert und nutzt, ähnlich wie Griffin mit Citadel, dabei äußerst komplexe mathematische Modelle (Quants). Auch im Handel mit Kryptowährungen ist Yass unterwegs: Im Sommer spendete er öffentlichkeitswirksam 100 Bitcoin im Wert von rund 2 Millionen Dollar an den "Crypto Freedom PAC". Es ist die bislang größte Einzelspende, die in Kryptowährung geleistet wurde. Den Großteil der 50 Millionen hat Yass jedoch in bar gespendet und damit häufig gezielt einzelne Kandidaten der Republikaner unterstützt.

Auf Platz 5 der Top-Spender-Liste steht Tim Mellon, Mehrheitseigner des Logistikers Pan Am Systems. Rund 40 Millionen Dollar hat Mellon laut Open Source im Jahr 2022 bislang an die Republikaner gespendet, weitere 10.000 US-Dollar - warum auch immer - an die Demokraten. Mellon denkt stramm konservativ und wettert seit Jahren gegen Einwanderung und soziale Hilfsprogramme: Staatliche Sozialhilfe bezeichnete der inzwischen 80jährige Milliardär im Ruhestand als "Wiederkehr der Sklaverei". Sich gegen Einwanderer abzuschotten, ist Mellon ein zentrales Anliegen: Im Jahr 2021 spendete Mellon rund 50 Millionen Dollar an den Bundesstaat Texas. Die Spende war allerdings zweckgebunden und sollte dem Aufbau der Mauer an der Grenze zu Mexiko dienen.

Großspender der Demokraten mit Liquiditätsproblem

Auf Platz 6 und 7 der Spenderliste folgen nach dem Spitzenreiter George Soros zwei weitere Großspender für die Demokraten: Sam Bankmann-Fried ist Gründer und Chef der Krypto-Handelsplattform FTX und hat in diesem Jahr bereits 36 Millionen Dollar an die Demokraten gespendet. Der 30jährige Krypto-Milliardär Bankmann-Fried war bereits im Präsidentschafts-Wahlkampf 2020 einer der größten finanziellen Unterstützer von Joe Biden. Der Chef des Coinbase-Konkurrenten FTX ist Mitglied der Initiative "Giving what we can" und plant, nach dem Vorbild der "Giving Pledge" des US-Milliardärs Warren Buffett, den größten Teil seines Vermögens im Laufe seines Lebens an Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden. Der Großspender der Demokraten hat aber seit dieser Woche ein Problem: Seine Kryptobörse FTX ist in akute Liquiditätsprobleme geraten.

Auf Platz 7 der Spenderliste folgt der Medienunternehmer Fred Eychaner, der 2022 bislang rund 35 Millionen Dollar an die Demokraten gespendet hat. Eychaner führt die Newsweb Corporation, zu der neben Zeitungen im Großraum Chicago auch TV- und Radiostationen gehören. Nach dem Verkauf des TV-Senders WPWR TV an Fox Corp. gründete Eychaner den Radiosender WCPT mit dem Auftrag, dem "Progressive Talk" in den USA eine Stimme zu geben. Eychaner setzt sich für die Rechte von Homosexuellen ein und unterstützt ähnlich wie Soros mehrere philanthropische Organisationen. Bereits 2012 hatte Eychaner die Demokraten im Wahlkampf mit einer zweistelligen Millionensumme unterstützt.

Knapp hinter Eychaner folgt einer der treuesten Unterstützer der Republikanischen Partei: Stephen Schwarzman, Gründer des weltgrößten Private-Equity-Investors Blackstone, hat 2022 ebenfalls knapp 35 Millionen Dollar an die Republikaner gespendet. Schwarzman war zeitweise Chef im Wirtschaftsbeirat von Donald Trump und gilt weiterhin als Trumps verlässlichster Unterstützer an der Wall Street. Seine Spenden setzt Schwarzman mit Vorliebe in umkämpften Swing-States ein, um demokratische Kandidaten aus dem Amt zu treiben.

Peter Thiel: Der "Dark Lord" stützt Senatorenkandidaten der Republikaner in Ohio und Arizona

Auf der Einzelspenderliste rangiert Peter Thiel mit 32 Millionen Dollar für die Republikaner "nur" auf Platz 9. Tatsächlich zählt der deutschstämmige Milliardär, der als Mitgründer des Bezahldienstes Paypal und als früher Investor bei Facebook zu seinem Vermögen kam, zu den wichtigsten Unterstützern der Republikaner im Silicon Valley. Thiel propagiert einen radikalen Kapitalismus, verabscheut den Staat und bezeichnete die US-Regierung kürzlich als "geistesgestört".

Vor den Midterm-Wahlen unterstützte Thiel als Megaspender einige der radikalsten Politiker am rechten Rand. Dazu gehören der Trumpist und Finanzinvestor Blake Masters, der Senator in Arizona werden will und Trumps Lüge vom Wahlbetrug offensiv verbreitet. Masters sieht in Thiel einen geistigen "Mentor". Auch JD Vance, der für Ohio in den Senat einziehen will und gute Chancen auf den Sieg hat, wird von Thiel unterstützt. Vance ist als Finanzinvestor selbst hochvermögend, hat in seinem Memorienband Hillbilly Elegy jedoch die Erzählung der benachteiligten, als Hinterwäldler verspotteten Rednecks aufgegriffen.

Setzen sich die von Thiel geförderten Rechtsausleger Masters und Vance in den Schlüsselstaaten Arizona und Ohio durch, dürfte die Mehrheit im Senat wieder an die Republikaner zurückfallen. Es wäre ein Triumph für Thiel, den Dark Lord des Silikon Valley.

Den letzten Platz unter den Top Ten der Big Spender hat sich Oracle-Gründer Larry Ellison gesichert. Er spendete im Midterm-Wahljahr rund 31 Millionen Dollar an die Republikanische Partei. Der 78jährige Software-Milliardär Ellison gehört neben Schwarzmann zu den langjährigen Sponsoren der Republikaner: 2020 überwies er eine Viertelmillion Dollar an den Trump-Vertrauten Lindsey Graham in South Carolina. Der kalifornische Senator Tim Scott erhielt Wahlkampfhilfe in Höhe von 15 Millionen Dollar. Ellison kann es sich leisten: Trotz des Kursrutsches an der Nasdaq wird sein Vermögen auf rund 100 Milliarden Dollar geschätzt.

Auf Platz 11 folgt der vierte Großspender der Demokraten, Michael Bloomberg. Er überwies für den Wahlkampf der Demokraten rund 28 Millionen Dollar. Bloomberg wurde durch die Gründung des gleichnamigen Finanzinformationsdienstes zum Milliardär. Zum Bürgermeister von New York wurde Bloomberg im Jahr 2002 noch als Kandidat der republikanischen Partei. Während seiner Amtszeit und auch nach seinem Abschied als Mayor setzte er sich jedoch unter anderem für schärfere Waffengesetze sowie für den Umweltschutz ein. Er ist seit vielen Jahren ein wichtiger Geldgeber und eine einflussreiche Stimme der Demokraten - obwohl seine Entscheidung, im Jahr 2020 kurzfristig selbst ins Rennen um die Präsidentschaft gegen Donald Trump einzusteigen, sich für ihn als teurer Flop entpuppte.

Auf den Plätzen 12 bis 25 der Top-Sponsoren finden sich weitere prominente Namen: Mit Hedgefonds-Manager Paul Singer (Ellliott Capital, Rang 15) und Walter Buckley (16) zum Beispiel zwei weitere Wall-Street-Größen, die die Republikaner mit Millionensummen unterstützen. Auch Stephen Mandel (17), Gründer von Lone Pine Capital, zählt zu den milliardenschweren Hedgefondsmanagern, die in diesem Jahr auf eine "rote Welle", also ein Comeback der Republikaner wetten. Eine Ausnahme unter den Finanzartisten bildet der Hedgefonds-Manager James Simons (Rang 20), der Trumps Präsidentschaft "fürchterlich" nannte und die Demokraten mit rund 15 Millionen Dollar unterstützte.

Auf den hinteren Plätzen der Top 25 Liste ist noch der im Jahr 2021 verstorbene Casino-Mogul Sheldon Adelson auf Platz 22 zu finden, der jahrzehntelange ein treuer Sponsor der Republikaner war und der "Grand Old Party" auch für den Midterm-Wahlkampf noch 15 Millionen Dollar bereitgestellt hat. Auf Platz 25 schließlich platziert sich Reid Hoffmann, Mitgründer des Karriere-Netzwerks Linkedin. Hoffmann spendete rund 10 Millionen Dollar an die Demokratische Partei.

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